Dax-Konzerne 2015: Rekordumsatz bei negativer Gewinnentwicklung

Analyse von Ernst & Young

Der schwache Euro macht es möglich: Die DAX-Konzerne konnten im vergangenen Jahr der abgekühlten weltweiten Konjunkturentwicklung trotzen und ihren Umsatz um satte acht Prozent steigern, so eine Analyse von Ernst & Young. Der Gewinn hingegen ging zurück.

Die Dax-Konzerne erzielten 2015 einen Rekordumsatz bei negativer Gewinnentwicklung. (Bild: Oleksiy Mark - Thinkstock)
Die Dax-Konzerne erzielten 2015 einen Rekordumsatz bei negativer Gewinnentwicklung. (Bild: Oleksiy Mark - Thinkstock)

Der Umsatz der DAX-Konzerne kletterte laut Berechnung von Ernst & Young von 1,04 Billionen Euro auf den neuen Rekordwert von 1,12 Billionen Euro. Der Zuwachs geht allerdings zu einem erheblichen Teil auf das Konto des schwachen Euros – rechnet man den Rückenwind durch die Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung heraus, wären die Umsätze gerade einmal um drei Prozent gestiegen, so die EY-Analyse.

Der starke Wertverlust des Euro lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in Euro wachsen – wovon vor allem stark internationalisierte Unternehmen profitieren, die erhebliche Umsätze außerhalb des Euroraums erwirtschaften. Von dem im Gesamtjahr erzielten Umsatzplus von 80 Milliarden Euro gingen immerhin 46 Milliarden auf Währungseffekte zurück.

Weniger positiv war die Gewinnentwicklung: Der operative Gewinn (EBIT) der Unternehmen ging um fünf Prozent von 96,5 auf 91,5 Milliarden Euro zurück: Grund für den Gewinnrückgang waren vor allem die hohen Verluste der Deutschen Bank (6,1 Milliarden Euro) und von E.ON (4,2 Milliarden Euro). Die Mehrzahl der Unternehmen verzeichnete trotzdem einen Gewinnzuwachs: 20 Unternehmen konnten hier zulegen. Beim Umsatz schafften bis auf BASF sogar alle Unternehmen ein Plus (ohne Banken).

Das deutlichste Umsatzwachstum konnte Vonovia (plus 93 Prozent) vermelden – allerdings stark beeinflusst durch die Gagfah-Übernahme. Den höchsten Gewinnanstieg verzeichnete hingegen die Commerzbank, die ihren operativen Gewinn um 177 Prozent von knapp 690 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden Euro steigerte. In absoluten Zahlen hatte Daimler beim Gewinn die Nase vorn: Der Stuttgarter Autokonzern erwirtschaftete 2015 einen Gewinn von 13,2 Milliarden Euro. Im Gewinnranking folgen Allianz und BMW mit 10,7 bzw. 9,6 Milliarden Euro.  

Hohe Zuwachsraten im US-Markt

Als Umsatzmotor erweist sich laut EY zurzeit der starke US-Markt, wo viele deutsche Unternehmen zweistellige Zuwachsraten verzeichnen: Insgesamt kletterten die von den DAX-Konzernen in Nordamerika erwirtschafteten Umsätze um 23 Prozent, der Anteil des nordamerikanischen Markts am Gesamtumsatz wuchs von 24 auf 27 Prozent. In Europa schafften die DAX-Konzerne ein Plus von vier Prozent. Sie profitierten dabei von der robusten Konjunkturentwicklung in Deutschland und Großbritannien und der Erholung in einigen ehemaligen Krisenländern wie Spanien oder Irland, so EY.

Absturz des Ölpreises, turbulente Aktienmärkte: Risiken steigen

In einigen wichtigen Schwellenländern entwickelt sich die Nachfrage laut den Analyseergebnissen hingegen sehr verhalten. Russland und Brasilien haben sich zu Krisenfällen entwickelt, und auch die Entwicklung in China bereitet nach Einschätzung von EY Sorge. Einige deutsche Konzerne spüren die Wachstumsdelle in China sehr deutlich. Die mittel- und langfristigen Perspektiven auf dem chinesischen Markt seien zwar weiterhin positiv. Aber das Wachstum verlangsame sich.

Neben der schwachen Entwicklung in den Schwellenländern kristallisiere sich vor allem der Absturz des Ölpreises als Hauptrisiko für die Wirtschaft heraus. Die Neuinvestitionen in der Öl- und Gasindustrie gehen massiv zurück, Ölfirmen und Zulieferer müssen Personal entlassen, das niedrigere Preisniveau führt auch in anderen Branchen wie der Chemie und im Anlagenbau zu Umsatzeinbußen, so EY. Zudem hängt der Staatshaushalt etlicher Schwellenländer zu großen Teilen von den Ölverkäufen ab. Diese Länder befinden sich aktuell in einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale – und fallen damit auch als Absatzmärkte für die Produkte etwa der deutschen Unternehmen teilweise aus. Obendrein trage der Ölpreisverfall dazu bei, dass sich die politische Lage in den Ölförderländern destabilisiert.

Vorbereitung auf schwierige Zeiten

Angesichts der wachsenden weltweiten politischen und wirtschaftlichen Risiken stellen sich Deutschlands Top-Konzerne derzeit auf schwierige Zeiten ein, so die Beobachtung von EY. Einige Unternehmen haben bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen – etwa indem sie sich von Randaktivitäten trennen, Zukäufe in Kernbereichen tätigen oder ambitionierte Effizienz- und Sparprogramme auflegen. Es werde immer wichtiger, dass die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle modernisieren und die Chancen der digitalen Revolution nutzen.

Zur Studie:
Das sind Ergebnisse einer EY-Analyse auf Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im DAX gelisteten Unternehmen. Der Volkswagen-Konzern veröffentlicht seine Bilanz erst am 28. April und ist daher nicht Teil dieser Analyse.

mr

Veröffentlicht am: 18.03.2016

 

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