Digitalisierung: das Problem der anderen?

Studie von etventure und GfK

Digitale Transformation? Ja! Aber in meiner Branche? Eher nein! Diese Antworten legt das Ergebnis einer aktuellen Studie zur Digitalisierung von etventure und der GFK nahe. Gleichzeitig sehen sich aber immer mehr der befragten Unternehmen gut für die digitale Transformation gerüstet. Die weiteren Ergebnisse hier.

Die Digitalisierung ist da - aber betrifft sie mich auch? (Bild: nd3000 - Fotolia)

Die Digitalisierung ist da - aber betrifft sie mich auch? (Bild: nd3000 - Fotolia)


Die digitale Transformation zählt derzeit bei fast zwei Dritteln (62 Prozent) der deutschen Unternehmen ab 250 Millionen Euro Jahresumsatz zu den drei wichtigsten Firmenzielen. Im Vorjahr waren es erst 50 Prozent, 2016 nur 41 Prozent. Zugleich ist man schon zuversichtlicher: Sahen sich im Vorjahr erst ein Drittel der Unternehmen "sehr gut" oder "gut" bei der Digitalisierung aufgestellt, sind es jetzt 42 Prozent.

Die Resultate der zum dritten Mal von der Digitalberatung etventure mit der GfK durchgeführten repräsentativen Studie geben aber auch Anlass zur Sorge: "Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung der deutschen Unternehmen und den realen Herausforderungen durch die Digitalisierung ", analysiert Philipp Depiereux, Gründer und Geschäftsführer von etventure die Ergebnisse.

Aus analog mach digital? Das wird nicht reichen

Dies spiegelt sich in den weiteren Ergebnissen der repräsentativen Studie von etventure und GfK wider: So versteht die Mehrheit der befragten Entscheider in deutschen Großunternehmen unter digitaler Transformation primär nur die "Digitalisierung des bestehenden Geschäftsmodells beziehungsweise bestehender analoger Prozesse" (55 Prozent). Nur halb so viele (28 Prozent) nennen dagegen den "Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle".

Der Wandel ist da, aber er betrifft mich nicht

Die Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) sieht die eigene Branche zwar einem "starken" oder sogar "sehr starken" Wandel ausgesetzt. Doch gerade einmal jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) sieht einen ebenso starken Wandel auch beim eigenen Geschäftsmodell voraus. 

Philipp Depiereux: "Diese Ergebnisse zeigen, dass zwar viele Unternehmen erste Digitalinitiativen gestartet haben, aber nicht über den inkrementellen Bereich hinauskommen. Wer nur den Fokus auf das bestehende Geschäft legt oder gar nur die IT optimiert, gefährdet die eigene wirtschaftliche Zukunft und Arbeitsplätze. Es geht darum, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, die dem technologischen Wandel ebenso wie den sich verändernden Kundenbedürfnissen gerecht werden. Unternehmen müssen ihr eigenes Geschäftsmodell kritisch hinterfragen und mitunter selbst disruptiv angreifen. An dieser Stelle besteht in Deutschland noch enormer Nachholbedarf."

Keine Auswirkungen in den nächsten drei Jahren?

Sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) glauben, dass sie in den kommenden drei Jahren auch ohne jegliche Maßnahmen zur digitalen Transformation keine Umsatzeinbußen befürchten müssen, 51 Prozent glauben generell, dass die Auswirkungen der digitalen Transformation frühestens dann sichtbar werden.

Die Konkurrenz sehen die Unternehmen hauptsächlich in ihrer eigenen Branche, die großen Konzerne wir z.B. Amazon und Google (22 Prozent) oder Start-Ups (7 Prozent) nehmen sie weniger als Bedrohung war. "Die Tech-Unternehmen und Startups sind heute die gefährlichsten Angreifer. Beispiele wie Netflix, Uber oder AirBnB zeigen, wie digitale Quereinsteiger mit neuen Geschäftsmodellen die Kundenschnittstelle besetzen und innerhalb kürzester Zeit ganze Industrien ins Wanken bringen können”, so Philipp Depiereux. "Die Traditionsunternehmen aus dem B2B-Bereich müssen sich die Erfolgsrezepte der digitalen Player – Schnelligkeit, Daten-Kompetenz und kundenzentrierte Methodik – zu eigen machen, wenn sie nicht Stück für Stück vom Markt verdrängt werden und die Schnittstelle zum Kunden verlieren wollen."

Warum fällt der Wandel schwer?

Die etventure-Studie zeigt auch, warum Großunternehmen in Deutschland die Umsetzung der digitalen Transformation noch immer schwerfällt. Als größte Hürde wird "die Verteidigung bestehender Strukturen" durch die Mitarbeiter im Unternehmen genannt (58 Prozent), gefolgt von "mangelnder Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen". Ein von Jahr zu Jahr wachsendes Hemmnis stellen zudem blockierende Sicherheitsanforderungen dar: Nannten 2016 erst etwa ein Drittel der Unternehmen dieses Argument, klagt jetzt schon von fast jede zweite Firma (48 Prozent) darüber. Hinzu kommen Zeitmangel, fehlende Flexibilität und Geschwindigkeit sowie zu viele Entscheidungsebenen, die einer schnellen Digitalisierung im Wege stehen.

Unternehmen mit externen Digital-Einheiten sind die Ausnahme

Für die Umsetzung der digitalen Transformation setzen die befragten Unternehmen zunehmend auf die Einrichtung eines firmeneigenen Digital-Labors: Fast jedes zweite befragte Unternehmen (44 Prozent) verfügt heute schon über eine eigene interne Digital-Einheit. Den Schritt, die Digital-Einheit aus dem Unternehmen auszugliedern und damit fernab der Kernorganisation als externes Tochterunternehmen aufzubauen, wählen bisher nur acht Prozent der Unternehmen.

Zur Studie: 

Anhand des Fragebogens von Digitalberatung und Company Builder etventure wurde durch die GfK eine telefonische Befragung unter rund 2.000 Großunternehmen in Deutschland ab 250 Mio. Euro Jahresumsatz repräsentativ durchgeführt. Der Erhebungszeitraum war vom 18.01.2018 bis zum 16.02.2018. Befragt wurden Entscheider, die mit dem Thema der digitalen Transformation in den jeweiligen Unternehmen befasst sind. 

Veröffentlicht am: 11.04.2018

 

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