Der Consulting-Nachwuchs fordert Weiterbildung, Transparenz und Nachhaltigkeit

BDU-Studierendenbefragung

Welche Gründe sprechen für einen Berufseinstieg im Consulting? Wie können Arbeitgeber punkten? Welches Einstiegsgehalt soll es sein? Diese und weitere Fragen stellte der BDU im November 2021 Studierenden Consulting-relevanter Fachrichtungen. Die Antworten geben Aufschluss über die Wünsche bezüglich Arbeitgeber und Arbeitsplatz, zeugen teilweise aber auch von überzogenen Vorstellungen.

Der BDU hat Studierende Consulting-relevanter Studiengänge zu ihren Erwartungen an eine Karriere in der Unternehmensberatung befragt. Auf dem Foto: BWL-Vorlesung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. (Bild: Picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)

Unter deutschen Consultinghäusern geht das Gespenst des Fachkräftemangels um. Von einer Beraterlücke schrieb unlängst hier auf CONSULTING.de unser Kolumnist Jörg Hossenfelder. Auch der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) konstatiert, dass sich der Mangel beim Consulting-Nachwuchs bereits bei vielen seiner Mitglieder limitierend auf das Wachstum auswirkt. Umso interessanter sind vor diesem Hintergrund Erkenntnisse dazu, welche Vorstellungen und Wünsche potenzielle Mitarbeitende bezogen auf einen Jobeinstieg im Consulting haben.

Welche Gründe sprechen für einen Berufseinstieg im Consulting? Wie können Arbeitgeber punkten? Welches Einstiegsgehalt soll es sein? Diese und weitere Fragen stellte der BDU im November 2021 insgesamt 151 Studierenden, davon 43 Prozent weiblich, vor allem der Fachrichtungen Wirtschafts-, Natur- und Geisteswissenschaften, die bereits im Rahmen ihrer Studientätigkeit bei einer studentischen Unternehmensberatung oder als Werksstudierende erste Erfahrungen im Consulting gesammelt haben (97 Prozent davon können sich auch einen Berufsstart im Consulting vorstellen). Kooperationspartner waren der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) sowie das Junior Consultant Network. Die Antworten geben Aufschluss über Auswahlkriterien, die an Arbeitgeber angelegt werden, und zeugen von einem ausgeprägten Bewusstsein für den eigenen Wert am Arbeitsmarkt.

Was das Consulting für die Befragten attraktiv macht

Warum Consulting? Als Grund nennen die Studierenden am häufigsten die abwechslungsreiche Arbeit in wechselnden Projektteams (77 Prozent), die Möglichkeit, Veränderungen zu bewirken und zu begleiten (54 Prozent) sowie hohe Anforderungen an die eigene Leistung (50 Prozent). Für 46 Prozent sind jeweils die Möglichkeit, Innovationen voranzutreiben und das im Vergleich zu anderen Branchen überdurchschnittlich hohe Einstiegsgehalt attraktiv.

Aspekte, die den Beratungsberuf für die Befragten attraktiv machen.  (Quelle: Kooperationsstudie BDU, BDSU, JCNetwork - Studierendenbefragung 2021)

Hohe Erwartungen an Weiterbildung, Transparenz und Nachhaltigkeit

Wenn es um die Attraktivität eines potenziellen Arbeitgebers geht, sind für Studierende Weiterbildungsangebote und transparente Karriereperspektiven zentral. Für 82 Prozent stehen diese Punkte auf der Liste der Pro-Argumente ganz oben. Erst danach kommen für den Consulting-Nachwuchs die Verdienstmöglichkeiten ins Spiel (72 Prozent), gefolgt von der Erreichbarkeit des Unternehmensstandorts, die 54 Prozent der Befragten wichtig ist. 42 Prozent wünscht sich zudem ein sicheres, unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Deutlich wird anhand der Studie ebenfalls: Der Nachwuchs legt Wert auf Nachhaltigkeit. 76 Prozent der Befragten erwarten von einem Arbeitgeber Engagement für die Erreichung der Ziele der Agenda 2030 für eine soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung. Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung etwa in Form von Pro bono-Beratungsleistungen oder Bildungsangeboten finden 65 Prozent wichtig. Und bei 69 Prozent können Arbeitgeber punkten, wenn se Mitarbeitenden die Möglichkeit einer bezahlten Freistellung zur Ausübung eines sozialen, ehrenamtlichen Engagements einräumen.

Der Consulting-Nachwuchs erwartet Engagement in Sachen Nachhaltigkeit. (Quelle: Kooperationsstudie BDU, BDSU, JCNetwork - Studierendenbefragung 2021)

Zehn Prozent möchten mit Senior Consultant-Gehalt einsteigen

Die hohen Erwartungen an Arbeitgeber gehen offenbar auch mit einer selbstbewussten Einschätzung des eigenen Wertes am Arbeitsmarkt einher. Die Entwicklung der monetären Erwartungen sieht BDU-Präsident Ralf Strehlau allerdings kritisch und warnt:

„Wir machen in unserer Branche die Erfahrung, dass junge Berufseinsteigende vermehrt mit überzogenen Gehaltsvorstellungen in den Bewerbungsprozess hineingehen. Vor allem das Brutto-Grundgehalt wird nicht selten zu hoch eingeschätzt.“

Der Studierendenbefragung zufolge erwarten 10 Prozent der Befragten ein Einstiegsgehalt, das dem Bruttofixgehalt eines Senior-Consultants entspricht (laut BDU im Durchschnitt 69.000 Euro p. A.). Mehr als 60.000 Euro will insgesamt jeder Dritte Befragte erzielen.

„Viel aussagekräftiger ist letztlich das Gesamtpaket aus Grundgehalt, Boni und Zusatzleistungen, wie beispielsweise Weiterbildungsangebote, Mobilitätsbudgets oder Gesundheitsförderung“, findet Strehlau weiter.

Was wünschen sich die Befragten an dieser Stelle? Auch zu den Gehaltszusatzleistungen liefert die Studie spannende Einblicke: Weiterbildungsangebote, Mobilitätszuschüsse, bAV und Unterstützung bei der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftige Familienangehörige stehen hier ganz oben, wie die Grafik zeigt.

Hintergrundinformation: Gehälter im Consulting

Gemäß der Vergütungsstudie 2021 des BDU Jahr kann der Consulting-Nachwuchs beim Einstieg mit Bachelorabschluss auf der Hierarchiestufe Analyst in einer kleineren Unternehmensberatung durchschnittlich mit einem Brutto-Grundgehalt von 43.000 Euro rechnen. Bei mittleren Consultingunternehmen liegt der gewichtete Mittelwert bei 47.000 Euro, bei den großen Marktteilnehmern bei 49.000 Euro. Auf der Hierarchiestufe Consultant liegen die Einstiegs-Festgehälter mit Masterabschluss je nach Größenklasse zwischen 48.000 Euro und 58.000 Euro.

Erhebungsmethode Onlinebefragung
Befragte Zielgruppe Studierende
Stichprobengröße n = 151
Feldzeit November 2022
Land Deutschland

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