Fachkräftemangel: Mittelständlern entgehen 50 Milliarden Euro Umsatz

EY Mittelstandsbarometer

So gut war die Geschäftslage für Mittelständler lange nicht, mehr als jeder zweite Befragte ist optimistisch. Dennoch entgehen den Unternehmen Umsätze in Milliardenhöhe. Es fehlt an qualifizierten Mitarbeitern, so die Ergebnisse des EY Mittelstandsbarometers.

Die Geschäftslage ist gut, doch viele Mittelständler können Aufträge nicht annehmen. Ihnen fehlen die Mitarbeiter. (Bild: Kreative Photography - fotolia.com)

Die Geschäftslage ist gut, doch viele Mittelständler können Aufträge nicht annehmen. Ihnen fehlen die Mitarbeiter. (Bild: Kreative Photography - fotolia.com)


59 Prozent der befragten Mittelständler sind aktuell uneingeschränkt zufrieden mit der Geschäftslage – der höchste Wert seit Ernst & Young 2004 erstmals Unternehmen für das Mittelstandsbarometer befragt hat. Und immerhin noch 38 Prozent blicken zuversichtlich auf das kommende halbe Jahr. Sie nehmen an, dass sich ihre Geschäftslage noch weiter verbessert.

Fachkräftemangel sorgt für hohe Umsatzeinbußen

Was diese positive Entwicklung ausbremst, ist der sich verschärfende Fachkräftemangel. Immer mehr Mittelständler (78 Prozent) geben an, dass sich die Suche nach geeigneten Mitarbeitern problematisch gestaltet, 53 Prozent sagten, dass sie Aufträge nicht annehmen können, da ihnen das Personal dafür fehlt. Zwei Branchen bekommen das besonders zu spüren: Kraftfahrzeugbau (89 Prozent) und Elektrotechnik (84 Prozent). Da überrascht es nicht, dass die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen den Fachkräftemangel als großes bzw. sehr großes Risiko für ihr Unternehmen benennen – vor Konjunkturabschwächungen, Hackerangriffen oder geopolitischen Spannungen. Bereits jetzt lässt sich der Schaden nach Angaben von EY auf jährlich 49 Milliarden Euro beziffern.

Mittelstand plant mehr Einstellungen

Ein Drittel der Befragten wollen weitere Mitarbeiter einstellen, finden jedoch auf dem leeren Arbeitsmarkt nicht die passenden Kandidaten. Viele haben daher ihre Suche auf das Ausland ausgeweitet oder planen, Flüchtlinge einzustellen (59 Prozent). Bereits 16 Prozent der befragten Mittelständler beschäftigen bereits Flüchtlinge. Als Problem bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sehen viele der Befragten (83 Prozent) die fehlenden Deutschkenntnisse, die mangelnde Qualifikation gaben 46 Prozent als Hürde an. Der bürokratische Aufwand bei der Beschäftigung von Flüchtlingen scheint sich im Vergleich zum Vorjahr jedoch verringert zu haben: Diesen nennen 37 Prozent als Hindernis, im Vorjahr waren es noch 45 Prozent.

Beschäftigung von Flüchtlingen

Ob sich das Problem des Fachkräftemangels durch die Beschäftigung von Flüchtlingen abschwächen lässt, das sehen die Befragten skeptisch: Im vergangenen Jahr waren 55 Prozent optimistisch, in diesem Jahr sind es nur noch 45 Prozent. Insgesamt werden die gestiegene Zuwanderung und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft aber zuversichtlicher gesehen als im Vorjahr. Fast jeder Dritte bewertet sie als positiv, weniger als jeder Fünfte erwartet dadurch negative Auswirkungen.

Für das Ernst & Young Mittelstandsbarometer wurden 3.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt. Die Erhebung wurde 2004 erstmals durchgeführt.

io

Veröffentlicht am: 26.01.2017

 

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