Deutsche Großunternehmen spüren Erwartungen der Öffentlichkeit

IÖW und future analysieren CSR-Berichterstattungspraxis

Spätestens seit dem folgenschweren Einsturz des "Rana Plaza" in Bangladesch im Jahr 2013 ist die Verantwortung der Großunternehmen für ihre Zuliefererketten auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen. Dies bekommen die Firmen mehr und mehr zu spüren.


So hat die Kritik an den oftmals intransparenten weltweiten Lieferketten globaler Großkonzerne laut einer Befragung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmensvereinigung future in der Vergangenheit deutlich zugenommen. Dadurch hat sich auch auf deutsche Großunternehmen ein spürbarer Erwartungsdruck aufgebaut: 70 Prozent der befragten Großkonzerne gaben zu Protokoll, eine vermehrte Nachfrage zu der Frage wahrzunehmen, wie sie Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen und mit Risiken aufseiten ihrer Lieferanten umgehen – aus Sicht des IÖW ein berechtigtes Anliegen: "Die Lieferketten von Unternehmen spannen sich um den gesamten Globus. Über die Auswahl ihrer Lieferanten sind deutsche Unternehmen mitverantwortlich für die Arbeitsbedingungen und Umweltstandards an anderen Orten in der Welt. Nachhaltiges Wirtschaften endet nicht am eigenen Werkstor, sondern reicht weit darüber hinaus", erklärte IÖW-Forscher Gerd Scholl.

Drei Viertel der Großkonzerne befürworten CSR-Berichtspflicht

Allerdings reagieren die Unternehmen auf den Erwartungsdruck der Öffentlichkeit größtenteils nicht mit dem Einnehmen einer Abwehrhaltung. Stattdessen befürworten 78 Prozent der befragten Unternehmen die EU-Richtlinie, die ab 2017 eine verpflichtende Berichterstattung über ihre CSR-Aktivitäten verlangt – ein Gesetz, das in der Vergangenheit aufgrund der geplanten Berichtspflicht von Wirtschaftsseite auch in der Kritik stand. Allem Anschein nach hat sich diese Einschätzung in den vergangenen Jahren jedoch gedreht: Aktuell lehnen nur noch 6 Prozent der Firmen die EU-Richtlinie eher ab.

Dieser Stimmungswandel ist auch dadurch zu erklären, dass viele Betriebe einen derartigen CSR-Bericht schon heute auf freiwilliger Basis erstellen. "In vielen Unternehmen sind Nachhaltigkeitsberichte längst zum selbstverständlichen Bestandteil der Unternehmenskommunikation geworden", berichtet Udo Westermann von future. "In unserem Benchmarking unternehmerischer Nachhaltigkeitsberichterstattung waren noch nie so viele Unternehmen vertreten wie in diesem Jahr. Aber es gibt weiterhin Leerstellen: Von den 150 größten deutschen Unternehmen veröffentlicht bislang etwa jedes zweite Unternehmen noch keinen eigenen Nachhaltigkeitsbericht."

Zur Studie:
Für die Studie befragten IÖW und future 63 der größten deutschen Unternehmen.

tt

Veröffentlicht am: 05.09.2016

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin