FinTech-Trend geht an Deutschland noch weitestgehend vorbei

Ernst & Young-Studie zum Finanzdienstleistungssektor

Den FinTechs wird von vielen Seiten das Potenzial zugestanden, den Finanzdienstleistungssektor umzuwälzen. In der Realität ist davon zumindest in Deutschland allerdings noch nicht viel zu spüren. Die meisten Deutschen reagieren noch abwartend auf die Angebote.

Auf die FinTech-Branche wartet in Deutschland laut einer Studie von Ernst & Young (EY) noch reichlich Überzeugungsarbeit: Lediglich jeder Achte (12 Prozent) nutzte in den vergangenen sechs Monaten ein FinTech-Produkt. Damit liegt die Bundesrepublik unter dem internationalen Durchschnitt der von EY untersuchten Märkte (16 Prozent). Während die Deutschen demnach noch größtenteils skeptisch auf die neuen Dienstleistungen reagieren, zeigen sich beispielsweise die Menschen in Hongkong deutlich aufgeschlossener: Hier nahm im letzten halben Jahr fast jeder Dritte (29 Prozent) ein FinTech-Produkt in Anspruch.

Deutsche sind bei Geldanlage noch zurückhaltend

Dabei sind die Deutschen längst nicht in jedem Bereich zurückhaltend: In den Bereichen Geldtransfer und Bezahlung gehen die Bundesbürger sogar deutlich offener mit den neuen Möglichkeiten um als der internationale Durchschnitt (18 Prozent). So hat mehr als jeder Fünfte (23 Prozent) bereits Non-Banks für eine Überweisung genutzt oder online Währungen getauscht. Deutlich distanzierter sind die Deutschen hingegen bei Angeboten zur Geldanlage und zum Leihen von Geld. Wie die EY-Studie ergab, haben hierzulande lediglich 8 Prozent ihr Geld in Crowdfunding-Projekten oder bei Online-Brokern angelegt. International wird dieses Angebot von 17 Prozent der Umfrageteilnehmer genutzt. Noch reservierter sind die deutschen Befragten bei Peer-2-Peer-Plattformen: Nur 3 Prozent haben sich innerhalb des vergangenen halben Jahres über derartige Anbieter von anderen Nutzern Geld geliehen. Allerdings werden diese Plattformen auch im Ausland noch überwiegend abwartend aufgenommen: Lediglich 6 Prozent haben sie im internationalen Durchschnitt in Anspruch genommen.

Doch wieso haben FinTechs noch so große Probleme, sich im deutschen Markt zu etablieren? An der Bekanntheit der Angebote kann es jedenfalls nicht liegen. Nur 29 Prozent gaben während der Befragung zu Protokoll, nichts von den Möglichkeiten der FinTechs zu wissen. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem internationalen Durchschnitt von 53 Prozent. Jedoch hat beinahe jeder Zweite der deutschen Internetnutzer (47 Prozent) in den angebotenen Produkten noch keinen Nutzen für sich entdecken können (international: 32,3 Prozent). An dieser Stellschraube müssen die FinTechs nach EY-Einschätzung drehen. "FinTech-Angebote stecken hierzulande noch in den Kinderschuhen, passgenaue Angebote müssen erst noch entwickelt werden. Internationale Finanzplätze wie Hongkong, Singapur oder London sind hier schon deutlich weiter", erläutert EY-Partner Christopher Schmitz.

Was macht den typischen FinTech-Nutzer aus?

Allerdings ist die noch vorhandene Skepsis der Deutschen für die FinTechs kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Schließlich ist es gerade die junge Zielgruppe, die den neuen Angeboten gegenüber besonders aufgeschlossen ist. So ergab die EY-Studie, dass innerhalb der Bevölkerungsschicht zwischen 18 und 34 Jahren bereits 19 Prozent die neuen Dienstleistungen nutzen. Darüber hinaus lassen sich insbesondere in städtischen Regionen besonders viele FinTech-Nutzer finden: Beispielsweise in New York liegt die Nutzungsrate mit 33 Prozent überdurchschnittlich hoch – auch Hongkong, London und Sydney erreichen ähnliche Werte. Zudem scheinen vor allem vermögendere Kunden in den FinTech-Services bereits einen Mehrwert für sich ausgemacht zu haben: Jeder vierte Deutsche (41 Prozent) mit einem Einkommen von mehr als 150.000 US-Dollar nimmt FinTechs in Anspruch – keine andere Einkommensgruppe kommt auf derartige Werte.

Zur Studie:
Für die Studie wurden mehr als 12.000 Online-Nutzer in den sieben Märkten Deutschland, USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Hongkong und Singapur befragt. Hierzulande nahmen über 2.000 Nutzer an der Befragung teil.

tt

Veröffentlicht am: 14.06.2016

 

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