Deutsche Banken blicken MiFID II vergleichsweise optimistisch entgegen

EUROGROUP CONSULTING untersucht Regulierungsauswirkungen

Auf die anstehende Umsetzung der EU-Richtlinie "Markets in Financial Instruments Directive" (MiFID II), die den Finanzmarkt stärker regulieren soll, sind deutsche Banken laut einer Studie von EUROGROUP CONSULTING im europäischen Vergleich gut vorbereitet.


Demnach rechnen Deutschlands Großbanken durch die verstärkte Regulierung mit verkraftbaren Einbußen. Anders sieht es hingegen in anderen europäischen Ländern aus: In Italien und Frankreich befürchten einige Bankhäuser Einnahmeausfälle im jeweils zwei- bis dreistelligen Millionenbereich, die sich insbesondere aus dem beschlossenen Provisionsverbot ergeben. So wird es Vermögensverwaltern und Portfoliomanagern mit Inkrafttreten von MiFID II nicht mehr erlaubt sein, Zuwendungen von Anbietern der Wertpapierprodukte zu erhalten. Stattdessen werden im Einzelfall nur noch kleinere, nichtmonetäre Vorteile zulässig sein, wenn sich die Servicequalität für den Kunden belegbar verbessert hat.

Provisionsverbot betrifft vor allem italienische und französische Institute

Italienischen und französischen Banken bereitet diese neue Richtlinie großes Kopfzerbrechen, da die Provisionen der Produktlieferanten bislang einen beträchtlichen Anteil am Wertpapiergeschäft ausgemacht haben. Zur Kompensation des Wegfalls dieser Zuwendungen müssten zahlreiche Institute Gebührenerhöhungen von bis zu 20 Prozent vornehmen – eine Entscheidung, die nach Einschätzung von EUROGROUP CONSULTING einige Kunden verschrecken dürfte.

Deutschen Banken bereitet die Umstellung hingegen größtenteils keine Sorgen, wie Studienleiter Dr. Christian Jensen berichtet: "Im Retailgeschäft setzen Institute hierzulande überwiegend auf das bisherige nicht unabhängige Beratungsmodell. Es erlaubt ihnen, weiterhin Provisionen von Produktanbietern zu erhalten. In der Portfolioverwaltung haben die meisten Häuser darüber hinaus schon sehr frühzeitig auf Bestandsprovisionen verzichtet, sodass sie auf die Änderungen aus MiFID II gut vorbereitet sind."

Transparenzvorschriften setzen Banken unter Druck

Problematischer ist auch für deutsche Banken allerdings das Thema Kostentransparenz: Gemäß der neuen Richtlinie müssen Produkt- und Dienstleistungskosten in Zukunft exakt berechnet und dem Kunden vorgelegt werden. Von diesen Vorschriften könnten vor allem Direktbanken und FinTechs profitieren. "Viele Depotinhaber werden, wenn sie zukünftig ihren Jahresreport ihrer Bank erhalten, genau rechnen, ob ihr Vermögensverwalter gut gewirtschaftet hat. Die meist attraktiveren Preismodelle der Institute ohne großen Vertriebsapparat und mit automatisierten Prozessen bedeuten einen großen Vorteil im Kampf um Kunden", erklärt EUROGROUP-Bankenexperte Norman Weißer.

Durch die gravierenden Veränderungen, die MiFID II mit sich bringen wird, dürfte sich auch die Angebotspalette der Banken deutlich verschieben. So wird die Mehrheit zukünftig auf den Status "unabhängige Beratung" verzichten und ihren Kunden andere Mehrwerte wie spezielle Auswertungen und gesonderte Kundenreports liefern, wodurch die Institute auch weiterhin Provisionen von Produktanbietern erhalten dürfen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die Institute mit unabhängiger Beratung Produkte mit geringeren Gebühren anbieten werden. Bislang unattraktive börsengehandelte Fonds, so genannte ETFs (Exchange Traded Funds) rücken dann in den Fokus der Banken.

Zur Studie:
Für die Studie "MiFID II European Benchmark Study" wurden im Frühjahr 2016 Entscheider der führenden zehn Großbanken in der EU befragt. Die Institute stammen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden.

tt

Veröffentlicht am: 14.06.2016

 

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