Der autoritäre Unternehmenspatriarch hat ausgedient

KPMG untersucht Führungsstil in Familienunternehmen

Lange Zeit herrschte in vielen Familienbetrieben ein autoritärer Führungsstil vor, doch diese Zeiten sind laut einer KPMG-Studie definitiv vorbei. Nur noch 6 Prozent der Familienunternehmen werden auf diese Weise geleitet. Stattdessen wird auf Teamwork gesetzt.

Business-Meeting (Bild: Rawpixel.com - fotolia.com)
Auch in den meisten Familienunternehmen hat das Teamwork den autoritären Patriarchen inzwischen abgelöst. (Bild: Rawpixel.com - fotolia.com)

Demnach werden auch die Mitarbeiter in neun von zehn Familienunternehmen in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden. So wird in 85 Prozent der befragten Firmen ein partizipativer Führungsstil gepflegt, 65 Prozent leiten ihren Betrieb kooperativ. In vielen Fällen werden die Führungsstile zudem kombiniert oder flexibel eingesetzt, um situativ auf Veränderungen im Umfeld reagieren zu können. "Die Studie verdeutlicht den Trend zum situativen Führen: Welcher Führungsstil der beste ist und welche Person die richtige, hängt aber immer davon ab, in welcher Phase sich das Unternehmen befindet. In Wachstumsphasen brauchen Firmen eher ein delegatives Talent an der Spitze, in Zeiten der Restrukturierung sind eher autoritäre Typen gefragt", erläutert KPMG-Berater Dr. Alexander Koeberle-Schmid die Ergebnisse.

Zudem scheinen Familienunternehmen häufig eine besondere Bindungswirkung auf die jeweiligen Gesellschafter zu besitzen. Diese zeigen sich in der KPMG-Befragung nämlich ausgesprochen loyal: Über die Hälfte der befragten Gesellschafter (56 Prozent) möchte demnach seine Anteile am Familienunternehmen unter keinen Umständen verkaufen. Brüchig wird diese Loyalität einzig und allein, wenn die eigene Mitgestaltung in Gefahr ist. So gaben 61 Prozent an, ihre Anteile doch veräußern zu wollen, wenn die Unternehmensziele und -werte im Widerspruch zu den eigenen Vorstellungen stehen sollten.

Familienmitgliedern fällt der Einstieg häufig leichter

Die Loyalität, die von den Gesellschaftern meist gezeigt wird, hat in Familienunternehmen generell einen hohen Stellenwert. Daher haben es Familienmitglieder häufig deutlich leichter, im Betrieb Fuß zu fassen: So gibt nicht einmal jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) an, dass Familienmitglieder ein bestimmtes Anforderungsprofil erfüllen müssen, um in die Firma einsteigen zu können. "Das gilt auch für die Einstellung von Managern. Die Zugehörigkeit zur Familie fällt stark ins Gewicht. Familienmitglieder steigen eher unabhängig von ihrer Ausbildung und Erfahrung in das Familienunternehmen ein", verrät Koeberle-Schmid. Zudem werden familienfremde Manager bei unterschiedlichen Vorstellungen zur Strategie und bei Nichterreichen festgelegter Ziele deutlich schneller abberufen als Familienmitglieder.

Dass in Familienunternehmen häufig mehrere Familienmitglieder an entscheidenden Positionen sitzen, kann allerdings auch zu Problemen führen. So geben Unternehmerfamilien zwar häufig zu Protokoll, dass ihnen offene und direkte Kommunikation wichtig sei (86 Prozent). 57 Prozent halten sogar Regeln für den Umgang mit Konflikten innerhalb der Familie für bedeutsam, doch wirklich zur Anwendung kommen sie nur selten (26 Prozent). "Unternehmerfamilien scheuen sich mitunter sehr stark vor Konflikten. Man kann durchaus sagen, dass familiengeführte Unternehmen sich oftmals schwertun, ihren eigenen Ansprüchen gegenüber der Konfliktkultur gerecht zu werden", so Koeberle-Schmid. Dabei könne sich ein offen ausgetragener Konflikt durchaus auch lohnen: "Jeder Konflikt ist immer auch eine Chance, sich weiterzuentwickeln."

Zur Studie:
Für die Studie "Firma, Familie, Führung" haben KPMG und das Institut für Familienunternehmen (FIF) der Zeppelin Universität in Friedrichshafen rund 100 Familienunternehmen befragt.

tt

Veröffentlicht am: 09.07.2016

 

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