China verliert für US-Unternehmen an Strahlkraft

Bain & Company untersucht Wirtschaftsstandort Fernost

Lange galt China für westliche Firmen als wahres Schlaraffenland, doch inzwischen hat sich das Wirtschaftswunder in Fernost abgeschwächt. Dies merken auch die in die Volksrepublik investierenden US-Unternehmen. Nur jedes Zweite konnte 2015 seine Einnahmen steigern.


Stattdessen klagt rund ein Viertel der in China ansässigen US-Konzerne laut einer gemeinsamen Studie des American Chamber of Commerce in China und Bain & Company sogar über sinkende Erlöse. Besonders hart traf es amerikanische Rohstoff- und Industrieunternehmen: Von ihnen musste im Vergleich zum Vorjahr sogar die Hälfte fallende Umsätze verbuchen. Verhältnismäßig glimpflich kamen hingegen Dienstleistungs- und Technologiebetriebe davon: Nur 14 bzw. 13 Prozent mussten 2015 rückläufige Einnahmen hinnehmen.

Ein Viertel der US-Unternehmen möchte das Engagement zurückfahren

Aufgrund dieser Zahlen konnten nur etwa zwei Drittel (64 Prozent) der befragten Unternehmen ihr China-Geschäft im vergangenen Jahr als profitabel bezeichnen – dies ist der schlechteste Wert seit fünf Jahren. 2014 hatten noch 73 Prozent angegeben, den profitablen Bereich erreicht zu haben. Angesichts dessen will etwa ein Drittel der US-Firmen, die sich derzeit in der Volksrepublik engagieren, seine Investitionen im laufenden Jahr nicht verstärken. Ein Viertel (25 Prozent) möchte sogar Kapazitäten abziehen oder hat dies schon getan.

Für diese Entscheidung gibt es zahlreiche Gründe: Neben der sich abkühlenden wirtschaftlichen Dynamik im Reich der Mitte machen den Unternehmen auch steigende Kosten, die auch die Arbeitskosten beinhalten, zu schaffen. "Chinas Wirtschaft ist im Umbruch", erläutert Bain-Partner Dr. Klaus Neuhaus. "Das zeigen nicht zuletzt die steigenden Arbeitskosten. Viele Unternehmen müssen deshalb entscheiden, wie sie in China weiter verfahren wollen, und überdenken einzelne Investitionen."

Drei Viertel fühlen sich in China nur wenig willkommen

Massive Veränderungen zeigen sich auch im Investitionsumfeld in der Volksrepublik: So rangiert das Problem Korruption für die befragten US-Konzerne nur noch auf Platz acht der aktuell größten Hindernisse in China. Urheberrechtsschwierigkeiten und Produktpiraterie platzierten die Unternehmer sogar noch zwei Ränge dahinter. Trotz dieser Fortschritte werden viele Firmen mit dem chinesischen Markt aber nicht richtig warm. So gaben mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten an, sich in der Volksrepublik nur wenig willkommen zu fühlen. Vor allem unklare Gesetze und Regulierungen sorgen dabei für Unmut.

Dennoch haben viele US-Unternehmen ihren Optimismus nicht komplett verloren. Für drei von fünf Firmen bleibt China auch weiterhin eines der drei wichtigsten Investitionsziele. Zudem beginnt das Reich der Mitte, sein Image als verlängerte Werkbank des Westens abzustreifen. So konnten 40 Prozent der in China ansässigen US-Konzerne mehr als die Hälfte ihrer Umsätze innerhalb der Volksrepublik mit lokal entwickelten Produkten erzielen. Zudem haben über 40 Prozent der Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern in China vor Ort Entwicklungszentren aufgebaut.

Zur Studie:
Für die "China Business Climate Survey" hat Bain & Company in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Wirtschaftskammer in China mehr als 500 Unternehmen befragt.

tt

Veröffentlicht am: 28.06.2016

 

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