Finanzindustrie zeigt Respekt vor dem Digitalen Wandel

Studie von Horn & Company und BANKINGCLUB

Die Finanzindustrie begegnet der digitalen Transformation vielfach Skepsis. Dies ergibt eine aktuelle Panel-Befragung von über 800 Beschäftigten innerhalb des Finanzsektors, die von der Unternehmensberatung Horn & Company Financial Services und dem BankingClub seit Mai 2019 regelmäßig erhoben wird.

(Bild: Pixabay)

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Die Teilnehmer der Befragung decken ein breites Spektrum der Financial-Services-Industrie ab und stammen aus den drei klassischen Säulen des Bankgeschäftes – Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken – sowie aus den Bereichen Versicherungen, Spezialinstitute und Fintechs, heißt es in einer Pressemitteilung von Horn & Company. Das Verhältnis zwischen "Mitarbeitern/Sachbearbeitern" auf der einen Seite (40 Prozent), Führungskräften (50 Prozent) und Geschäftsleitern (10 Prozent) erlaube demnach die Ableitung eines differenzierten Stimmungsbildes auf mehreren Ebenen.

Stimmung bei Mitarbeitern in Banken und Versicherungen eher verhalten

Rückläufige Erträge, Sparanstrengungen auf der Personal- und Sachkostenseite und düstere Zukunftsperspektiven für die Finanzbranche hinterlassen Spuren bei der Stimmung der Befragten, meint Horn & Company weiter. Im Rahmen des neuen H&C-Stimmungsbarometers wurden die Teilnehmer nach der aktuellen Stimmung in Ihrem Unternehmen gefragt. Auf einer Skala von 1 ("sehr gut") bis 6 ("sehr schlecht") wird diese im Mittel mit einer "3 bis 4" beschrieben. Durchschnittlich negativer fällt das Urteil der Befragten aus Sparkassen (Ø 3,7) und Privatbanken (Ø 3,8) auFintechs und Insuretechs bewerten die Stimmung in ihren Unternehmen hingegen mit einer Durchschnittsnote von 2,2 deutlich positiver. Die Grundstimmung bei den klassischen Branchenvertretern kann aber bestenfalls als "verhalten" angesehen werden.

Lediglich ein Viertel der Unternehmen wachsen nach Einschätzung ihrer Mitarbeiter profitabel

Die aktuelle betriebswirtschaftliche Lage des eigenen Unternehmens wird nur von 25 Prozent der Befragten uneingeschränkt gut beurteilt. Weitere 57 Prozent ordnen sich zwar noch den erfolgreichen Unternehmen zu, da sie es aktuell schaffen, sich im Wettbewerb durch Effizienzsteigerungen zumindest zu behaupten; nach einem ausschließlich positiven Blick in die Zukunft klinge dies aber nicht.

Tech-Giganten und bisherige Wettbewerber werden gleichermaßen als Bedrohung gesehen

Die Teilnehmer der Panelumfrage spüren zunehmenden Wettbewerb und sehen ihre Unternehmen vor allem durch drei Gruppen bedroht, so Horn & Company: Tech-Giganten wie Apple und Google, werden mit 60 Prozent von den meisten Befragten als Gefahr betrachtet. Interessant sind die Plätze 2 und 3 der gefährlichsten Wettbewerber, die zu 59 Prozent in direkten Wettbewerbern und zu 52 Prozent in anderen Finanzdienstleistern bzw. Vermittlern gesehen werden, also in Wettbewerbern, die es in Teilen auch schon vor der Digitalisierung gegeben hat. Es wird eher befürchtet, dass sich bestehende Wettbewerber durch die Digitalisierung Vorteile erarbeiten, als dass neue Herausforderer wie Fintechs/Insuretechs (46 Prozent sehen diese als Gefahr an) oder neue Ökosysteme, über die sich mehrere Disruptoren zusammenschließen (38 Prozent sehen dies als Gefahr an) zur Gefahr für das eigene Unternehmen werden.

Zuversicht bezüglich digitaler Zukunft bei Führungskräften höher als bei Nicht-Führungskräften

Die Veränderungsprozesse im Rahmen der Digitalisierung der Finanzindustrie sind "top-down-getrieben" und werden aktuell noch stärker vom Management in die Organisation getragen. Dies spiegelt sich auch in den Befragungsergebnissen wider, die bezüglich der Einschätzung der digitalen Zukunft der Unternehmen ein teilweise differenziertes Bild je nach Position des Befragten ergeben: Betrachtet man die Gruppe der befragten Vorstände, Geschäftsführer und leitenden Angestellten, so äußern sich bereits über 86 Prozent positiv oder verhalten optimistisch bezüglich der digitalen Zukunft ihres Unternehmens. Dahingegen blicken laut Horn & Company noch fast ein Viertel der Nicht-Führungskräfte – in der Studie differenziert benannt als Mitarbeiter, Spezialisten und Sachbearbeiter – pessimistischer in die Zukunft.

Digitale Zukunft wird verhalten optimistisch gesehen – Weg ist für viele noch weit

Die Finanzindustrie spüre die Dimension des digitalen Transformationsprozesses und sei sich den damit verbunden großen Herausforderungen bewusst, heißt es weiter. Aktuell fühlen sich knapp ein Fünftel der Befragten von diesem Prozess abgekoppelt oder so weit im Hintertreffen, dass sie große Schwierigkeiten befürchten, wenn nicht schnell ein Umdenken in ihren Unternehmen erfolgt. Die klare Mehrheit, rund zwei Drittel der Befragten, sehen bei ihren Unternehmen bereits erste Schritte in die richtige Richtung, aber auch noch eine lange Wegstrecke und viel Handlungsbedarf vor sich liegen.

Über die Umfrage: Die Unternehmensberatung Horn & Company mit Branchenfokus auf Financial Services befragt gemeinsam mit dem BANKINGCLUB regelmäßig Führungskräfte und Mitarbeiter aus der Finanzindustrie zur aktuellen Marktentwicklung und ihrer Einschätzung zu Schwerpunktthemen, die die Industrie aktuell bewegt. Die Umfragen umfassen neben immer wiederkehrenden Fragen (Panel-View) zur aktuellen Lage, die die  Entwicklung der Einschätzungen der Befragten über die Zeit hinweg ermöglicht, einen jeweils wechselnden Fragekatalog zu einem Schwerpunktthema mit hoher aktueller Relevanz. Die Umfrage wurde zum ersten Mal im Mai 2019 durchgeführt und wird zweimal pro Jahr erhoben.

Veröffentlicht am: 19.07.2019

 

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