Europäische Finanzbranche: Online-Banken und digitale Geschäftsmodelle verschärfen Wettbewerb

Roland Berger

Das Consumer-Finance-Geschäft in Europa wird in den nächsten Jahren weiter wachsen, so eine Studie von Roland Berger. Doch die traditionelle Finanzbranche muss handeln, um im Wettbewerb mit Online-Banken und branchenfremden Marktteilnehmern mitzuhalten.


Die größten Herausforderungen in den kommenden drei Jahren liegen laut Berger-Studie zum einen in der Optimierung der Vertriebskanäle sowie der Marketing- und Preisstrategie, zum anderen in der Anpassung von IT-Infrastruktur und Operations. Besonders bei einfachen Produkten wie Autofinanzierungen oder Konsumentenkrediten werden die Margen weiter sinken. Dementsprechend erwarten mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) in den kommenden drei Jahren eine Konsolidierung der Branche; 70 Prozent sehen eine Bedrohung ihres Geschäfts etwa durch Wettbewerber oder neue Anbieter im Onlinebereich, so die Studie von Roland Berger.

Die Digitalisierung ist der wichtigste Trend

Für mehr als 90 Prozent der Studienteilnehmer stellt die Digitalisierung den wichtigsten Trend der kommenden Jahre dar. Dementsprechend gehen auch mehr als die Hälfte davon aus, dass bis 2018 die meisten ihrer Vertragsabschlüsse voll digitalisiert sein werden. Ende 2014 waren es nur 20 Prozent. Dabei erwarten die meisten eine deutliche Zunahme der reinen Online-Abschlüsse, auch wenn die persönliche Beratung nach wie vor den Hauptkanal darstellt. Eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung erscheint für 90 Prozent der Befragten (90 Prozent) prioritär. Denn für die Finanzbranche wird eine kurze Zeit zwischen Kreditantrag und -zusage wettbewerbsentscheidend.

Bei der Frage nach angestrebten Verbesserungen wollen 60 Prozent der Onlineanbieter die Zeit zwischen Antrag und Zusage verkürzen, über 80 Prozent aller Befragten planen den Einkaufsprozess (Customer Journey) über alle Vertriebskanäle zu verbessern und Daten effizienter zu nutzen. Als die drei wichtigsten strategischen Themen bis 2018 ergibt die Umfrage die Optimierung der Vertriebskanäle, die Anpassung der Marketing- und Preisstrategie und die Verbesserung der IT-Infrastruktur und der Operations.

Fünf Handlungsfelder zum Umgang mit Risiken, Chancen, Herausforderungen

Basierend auf den Umfrageergebnissen haben die Studienautoren fünf Handlungsfelder erarbeitet, auf denen Unternehmen der Finanzbranche aktiv werden sollten, um sich für die Zukunft fit zu machen. Der erste Schritt sei, das eigene Angebot insgesamt auf den Prüfstand zu stellen. Ziel müsse dabei sein, das Risiko, Kunden an neue, innovative Wettbewerber zu verlieren, nicht nur zu minimieren, sondern sich neue Chancen zu schaffen. Darauf aufbauend folgen dann weitere Schritte zur strategischen Transformation wie das Überarbeiten der "Customer Journey", also des Wegs, den der Kunde vom Erstkontakt bis zum Vertragsabschluss zurücklegt, der Aufbau neuer Partnerschaften oder eine optimierte Nutzung von Daten, um Wettbewerbsvorteile auszuspielen.

Zur Studie:
Die Studie mit dem Titel "Future of European Consumer Finance" von Roland Berger und Eurofinas basiert auf einer Befragung von Führungskräften von 118 Banken und Kreditinstituten in 21 europäischen Ländern.

mr

Veröffentlicht am: 30.03.2016

 

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