Deutsche Wirtschaft wird 2016 weiter stark wachsen

EY Eurozone Forecast

Im Jahr 2016 sieht der EY Eurozone Forecast die deutsche Wirtschaft wieder als Motor des europäischen Wachstums, nachdem sie im Jahr 2015 an Dynamik eingebüßt hatte. Das deutsche BIP-Wachstum prognostiziert EY mit 2,2 Prozent.

Damit werde es deutlich über den erwarteten 1,8 Prozent in der Eurozone liegen. 2017 dürfte die Dynamik in Deutschland allerdings wieder etwas nachlassen: Dann wird das Wachstum der Eurozonenwirtschaft laut EY-Prognose bei 1,8 Prozent stagnieren, die deutsche Wirtschaft soll dann immerhin noch um 2,0 Prozent zulegen.

Die Exportwirtschaft in der  Eurozone – und gerade auch in Deutschland – profitiert – nach wie vor vom derzeit niedrigen Eurokurs, der hiesige Produkte in der Welt günstiger macht. Das bescherte der Eurozone laut Prognose einen Exportzuwachs von 4,5 Prozent im Jahr 2015. 2016 soll sich das Exportwachstum dann mit 3,7 Prozent fortsetzen. Deutschland mit seiner exportstarken Industrie übertrifft das Exportwachstum in der Eurozone mit 5,3 Prozent im vergangenen Jahr und 4,0 Prozent im Jahr 2016. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, weiter an der lockeren Geldpolitik festhalten zu wollen, dürfte den positiven Effekt auch im kommenden Jahr aufrechterhalten. 

"Die Eurozone erholt sich von der Wirtschaftskrise und ist in einer neuen Normalität angekommen", kommentiert Georg Graf Waldersee, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY im deutschsprachigen Raum. "Die Wachstumszahlen bis 2007, als die Eurozonen-Wirtschaft jährlich um durchschnittlich 2,4 Prozent wuchs, sind allerdings vorbei. Die europäischen Volkswirtschaften wachsen langsamer – dafür aber hoffentlich substanzvoller. Denn ein Teil des Wachstums in den 2000er Jahren wurde durch die inzwischen geplatzte Immobilienblase und die hohe Verschuldung des öffentlichen Sektors ermöglicht."

Wachstum in USA und Großbritannien hilft Exportwirtschaft

Vor allem die florierende Wirtschaft in den USA und in Großbritannien hält die Exporte aus der Eurozone auf einem hohen Niveau – und das wird vorerst auch so bleiben. Während das Bruttoinlandsprodukt in den USA 2016 und in den folgenden Jahren voraussichtlich konstant um 2,7 Prozent wachsen wird, wird das Wachstum in Großbritannien zwar leicht niedriger aber dennoch konstant über 2,0 Prozent liegen.

"Allerdings gefährden auch Risiken das weitere Exportwachstum", warnt Graf Waldersee. "Insbesondere die Unsicherheit über das verlangsamte Wachstum in China trübt den Ausblick. Einst hoffnungsvolle Schwellenländer wie Brasilien oder Russland entwickeln sich schon länger sehr schwach. Fallende Preise für Öl und andere Rohstoffe haben die wirtschaftliche Entwicklung dort noch weiter beeinträchtigt"

Lag der Ölpreis Mitte 2014 noch bei 100 US-Dollar pro Barrel, fiel er bis Mitte des Jahres 2015 auf 60 US-Dollar und liegt momentan noch niedriger bei unter 50 US-Dollar.
Für den Binnenkonsum in der Eurozone ist der niedrige Ölpreis allerdings ein Antreiber: Die Konsumenten sparen bei den Energiekosten und geben das eingesparte Geld für andere Produkte und Dienstleistungen aus. Die Verbraucher-Ausgaben in der Eurozone werden im Jahr 2015 laut Prognose um 1,7 Prozent wachsen – so stark wie seit 2007 nicht mehr. Allerdings werden sich die Energiepreise laut EY-Prognose ab 2016 wieder etwas erholen – und in der Folge die Verbraucher-Ausgaben weniger stark wachsen.

Deutschland: Neuer Beschäftigungsrekord in Sicht

Dank der robusten Konjunkturentwicklung in Deutschland wird die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt um etwa 160.000 auf 43,2 Millionen steigen – und damit so hoch liegen wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die sehr positive Beschäftigungsentwicklung sei einer der Gründe für die robuste Konjunkturentwicklung in Deutschland, so Graf Waldersee: "Die gute Arbeitsmarktlage und die positive Lohnentwicklung lassen das Verbrauchervertrauen und den privaten Konsum deutlich steigen – und tragen so maßgeblich zur guten Konjunkturentwicklung in Deutschland bei."

Heute herrsche in den wirtschaftsstarken Gegenden Deutschlands annähernd Vollbeschäftigung, so Graf Waldersee: "In vielen Branchen werden händeringend Mitarbeiter gesucht, der Fachkräftemangel wirkt hier wie eine Umsatzbremse – und er dürfte sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen."

Aufgrund der anhaltend starken Zuwanderung nach Deutschland wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland (nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO) im Jahr 2016 voraussichtlich nur noch geringfügig sinken – von 4,6 auf 4,5 Prozent – nachdem sie im Jahr 2015 noch um beachtliche 0,4 Prozentpunkte gesunken war. Im kommenden Jahr dürfte damit die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung erreicht werden.

Millionen Jobs in Eurozone gingen verloren

Während in Deutschland neue Beschäftigungsrekorde in Sicht sind, bleibt die Arbeitslosigkeit in vielen anderen Ländern der Eurozone auf einem sehr hohen Niveau. Seit 2007 sind in Deutschland knapp 2,7 Millionen neue Jobs entstanden – in der Eurozone gingen im gleichen Zeitraum per Saldo hingegen fast 1,7 Millionen Stellen verloren. Betroffen vom Jobabbau waren vor allem Spanien, wo die Beschäftigung um 2,7 Millionen zurück ging, Griechenland (minus 0,99 Millionen) und Portugal (minus 0,5 Millionen). In elf Eurozonen-Ländern ist die Zahl der Beschäftigten heute niedriger als im Vorkrisenjahr 2007 – nur in sieben Ländern sind heute mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als im Jahr 2007 – darunter neben Deutschland vor allem in Österreich und Belgien.

dr

Veröffentlicht am: 13.01.2016

 

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