Deutschland mit Defiziten bei Digitalisierung

McKinsey Studie

10.08.2017

Trotz der wirtschaftlich guten Ausgangsposition hat die Bundesrepublik Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Die Themen künstliche Intelligenz, Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung müssten auf die Digitalisierungs-Agenda, so die Ergebnisse der McKinsey-Studie.

Deutschland mit Defiziten bei Digitalisierung (Bild: geralt - pixabay.com)

Deutschland hat in Sachen Digitalisierung im internationalen Vergleich noch Nachholbedarf. (Bild: geralt - pixabay.com)



Mit der Studie “Das digitale Wirtschaftswunder – Wunsch oder Wirklichkeit?“ hat das McKinsey Global Institute (MGI) Deutschlands Position in der Welt anhand verschiedener Wirtschaftsfaktoren analysiert sowie Erfolge und Defizite in der Digitalisierung unter die Lupe genommen.

Im Jahr 2016 wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,9 Prozent und mit zuletzt 74 Prozent befand sich die Beschäftigungsquote auf einem Rekordniveau. Demnach sind die Voraussetzungen in Deutschland aktuell besonders gut um Trends umzusetzen und zu gestalten: demografischer Wandel, wachsender weltweiter Wettbewerb und besonders die Digitalisierung und Automatisierung. Allerdings sei der Druck zum Wandel und zur Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit auch enorm, meint Cornelius Baur, Co-Autor der Studie.

Im internationalen Vergleich fehlt es der Bundesrepublik an führenden Unternehmen im Bereich Consumer Electronics und Onlineplattformen für Transaktionen. Globalen Giganten wie Alibaba, Alphabet und Apple ist somit nicht beizukommen. Das führt zu Handelsdefiziten gegenüber den USA in Höhe von mehr als vier Prozent des gesamten Dienstleistungsverkehrs. 

Digitales Potenzial

Auch in Sachen künstliche Intelligenz sind Deutschland und Europa gegenüber den USA und auch China im Hintertreffen. Die Bundesrepublik schöpft erst zehn Prozent ihres maximal möglichen Nutzens aus der Digitalisierung in führenden Sektoren. Dabei könnte die deutsche Wirtschaft enorm profitieren, würde neue Automatisierungstechnik zeitnah eingeführt: Die daraus resultierende Produktivitätssteigerung wäre immens. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf könnte sich bis 2030 jährlich um 2,4 Prozent erhöhen – das wäre ein BIP-Plus von 15.750 Euro für jeden Einwohner.

Den Ergebnissen der Studie zufolge könnten in Deutschland bis zu 77 Prozent der Arbeitsstunden von Geringqualifizierten automatisiert werden. Bei Mittelqualifizierten wären es immer noch 46 Prozent, bei Hochqualifizierten 18 Prozent der Arbeitsstunden, die automatisiert werden könnten. Das hieße nicht, dass diese Jobs ganz wegfielen, aber unsere Arbeitswelt wird sich dramatisch verändern werden, sagt Studien-Co-Autor Baur.

Um diesen Veränderungen vorbereitet begegnen zu können, sollte die Politik ehrgeizige Digitalisierungsstandards für alle Regierungs- und Verwaltungsebenen anstreben. Branchen mit geringem Digitalisierungsgrad (Bauwirtschaft, Immobilien, u.Ä.) müssten gefördert werden, um zu den Vorreitern aufschließen zu können. Ebenso bedürfe es des Ausbaus der Breitbandnetze. Auch in Bildungs- und Weiterbildungsprogramme solle investiert und die Einwanderung hochqualifizierter (Tech-)Spezialisten gefördert werden.

jvdm

 

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