Digitalisierung der Agrarindustrie könnte Ernteerträge um bis zu 30 Prozent steigern

Analyse von A.T. Kearney zum Smart Farming

Der digitale Wandel bietet auch der Agrarindustrie zahlreiche neue Potenziale. Laut einer Studie von A.T. Kearney könnten durch eine konsequente Digitalisierung die Ernteerträge derartig gesteigert werden, dass eine Milliarde mehr Menschen ernährt werden könnten.

Traktor (Bild: Deere & Company)
Die Digitalisierung der Agrarindustrie bietet viele neue Potenziale. (Bild: Deere & Company)

Der Agrarmarkt ist gehörig in Bewegung geraten, sodass zahlreiche Unternehmen der Agrarindustrie ihr Geschäftsmodell grundlegend überdenken müssen. Während die Umsätze der Saatgut-, Düngemittel- und Pflanzenschutzhersteller in den vergangenen Jahrzehnten verlässlich stiegen, bahnt sich nach Einschätzung von A.T. Kearney nun eine Trendwende an. Ausgelöst wird diese durch verschiedene Faktoren: So wird die Branche zum einen durch die gerade in der westlichen Welt immer populärere vegetarische Lebensweise unter Druck gesetzt, die den Fleischkonsum massiv senkt. Zum anderen flacht sich auch das Wachstum in der Nachfrage nach Biokraftstoffen immer weiter ab. Darüber hinaus sorgen zahlreiche staatliche und private Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung für eine Reduzierung der erforderlichen Produktionsmenge, während unter den Verbrauchern die Skepsis gegenüber der intensiven Landwirtschaft sowie dem Einsatz von Gentechnik und Pflanzenschutzmitteln spürbar wächst.

Erfolg von Fusionen und Übernahmen ist ungewiss

Auf diese Veränderungen des Geschäftsumfelds reagierten die Unternehmen der Agrarindustrie bislang vor allem mit Kostensenkungen sowie Fusionen und Übernahmen. "Ob sich die erhofften Synergien tatsächlich erzielen lassen, ist fraglich", kommentiert A.T. Kearney-Partner Dr. Carsten Gerhardt diese Tendenz. "Dabei vernachlässigen die Unternehmen Digitalisierung und Smart Farming als mittelfristige, vielversprechende Alternative. Agrarindustrie 4.0 bietet nicht nur Wachstumschancen für die Industrie, sondern auch die Möglichkeit Ernteerträge zu steigern, sodass wir im kommenden Jahrzehnt eine Milliarde mehr Menschen ernähren können." Berechnungen des Beratungshauses zufolge könnten die Erträge bei einer Etablierung der Digitalisierung im gesamten Pflanzenzyklus – also von der Aussaat bis zur Ernte – um 20 bis 30 Prozent verbessert werden.

Digitalisierung in der Agrarwirtschaft steckt noch in den Kinderschuhen

Bislang konzentriert sich Digital Farming insbesondere auf einige Start-ups, die beispielsweise Drohnen zur Überwachung von Feldern produzieren oder in Bereichen wie Satellite Imaging oder Robotertechnik neue Innovationen entwickeln. Zudem sei es nach Ansicht von A.T. Kearney allerdings von zentraler Bedeutung, die bestehenden Technologien zu bündeln und ganzheitliche Lösungen für Landwirte zu erarbeiten. Darüber hinaus dürften auch in der Agrarwirtschaft Plattformen entstehen, die Bauern dabei unterstützen, datenbasiert agronomische Entscheidungen zu treffen, um ihre Erträge zu optimieren und die Ressourcen zu schonen. "Wir gehen davon aus, dass die Großen der Branche sich jetzt als First Mover platzieren werden, dicht gefolgt von Start-ups, die das Zeug haben, die Möglichkeiten der Digitalisierung clever für sich zu nutzen und schnell praktikable Lösungen auf den Markt zu bringen", bilanziert Gerhardt. "Bei der Digitalisierung kommt es auf Schnelligkeit und Größe an. Wer hier den ersten Schritt macht, bestellt das Feld und wird die Ernte einfahren."

tt

Veröffentlicht am: 21.10.2016

 

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