Digitalkompetenz ist in DAX-Aufsichtsräten noch ausbaufähig

Russell Reynolds

Die Auswirkungen der Digitalisierung stehen auch für die DAX-Konzerne ganz oben auf der Tagesordnung. In den Aufsichtsräten der Unternehmen sind erfahrene Digitalexperten laut einer Studie von Russell Reynolds jedoch häufig Mangelware.


So fand Russell Reynolds bei einer Analyse der Aufsichtsräte der 30 DAX-Konzerne heraus, dass lediglich jedes dritte Board (37 Prozent) über Mitglieder mit ausgewiesener Digitalkompetenz verfügt. "Offensive Antworten auf die Herausforderungen der Digitalen Transformation und die damit verbundenen Disruptionen sollten auf der Strategieagenda oberste Priorität haben. Aber selbst wenn der Vorstand diese liefert, fehlt bei zwei Dritteln der von uns untersuchten Aufsichtsräte die profunde funktionale Fachkenntnis, um die vom Vorstand vorgelegte Digitalstrategie auf Augenhöhe hinterfragen zu können. Dieser Kompetenzmangel auf der Kontrollseite birgt erhebliche Brisanz für Deutschlands führende Konzerne", warnt daher Dr. Thomas Tomkos, Managing Director von Russell Reynolds in Deutschland.

Auch Internationalität ist eine Eigenschaft, die vielen Aufsichtsräten fehlt. So reduzierte sich der Anteil von Aufsichtsratsmitgliedern ohne deutschen Pass im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt auf nun 27 Prozent. Von diesen stammt zudem fast jeder Dritte aus Österreich oder der Schweiz. Von außerhalb Europas kommen hingegen nur 6 Prozent der DAX-Aufsichtsräte. Aus dem Raster fällt angesichts dieser Ergebnisse schon fast Fresenius Medical Care, das mit einem Anteil von 67 Prozent über den größten Ausländeranteil im Board verfügt.

Aufsichtsräte steigern ihre Frauenanteile deutlich

Positiv entwickelt sich dagegen der Frauenanteil in den Aufsichtsräten: Innerhalb des vergangenen Jahres steigerte sich dieser um 5 Prozentpunkte von 23,7 auf 28,7 Prozent. Damit erfüllen bereits 21 der 30 Aktionärsvertretungen die vom Gesetzgeber für die Zeit ab 2020 vorgeschriebene Anzahl von weiblichen Mitgliedern. Dagegen fielen mit Adidas und Henkel zwei Unternehmen, die die festgelegte Quote von 30 Prozent im letzten noch erfüllt hatten, wieder hinter den geforderten Anteil zurück. Die größten Umstrukturierungen in diesem Bereich warten hingegen noch auf HeidelbergCement, das mit einer Quote von 17 Prozent derzeit über den geringsten Frauenanteil verfügt.

Hinsichtlich der formalen Qualität blieben die Gremien trotz einiger personeller und struktureller Veränderungen weitgehend konstant. Bei einer an deutschen Schulnoten orientierten Durchschnittsbewertung der Aufsichtsratszusammensetzung ergibt sich für 2016 eine leicht verschlechterte Gesamtnote von 2,4 (2015: 2,3). Zum Hintergrund: Die Studie analysiert die DAX 30-Aufsichtsgremien anhand der verfügbaren biografischen Daten ihrer Mitglieder darauf hin, wie gut diese in Bezug auf Kriterien wie "geschäftsrelevante Erfahrung"' "Mandatslast", "Diversität"' oder "Digitalkompetenz" abschneiden. Die beste Bewertung vergab Russell Reynolds dabei an den Aufsichtsrat von Siemens mit einer Gesamtnote von 1,6, der den Vorjahressieger Deutsche Bank (1,9) damit knapp hinter sich lassen konnte. Die schlechteste Note erhielt dagegen – nicht zuletzt aufgrund fehlender internationaler Erfahrung und der niedrigen Frauenquote – HeidelbergCement mit einer 3,1. 2015 hatte das Unternehmen mit einer Note von 2,5 noch auf Rang 22 gelegen.

tt

Veröffentlicht am: 13.06.2016

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin