Fast jede zweite Beraterin beklagt männlich geprägte Kultur der Branche

LAB & Company stellt Consulting-Barometer vor

43 Prozent der weiblichen Consultants empfinden die von Männern geprägte Unternehmenskultur innerhalb der Branche laut einer Studie von LAB & Company als Karrierebremse. Demnach machen den Frauen häufig Vorurteile das Leben schwer.


Die Branche der Unternehmensberater wird oftmals als reine Männerdomäne wahrgenommen, woran die männlichen Berater laut einer von LAB & Company durchgeführten Umfrage nicht ganz unschuldig sind. "Über die Gründe für den geringen Frauenanteil im Top-Consulting wird seit Jahren heftig diskutiert", berichtet Marcel Derakhchan, Managing Partner bei LAB & Company. "Dabei reduziert sich die Argumentation schnell darauf, das Beratungsgeschäft sei wegen der hohen Arbeitsbelastung und vieler Dienstreisen unvereinbar mit Privatleben, Partnerschaft und Familie – also nichts für Frauen." Diese Haltung sei jedoch antiquiert und falsch: "Frauen sind nicht grundsätzlich weniger leistungswillig oder mobil als Männer. Außerdem ist auch vielen Männern ihr Privatleben wichtig. Das erleben wir in unseren Gesprächen mit Kunden und Mandanten jeden Tag."

Weibliche Talente werden unterschiedlich wahrgenommen

Die Zuflucht zu derartigen Vorurteilen spiegelt sich auch in der sehr unterschiedlichen Wahrnehmung weiblicher Stärken im Beratungsgeschäft wider: So ist nur jeder fünfte männliche Consultant (21 Prozent) der Meinung, dass seine Kolleginnen besonders analytisch seien. Unter den weiblichen Befragten sehen dagegen 40 Prozent diese Fähigkeit als eine weibliche Stärke an. Noch gravierender ist der Unterschied hinsichtlich der Führungsqualitäten von Frauen: Während lediglich jeder zehnte Berater seinen Kolleginnen ein derartiges Talent bescheinigt, sind 39 Prozent der Beraterinnen der Meinung, dass auch Frauen über die Fähigkeit verfügen, ein Team zu leiten. "Die Qualitäten weiblicher Consultants werden oft noch immer unterschätzt", mahnt Derakhchan. "Diese Vorurteile verhindern, dass mehr talentierte Frauen in Führungspositionen einen Mehrwert für Beratungsunternehmen bringen."

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch ausbaufähig

Doch wie lassen sich mehr Frauen in Spitzenpositionen bringen? Rund die Hälfte der befragten Beraterinnen sieht in mehr Frauenförderung und der Benennung unterstützender Mentoren mögliche Lösungsansätze. Zudem erhoffen sich viele Frauen auch einen gesellschaftlichen Wandel: So dürften Frauen, die bereits wenige Monate nach der Geburt eines Kindes wieder in den Beruf einsteigen, nicht pauschal als Rabenmütter abgestempelt werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ohnehin ein Thema, das laut der Studie von LAB & Company beide Geschlechter bewegt: Demnach bemängeln zwei Drittel der Befragten eine zu geringe Flexibilität der Beratungsunternehmen in dieser Frage. "Neue Arbeitszeitmodelle würden erheblich helfen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen – aber auch von männlichen High-Potentials", erklärt Derakhchan. „Familienplanung ist kein rein weibliches Thema mehr. Dass Väter ihren Beitrag zur Kinderbetreuung leisten, ist gerade in der jüngeren Generation vielfach selbstverständlich.“

Zur Studie:
Für diese Studie befragte LAB & Company im Sommer 2016 324 Berater. 45 Prozent von ihnen waren Frauen.

tt

Veröffentlicht am: 07.09.2016

 

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