China bleibt für Händler das wichtigste Schwellenland

"Global Retail Development Index 2015"

Düsseldorf - Ob im Jemen, in Syrien oder Russland - überall auf der Welt fordern Gewalt und Wirtschaftskrisen ihren Tribut. Und das bleibt nicht ohne Auswirkung auf den Handel der jeweiligen Region. Auch globale Filialisten bekommen das immer mehr zu spüren. Doch ihr Drang zur Expansion ist ungebrochen.

Welche Schwellenländer aus Sicht von Händlern bereits lukrativ sind und wo in Zukunft noch mehr gekauft wird - dies sind die zentralen Fragen, die dem diesjährigen "Global Retail Development Index" von A.T. Kearney zu Grunde liegen. Die Unternehmensberatung führt die Studie seit 2001 durch und identifiziert jedes Jahr die 30 attraktivsten Märkte für Handelsunternehmen in Schwellenländern.

Ausschlaggebend für eine hohe Platzierung im Ranking sind Faktoren wie wachsender Wohlstand, sozialer Frieden, wirtschaftliche Stabilität und Marktgröße. Aber auch wie groß und wie entwickelt das Konsumangebot bereits ist, gewichtet der Index.

'Gold, Juwelen und Haute Couture' sind das Sonderthema, mit dem sich der GRDI 2015 beschäftigt. Unter die Lupe genommen wurden 15 führende Luxuslabels in Schwellenländern. Die größten Chancen, einen wachsenden Abnehmerkreis zu finden verorten die Autoren demnach in Indien und Afrika - allein es fehlen hochwertige Flaniermeilen. In dem mit führenden Marken bereits gut ausgestatteten China dagegen schließen etablierte Händler wie Hugo Boss erste Läden: Der Markt ist saturiert. Denn junge Labels wie Céline und 3.1 Phillip Lim prosperieren.

Seit 2010 belegt in diesem Jahr China zum ersten Mal wieder den ersten Platz und verdrängt im Vergleich zum Vorjahr Chile auf Platz 3. Die Prognosen sind beeindruckend: Auf 8 Billionen US-Dollar soll der Konsum bis 2022 ansteigen.

Subsahara-Afrika arbeitet sich unterdessen im Top-30-Ranking mit den Ländern Botswana, Nigeria und Angola nach vorne. Die Autoren erwarten, dass der bislang eher mit Armut assoziierte Landstrich 2040 ein Magnet für Händler sein wird.

Und ob Uruguay, die Mongolei oder Katar - überall in der Welt blitzen kleine, fast jungfräuliche 'Juwelen' hervor. Hier entwickelt sich Konsum gerade erst. Zunehmend mehr Käufer zu finden ist deshalb leichter.

Krisenbedingte Instabilität ist ein Risiko, mit dem expandierende Händler vertraut sind: Lateinamerika konnte nicht an seine Spitzenperformances von 2014 anknüpfen. Zu schwer wiegen die strukturellen Probleme der Wirtschaft. Auf den Märkten im Mittleren Osten lasten die sinkenden Ölpreise und regionalen Konflikte: Kuwait (Platz 27) knickte um 19, Oman (Platz 26) um neun Plätze ein. Gebeutelt von internationalen Sanktionen sowie der Finanzkrise büßte auch Russland (Platz 21) neun Plätze ein.

Dass Krisen zugleich Chancen sind, dafür ist Russland das wohl beste Beispiel: Der historisch niedrigen Rubel bietet die Möglichkeit, günstig zu expandieren oder gar neu in den Markt einzutreten. Denn dass der Markt wieder auf Wachstumskurs kommt, ist unstrittig.

Zur Studie: Der Global Retail Development Index (GRDI) bewertet 30 Wachstumsmärkte auf einer Punkteskala von eins bis 100. Je höher die Platzierung in der Rangliste, desto dringlicher der Markteintritt. Die Länder, die Gegenstand der Rangliste sind, wurden aus 200 Wachstumsmärkten auf Basis von drei Kriterien vorausgewählt: Ein Länderrisiko von weniger als 110 im Länderrisikoindex von Euromoney, eine Bevölkerungsgröße von mindestens zwei Millionen und ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von mehr als 3.000 US-Dollar. Die GRDI-Punktzahlen basieren zu je 25 Prozent auf Länder- und Geschäftsrisiko, Marktattraktivität, Marktsättigung und Zeitdruck. 

ah

Veröffentlicht am: 02.06.2015

 

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