Europäische Privatkundenbanken stehen weiterhin unter Druck

A.T. Kearney veröffentlicht "Retail Banking Radar"

Die Privatkundenbanken Europas scheinen die Auswirkungen der Finanzkrise langsam, aber sicher zu überwinden – dies zeigt der diesjährige "Retail Banking Radar" von A.T. Kearney. Dennoch bereiten insbesondere die deutschen Kreditinstitute Sorgen.


Das Privatkundensegment der europäischen Bankhäuser befindet sich nach Einschätzung der Managementberatung A.T. Kearney spürbar auf dem Weg der Besserung – allerdings ist dies noch kein Grund, sich zurückzulehnen. Ein Grund hierfür sind die weiterhin historisch niedrigen Zinsen, die zu einer Stagnation des durchschnittlichen jährlichen Ertrags pro Kunde (666 Euro) geführt haben. Dennoch konnten die Privatkundenbanken aufgrund von weiteren Senkungen der Risikovorsorge um durchschnittlich 32 Prozent unterm Strich ein starkes Gewinnwachstum je Kunde um 18 Prozent verbuchen. Allerdings ist es den Instituten nicht gelungen, ihre Kostensituation zu verbessern – im Gegenteil: Sie verschlechterte sich sogar, wie an der Cost-Income-Ratio – dem Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag – von 61 Prozent zu erkennen ist.

ING-DiBa und DKB gehören zu den Ertrags-Champions

Besonders sorgenvoll stimmt in diesem Punkt die Situation der deutschen Privatkundenbanken: Sie verzeichnen vor Österreich die zweitschlechteste Cost-Income-Ratio, die unter anderem Aufschluss über die Effizienz eines Instituts gibt. So konnten die deutschen Retailbanken beim Thema Effizienz größtenteils keinen nennenswerten Fortschritt erzielen, sodass die Gewinne trotz einer leicht positiven Ertragsentwicklung um 3 Prozent sanken. Allerdings haben längst nicht alle deutschen Banken mit Problemen zu kämpfen: So konnten sich beispielsweise die ING-DiBa und die Deutsche Kreditbank einen Platz unter den Ertrags-Champions sichern. Den beiden Direktbanken ist es ebenso wie der polnischen mBank und der britischen Nationwide gelungen, zwischen 2010 und 2015 in diesem Bereich durchgängig zweistellig zu wachsen.

Im Hinblick auf den Faktor Kostenreduzierung konnte sich hingegen keine deutsche Filialbank in der Spitzengruppe platzieren. Stattdessen schafften es die italienische Intesa Sanpaolo, die schwedische Nordea und die spanische Bankia, ihre Kosten durch Filialbereinigungen sowie die Vereinfachung ihrer Organisation im Vergleich zu 2010 um 11 bis 43 Prozent zu senken.

Deutsche Banken müssen an Effizienz arbeiten

Für die deutschen Retailbanken geht nach Ansicht von A.T. Kearney hingegen kein Weg daran vorbei, die Effizienz deutlich zu erhöhen. "Die deutschen Banken drohen im europäischen Wettbewerb zurückzufallen", warnt Andreas Pratz, Leiter des A.T.-Kearney-Beratungsbereiches Financial Services in der DACH-Region. "Wenn die Deutschen den europäischen Anschluss nicht verpassen wollen, müssen sie ihre Cost-Income-Ratio um 10 Prozentpunkte verbessern – das entspricht pro Kunde ca. 50 Euro mehr Ertrag oder weniger Kosten." Aus Sicht von Pratz wird sich ein solches Ergebnis wohl nur durch die Kombination von Kostenreduktion und Umsatzsteigerung erzielen lassen: "Neben Abbau der Filialen, Digitalisierung des Vertriebs und des Betriebs und Ausbau von frictionless banking werden die deutschen Institute auch ihre Preispolitik überdenken müssen: Gratiskonten sind ein Auslaufmodell."

Zur Studie:
Für den seit 2007 jährlich erscheinenden "Retail Banking Radar" wurden die Daten von fast 100 Privatkundenbanken und Bankengruppen in 22 europäischen Ländern hinsichtlich der Kriterien Ertrag pro Kunde und Mitarbeiter, Gewinn pro Kunde, Cost-Income-Ratio und Kreditrisikovorsorgequote untersucht.

tt

Veröffentlicht am: 22.06.2016

 

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