Ernährungsindustrie kämpft massiv mit steigendem Ertragsdruck

BVE, Ebner Stolz

Die Bilanz der Ernährungsindustrie für das Jahr 2015 fällt laut Studie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und Ebner Stolz Management Consultants ernüchternd aus. Das Klima wird rauer.


Die Ernährungsindustrie musste einen Umsatzrückgang von mehr als zwei Prozent verkraften – das schlechteste Ergebnis der letzten vier Jahre, so die Studienergebnisse. 60 Prozent der befragten Unternehmen sind unzufrieden mit der aktuellen Ergebnislage. Eine Trendwende ist laut der Studie nicht in Sicht: 61 Prozent der befragten Top-Entscheider erwarten, dass sich diese Entwicklung in den kommenden drei Jahren fortsetzen wird.

Die Probleme sind vielseitig

Diese Situation ist laut BVE nicht auf einige wenige Probleme zurückzuführen. Vielmehr seien die Unternehmen mit komplexen Herausforderungen konfrontiert: verändertes Verbraucherverhalten, steigende Beschaffungsrisiken, zunehmende Komplexität der Märkte und Prozesse, Konsolidierungs- und Internationalisierungsdruck, wachsende Handelsmacht, gering ausgeprägtes Kooperationsverhalten und wenig Innovationschancen.

Auf der einen Seite machen die Kunden Druck: Die Verbraucher achten nicht nur auf den Preis, sondern mehr auf individuelle Qualitäts- und Konsummerkmale; ferner nimmt der Handel zunehmend Einfluss auf das Angebot. Das Marktvolumen im Heimatmarkt ist damit für viele Hersteller begrenzt. Auf der anderen Seite stehen den schrumpfenden Umsätzen steigende und volatile Kosten für Löhne, Energie und Rohstoffe gegenüber. Und diese Preisveränderungen müssen erst einmal die Hersteller tragen: 96 Prozent der Studienteilnehmer konstatieren, dass sie Kostensteigerungen nicht sofort an die Abnehmer weitergeben können. In diesem Markt mit einer fragmentierten Anbieterstruktur wird der Wettbewerb härter und der Konsolidierungsdruck gleichzeitig größer.

Wie kann mit diesen Problemen umgegangen werden?

Ein ganzes Bündel an Maßnahmen ist aus Sicht von Ebner Stolz gefragt, um ein profitables Wachstum realisieren zu können. Dazu gehören unter anderem Produktinnovationen. 81 Prozent der befragten Entscheider sind der Meinung, dass sie ein Schlüssel für künftige Profitabilität sind. Daher müssen Unternehmen der Ernährungsindustrie ein Klima für Innovationen schaffen. Vor allem eine Optimierung der Produktentwicklungsprozesse, die auch die Lieferanten berücksichtigen (72 Prozent) ist aus Sicht der Studienteilnehmer wichtig. Aber auch die Digitalisierung  – Stichwort Industrie 4.0 – wird nach Meinung von 55 Prozent der Befragten die Unternehmen nachhaltig verändern.

Um neues, signifikantes Wachstum zu erzielen, müssten die Unternehmen noch viel stärker als bisher neue Absatzmärkte im Ausland erschließen. 78 Prozent der Befragten sehen hier besonders den Vertrieb im Fokus. Doch der hohe Ressourcenaufwand erschwert den Gang ins Ausland. Statt diese Arbeit alleine zu stemmen, könnten die Unternehmen den Schulterschluss mit anderen suchen. Ob bei der Internationalisierung, bei Innovationen oder bei der Integration vor- und nachgeschalteter Wertschöpfungsstufen: Bündnisse – Allianzen, Fusionen oder Zukäufe – können die eigene strategische Position nachhaltig verbessern, so die Studienautoren. Diese Chance von Partnerschaften sehen bisher 47 Prozent der Studienteilnehmer. BVE und Ebner Stolz empfehlen Entschlossenheit, eine klare Zukunftsstrategie und aktives sowie effizientes Handeln, um langfristig dem Ertragsdruck standzuhalten.

Zur Studie:
Die Untersuchung mit dem Titel „Wetterwechsel. Steigender Ertragsdruck in der Ernährungsindustrie –
Herausforderungen und Strategien“ wurde von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie in Zusammenarbeit mit Ebner Stolz Management Consultants durchgeführt. Mit einem Online-Tool wurden hierfür führende Vertreter der Ernährungsindustrie befragt. Neben der Erhebung wurden Experteninterviews mit Unternehmensvertretern zu einzelnen Schwerpunkten geführt.

mr

Veröffentlicht am: 21.03.2016

 

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