England ist raus

Brexit

Skepsis herrschte in der deutschen Wirtschaft schon vor dem Brexit, nun ist er Realität – mit noch nicht absehbaren Folgen. Entsprechend fielen die ersten Reaktionen heute aus.

"Die Entscheidung der britischen Wähler für den Brexit ist eine Niederlage der Vernunft", sagte Clemens Fuest, Präsident des ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Die Politik müsse nun alles tun, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Fuest erklärte, es sei nötig, sicherzustellen, dass Großbritannien so weit wie möglich in den Binnenmarkt integriert bleibt. "Es ist wichtig, die Verhandlungen darüber möglichst schnell zum Abschluss zu bringen, damit die Phase der Unsicherheit über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen möglichst kurz bleibt", so Fuest.

International einheitliche Regeln als Voraussetzung für funktionierende digitale Wirtschaft

Ähnlich äußerte sich auch Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des ITK-Branchenverbandes Bitkom. "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Auswirkungen auf die deutsche und europäische Digitalwirtschaft möglichst gering bleiben", kommentierte er die Situation. Mit Blick auf das große Thema "Digitalisierung" sagte er: "Es ist zu erwarten, dass sich Großbritannien von den Standards des digitalen Binnenmarkts entfernen wird. Für Unternehmen aus Deutschland bedeutet das, dass sie sich mit abweichenden Regeln in Großbritannien beschäftigen müssen. Gerade für Mittelständler und Start-ups ist das oft kaum möglich. Und IT-Dienstleister, die fast immer in internationalen Teams arbeiten, werden künftig nicht mehr von der Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren können. Wir müssen dafür sorgen, dass wir auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens einen möglichst einheitlichen Rechtsrahmen behalten. Ein gemeinsamer digitaler Binnenmarkt, der Großbritannien mit einschließt, muss unser Ziel bleiben. International einheitliche Regeln sind die Grundvoraussetzung für eine funktionierende und leistungsfähige digitale Wirtschaft." Durch das Ausscheiden des wichtigen Mitgliedslands Großbritannien aus der EU werde der Versuch der EU-Kommission deutlich erschwert, einen großen einheitlichen digitalen Binnenmarkt zu schaffen, um den Unternehmen einen Wettbewerb auf Augenhöhe mit Ländern wie den USA oder China zu ermöglichen, so Rohleder.

Skepsis in der Industrie

Dass der Brexit gravierende Folgen für die deutsche Wirtschaft haben könnte, befürchteten deutsche Industrieunternehmen schon im Vorfeld des Votums. Laut einer kurz vor der Wahl durchgeführten Studie des ifo Instituts zeigte sich mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen skeptisch im Hinblick auf die Auswirkungen des Brexit auf das eigene Geschäft. Allerdings: sechs von zehn Firmen prognostizierten dagegen, dass ein britischer EU-Austritt, dass Business nicht spürbar beeinflussen werde.

Welche Konsequenzen das Referendum für die deutsche Wirtschaft schlussendlich haben wird, bleibt abzuwarten. Der DAX jedenfalls reagierte heute mit einem drastischen Kurssturz und brach zu Handelsbeginn um zehn Prozent ein - der größte Kursrutsch seit der Finanzkrise im Jahr 2008.  

cl

Veröffentlicht am: 24.06.2016

 

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