EU-Banken: Faule Kredite in Höhe von 1 Billion Euro

Strategy&-Studie

Ein Jahrzehnt nach der letzten Finanzkrise summieren sich ausfallgefährdete Kredite – auch "Non-Performing Loans" bzw. "NPL" genannt – in den Büchern europäischer Banken auf über eine Billion Euro. Darauf hat Strategy&, die Strategieberatung von PwC, hingewiesen.

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Selbst in Deutschland, wo diese Geldanleihen nur einen Anteil von 2,6% des Gesamtkreditvolumens ausmachen, seien knapp ein Drittel dieser Kredite nicht durch Risikovorsorgen gedeckt. Dabei geht es laut Strategy& um eine Summe von etwa 20 Milliarden Euro. Diese Kredite würden im Falle notwendiger Abschreibungen als Verlust direkt auf das Eigenkapital der Banken durchschlagen.
Dabei wird nach Meinung der Berater der externe Druck auf die Institute immer größer, die NPL in ihren Bilanzen zu restrukturieren, was niedrige Gewinnmargen zur Folge hätte. Neben der Niedrigzinspolitik der EZB und schwacher Wirtschaftsentwicklung in einigen Kernländern der EU zählten vor allem neue regulatorische Hürden zu den negativen Einflussfaktoren. Zudem führt die hohe Kapitalbindung in den Altlasten dazu, dass viele europäische Banken bei der Vergabe von Neukrediten eingeschränkt sind. Das könne erhebliche Konsequenzen für die Konjunktur, den laufenden Strukturwandel und die notwendige Digitalisierung nach sich ziehen, wodurch auch die relative Wettbewerbsfähigkeit der EU-Staaten gegenüber China und den USA beeinflusst würde. "Der beschleunigte Abbau notleidender Kredite bietet vielen Banken Freiraum für dringend benötigtes profitables Geschäft. Die zuletzt gestiegenen Abbauaktivitäten speziell in Italien stimmen positiv, nachdem knapp ein Drittel aller notleidenden Kredite in den Bilanzen der dortigen Banken liegt", so Dr. Philipp Wackerbeck, Geschäftsführer und Leiter Financial Services bei Strategy& in Deutschland.
Im Rahmen der Analyse hat Strategy& zudem die bestehenden Vorgehensweisen zum Abbau notleidender und unprofitabler Kredite untersucht. Vier Faktoren ermöglichen den erfolgreichen Start bzw. die Verbesserung laufender Abbauaktivitäten sowohl für existierende Bad Banks als auch für mögliche nationale Abbaueinheiten: Zunächst sollten die Institute im Sinne eines Neuanfangs ihre Organisation neu aufsetzen und berücksichtigen, dass Abbauorganisationen sich in ihren Eigenschaften klar von konventionellen Banken unterscheiden. Das beinhaltet ein maßgeschneidertes Betriebsmodell mit klaren Verantwortlichkeiten und Anreizen für Abbaumaßnahmen, korrekte Kreditbewertungen und einen ganzheitlichen Abbauplan. Außerdem müssen Banken die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Für den gesamten Abbau-Lebenszyklus sollte die Organisation mit einem sorgfältig kalkulierten, regelmäßig evaluierten und durchgängig abgesicherten Finanzierungs- und Liquiditätsniveau ausgestattet sein. Mit Blick auf die Abbauaktivitäten muss im Sinne einer professionellen Umsetzung die Wechselbeziehung zwischen Zeit und Ertrag im Rahmen des Kreditabbaus und der Hold-to-Maturity-Aktivitäten gewährleistet sein. Zudem sollten die Banken eine kohärente Abbaustrategie verfolgen, die eine messbare inkrementelle Reduktion des Betriebs und der Organisation mit fortschreitendem Portfolioabbau sicherstellt.


Veröffentlicht am: 08.11.2017

 

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