Deutschland sollte sich auf seiner Top-10-Platzierung nicht ausruhen

A.T. Kearney bewertet Ergebnisse des Globalen Innovationsindex

Vor wenigen Tagen stellten die Cornell University, das INSEAD sowie die Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO) den aktuellen Global Innovation Index (GII) vor. Dabei gab es auch für Deutschland etwas zu feiern: Erstmals wurde Platz 10 erreicht.


Damit liegt die Bundesrepublik zwar weiterhin deutlich hinter dem Toptrio Schweiz, Schweden und Großbritannien, machte im Vergleich zum Vorjahr aber zwei Plätze gut und erreichte erstmalig die Top 10. Trotz dieses positiven Ergebnisses gibt es in Deutschland aus Sicht von A.T. Kearney, die für den GII als Knowledge Partner fungierten, weiterhin viel Nachholbedarf, um die Innovationsfähigkeit zu steigern. "Der erstmalige Top-10-Platz Deutschlands ist trügerisch, denn hohe Effizienz in den Innovationsstrukturen und -prozessen, wie wir sie in Deutschland finden, wird zukünftig nicht mehr reichen, um im internationalen Wettbewerb ganz oben mitspielen zu können", warnt daher A.T.-Kearney-Partner Dr. Kai Engel.

Deutschland muss sich weiter verbessern

So punktet Deutschland bislang vor allem in den Bereichen Forschung und Entwicklung, mit dem Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologie und der Anzahl von Patentanmeldungen. Darüber hinaus kann die Bundesrepublik auch beim Faktor Effizienz, der Innovations-Input (z.B. Ausgaben für Forschung und Infrastruktur) ins Verhältnis zum Output (z.B. Patentanmeldungen) setzt, überzeugen. Allerdings wird diese Effizienz nach Ansicht von A.T. Kearney zukünftig kein entscheidendes Innovationskriterium mehr sein, wie eine gemeinsam mit IMP3rove, der European Innovation Management Academy, durchgeführte Befragung von 100 internationalen Führungskräften im Rahmen des GII gezeigt hat. "6 von 10 Führungskräften sehen innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Fünftel ihres Umsatzes durch disruptive Innovation bedroht", berichtet IMP3rove-Geschäftsführer Dr. Martin Ruppert.

Um auf diesen Trend zu reagieren, müssten die Unternehmen auch Innovationspartnerschaften forcieren, globale und divers zusammengestellte Innovationsnetzwerke aufbauen sowie Spontaneität und Schnelligkeit bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle unter Beweis stellen. Doch gerade in diesen Feldern schwächelt Deutschland: So rangiert die Bundesrepublik beim Indikator Innovationspartnerschaften lediglich auf Platz 47, beim Thema Diversity auf Rang 53 und bei der Einfachheit von Unternehmensgründungen sogar nur auf Position 81. Um diese Ergebnisse zu verbessern, sollte sich Deutschland vor allem an den besten Innovatoren orientieren. "Die führenden Innovatoren haben an Tag eins eine Fragestellung, die sie nicht alleine lösen können und fahnden ab Tag zwei nach den besten Experten, um das Thema doch zu knacken – inzwischen teils automatisiert und unter Nutzung von Webcrawlern", erklärt Ruppert.

Innovationsmanagement steht vor einem großen Wandel

Das Innovationsmanagement befindet sich demnach in einem erheblichen Wandlungsprozess. So erwarten 70 Prozent der befragten Führungskräfte, dass ihre Aktivitäten in diesem Bereich bis 2020 globaler werden. Zusätzlich wird der Innovationsprozess auch durch die Einbindung neuer Akteure komplexer. Laut der Umfrage rechnen immerhin 78 Prozent damit, in Zukunft auch Kunden in den Prozess einzubinden. Rund zwei Drittel (67 Prozent) gehen von einer stärkeren Kooperation mit Start-ups aus und fast die Hälfte (45 Prozent) erwartet eine Zusammenarbeit ihres Unternehmens mit Forschungs- und akademischen Einrichtungen. Deutschland dürfe diesen Wandel nicht verschlafen, warnt Engel: "Der internationale Kampf um Innovationen, der für den Wettbewerbserfolg eines jeden Unternehmens entscheidend geworden ist, gestaltet sich wie bei David und Goliath: Deutschlands Unternehmen drohen ihn zu verlieren, wenn sie nicht schneller, kollaborativer und mutiger werden."

tt

Veröffentlicht am: 18.08.2016

 

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