"Es braucht Visionen!"

Horváth: CEOs sehen Digitalisierung nicht mehr als Chefsache

16.02.2018

Nur noch acht Prozent der Entscheider in deutschsprachigen Unternehmen sehen die Hauptverantwortung für die Digitalisierung beim Chef. Die Berater von Horváth sehen diese Entwicklung skeptisch.

Welche Ziele haben wir bei der Digitalisierung? (Bild: geralt - pixabay.com)

Welche Ziele haben wir bei der Digitalisierung? (Bild: geralt - pixabay.com)



In der aktuellen Horváth & Partners-Studie "Digital Value 2018" ist zu lesen, dass den CEOs eine deutlich geringere Rolle zugewiesen wird als noch 2016. Die Hauptverantwortung für die Digitalisierung sehen die Befragten eher bei IT-Leitern, Strategiechefs und Digitalverantwortlichen. Die Umsetzung stehe mittlerweile mehr im Vordergrund als die Strategie. Diese Entwicklung berge Risiken, schrieben die Horváth-Autoren. 

IT-, Strategie- und Digitalchefs in der Verantwortung

"Heute fokussieren sich die Unternehmen auf die Umsetzung digitaler Maßnahmen, und diese legen sie in die Hände funktionaler Führungskräfte." Das sagt Dr. Michael Kieninger, Sprecher des Vorstands von Horváth & Partners. Hätten sich CEO und CIO die Digitalverantwortung 2016 mit jeweils 37 Prozent und 34 Prozent noch mehr oder weniger untereinander aufgeteilt, steht der IT-Leiter mit 35 Prozent jetzt an erster Stelle, gefolgt von neuen Protagonisten: dem Strategiechef (CSO) mit 19 Prozent und dem Digitalchef (CDO) mit elf Prozent. Vor zwei Jahren spielten diese Positionen noch kaum eine Rolle, weil sie in vielen Unternehmen auch gar nicht vorhanden waren.

Technik darf Unternehmensstrategie nicht bestimmen

Die Übertragung der Verantwortung für die Umsetzung digitaler Maßnahmen an Führungskräfte mit funktionaler Zuständigkeit sei zwar in jedem Fall ratsam, schreiben die Autoren. Doch sollten strategische Fragestellungen der Digitalisierung unbedingt im Zuständigkeitsbereich des CEO verbleiben, der die gesamte Unternehmensstrategie im Blick hat. "Liegt die Digitalisierung vollständig in der Hand von IT- und Digitalexperten, droht die Gefahr, dass das Unternehmen die Möglichkeiten nur technikgetrieben angeht", so Kieninger. "Technische Lösungen sollten aber immer nur Mittel zum Zweck sein, das Unternehmen insgesamt voranzubringen, etwa durch optimierte Vertriebskanäle, Produktivitätssteigerung, oder Wissensvorsprung." 

Trugschluss-Gefahr

Die Unternehmen sollten auch nicht dem Trugschluss unterliegen, es gehe bei der Digitalisierung nur noch um Umsetzung und Feintuning bereits geplanter Projekte. "In vielen Bereichen hat die Digitalisierung noch gar nicht richtig angefangen. Da braucht es neue Visionen, wie ein Unternehmen in der Zukunft erfolgreich sein kann", sagt der Horváth-Experte. Auf diese Weise könnte es den Unternehmen gelingen, mit Hilfe der Digitalisierung nicht nur effizienter zu werden, sondern auch neue Erlösmodelle oder Geschäftsfelder aufzutun.

Über die Studie: Für die Studie "Digital Value 2018 – der Beitrag der Digitalisierung zur Wertschöpfung" wurden im Auftrag von Horváth & Partners rund 210 Entscheider auf C-Level, C-1 sowie Digitalisierungsentscheider befragt. Das Marktforschungsinstitut Krämer führte im August 2017 Telefoninterviews (Computer Assisted Telephone Interview (CATI) mit den Entscheidern durch. Die Teilnehmer der Studie stammen aus Unternehmen ab 500 Mitarbeitern und mit einem Jahresumsatz ab 250 Millionen Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es handelt sich um Unternehmen der Branchen Automotive, Chemicals, Consumer Goods, Financial Industries, Industrial Goods & High Tech, Oil, Pharmaceuticals, Retail, Telecom, Transportation, Travel, Logistics.

 

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