Deutschland steckt zu wenig Geld in Infrastruktur

McKinsey untersucht Investitionsbedarf

Eine gute Infrastruktur ist entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg. Allerdings investieren die Staaten der Welt nicht genug in diesen Bereich. Laut einer Analyse des McKinsey Global Institutes wird bis 2030 eine Investitionslücke von 4,7 Billionen Euro entstehen.


Dabei gibt die internationale Staatengemeinschaft laut den Berechnungen der McKinsey-Studie "Bridging Global Infrastructure Gaps" bereits rund 2,3 Billionen Euro pro Jahr für den Neubau und die Instandhaltung von Transportnetzen sowie Energie-, Wasser- und Telekommunikationsleitungen aus. Diese Summe entspricht 3,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Um den Bedarf decken und mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum Schritt halten zu können, wären allerdings etwa 3 Billionen Euro (also 3,8 Prozent des BIP) jährlich nötig.

Besonders hoch ist der Investionsbedarf in den Schwellenländern: Etwa 60 Prozent der weltweit notwendigen Investitionen müssten  hier geleistet werden – zum Beispiel in China. So gibt die Volksrepublik mit einem Anteil von 8,8 Prozent des BIPs zwar mehr Mittel für Infrastruktur aus als die Vereinigten Staaten und Westeuropa zusammen, aber dennoch hat im Reich der Mitte noch immer jeder zweite Bürger keinen Internetzugang. Etwa 5 Prozent der Bevölkerung leben sogar noch ohne sauberes Trinkwasser.

Deutschland ist das Schlusslicht unter den G20-Staaten

Deutschland kann im internationalen Vergleich noch auf eine relativ gute Infrastruktur zurückgreifen. "Wir zehren allerdings sehr von der Substanz", warnt McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder, der für das Unternehmen den Bereich Transport- und Logistikberatung verantwortet. Investitionen sind daher auch in der Bundesrepublik dringend notwendig – zumal Deutschland im Vergleich der G20-Staaten prozentual das wenigste Geld in seine Infrastruktur steckt. Zwischen 2008 und 2013 beliefen sich die Ausgaben im Durchschnitt auf 2,0 Prozent des BIP. Bis 2030 wäre nach Einschätzung des McKinsey Global Institutes jedoch eine Steigerung um zusätzliche 0,4 Prozent pro Jahr (kumuliert bis 2030 also rund 160 Milliarden Euro) nötig, um den Bedarf zu decken.

Aus Sicht von McKinsey sollten diese Investitionen auch aus einem anderen Grund nicht auf die lange Bank geschoben werden: Schließlich könnte das weltweite jährliche BIP bis 2030 um 0,6 Prozent steigen, wenn die global notwendigen Investitionen getätigt werden würden. Zudem weisen Infrastrukturprojekte nach Berechnungen des McKinsey Global Institutes eine typische volkswirtschaftliche Rendite von rund 20 Prozent auf.

tt

Veröffentlicht am: 16.06.2016

 

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