Digitalisierung als Chance für Maschinen- und Anlagenbauer

Oliver Wyman-Branchenreport

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau, seit Jahrzehnten eines der stolzen Flaggschiffe des deutschen Außenhandels, muss sich veränderten Marktsituationen stellen. Die Branche steht am Beginn einer Konsolidierungsphase.

Dabei sei es eine der zentralen Aufgaben für die Unternehmen, die Herausforderungen der Digitalisierung beherzt anzugehen, so ein Ergebnis des Branchenreports "Perspectives on Manufacturing Industries" von Oliver Wyman. Berechnungen der Berater zufolge könnten Industrieunternehmen bis 2030 Wert in einer Größenordnung von mehr als 250 Milliarden Euro schaffen. Nach Einschätzung von Oliver Wyman liegen große Effizienz- und Margenpotenziale der digitalen Transformation vor allem in den indirekten Unternehmensbereichen, in den Büro- und Managementebenen: Die aktuellen Entwicklungen seien ähnlich bedeutsam sind wie in den 90er Jahren die Einführung der "lean production" für die Herstellungsprozesse.

Nach Einschätzung der Experten von Oliver Wyman gibt es in einigen Unternehmen durchaus noch Bedarf an Überzeugungsarbeit. Zwar würden die Unternehmen nach Erhebungen des Branchenverbandes VDMA im Schnitt bereits ein Drittel ihrer Investitionen in die Digitalisierung stecken. Aber viele Unternehmen seien laut Oliver Wyman konservativ, risikoavers und nicht besonders digital-affin. Für sie stelle die digitale Transformation eine kulturelle Hürde dar. Der Report empfiehlt der Branche, die Managementposition des Chief Digital Officers zu schaffen – nicht nur als Leuchtturmfunktion, sondern als in das Geschäftsmodell integrierte Schaltstelle für die Digitalisierung. Außerdem empfehle sich ein Blick in andere Branchen, die mit der Digitalisierung schon weiter seien, beispielsweise die Finanz- oder auch zum Teil die Automobilindustrie. Von denen könne man lernen, wie man am besten vorgehe.

Konsolidierung als Reaktion auf schwieriger gewordene Märkte

Die digitale Transformation gewinne vor der aktuellen Marktsituation an Bedeutung: Die Maschinen- und Anlagenbauer hätten in diesem Jahr in Deutschland erstmals mehr als eine Million Menschen beschäftigt, doch nur ein schwaches Umsatzwachstum erzielt, so die Warnung der Berater. Das sei zwar noch kein Alarmsignal in einer nach wie vor von großer Stabilität geprägten Branche. Auch die Aktienkurse seien bislang nicht nennenswert betroffen gewesen. Aber der zunehmende Protektionismus in den USA, das rückläufige Wirtschaftswachstum in China, Unwägbarkeiten auf der Währungsseite sowie konjunkturelle Schwankungen führten zu erhöhten Risiken. So habe die Branche in den ersten acht Monaten diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum gerade einmal ein Umsatzwachstum von knapp 1,5 Prozent auf 140 Milliarden Euro erzielt. Die Unternehmen stellten sich auf diese Risiken ein und beobachteten konjunkturelle Entwicklungen sehr genau. Auch 2017 erwarte Oliver Wyman eher eine Stagnation, mit möglicherweise leicht fallenden Profiten.

Zu den wesentlichen Trends zählen nach Ansicht der Oliver Wyman-Berater vor allem die veränderten Entwicklungen im Geschäft mit China. Man müsse erkennen, dass die chinesischen Ambitionen in den Weltmärkten die Branche in zweierlei Hinsicht beträfen. China sei als Einkäufer von Know-how und Produktionsstätten immer präsenter und ebenso als Verkäufer seiner Produkte made in China. Das zeigten einerseits prominente Übernahmeaktivitäten wie die Akquisition des Roboterherstellers Kuka durch die chinesische Midea Group oder der Verkauf von KraussMaffei an ChemChina. Und andererseits treffe die Branche in ihren angestammten Exportmärkten immer häufiger auf chinesische Wettbewerber, die ihre gesättigten Heimatmärkte verlassen. Im Teilmarkt für Baumaschinen beispielsweise sei die Exportquote Chinas in den letzten fünf Jahren auf das Vierfache gestiegen.

ah

Veröffentlicht am: 30.11.2016

 

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