Frauenanteil in deutschen Vorständen nimmt langsam zu

EY-Analyse

Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen von Deutschlands börsennotierten Unternehmen ist im vergangenen Jahr weiter leicht gestiegen. Dennoch haben 76 Prozent der Unternehmen rein männlich besetzte Vorstandsgremien, so eine Studie von Ernst & Young.

Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen von Deutschlands börsennotierten Unternehmen ist im vergangenen Jahr weiter leicht gestiegen (Bild: denisismagilov - fotolia.com)

Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen von Deutschlands börsennotierten Unternehmen ist im vergangenen Jahr weiter leicht gestiegen (Bild: denisismagilov - fotolia.com)


In den 160 DAX-, MDAX-, SDAX- und TecDAX-Unternehmen arbeiteten zum Stichtag 1. Januar 2017 insgesamt 45 weibliche Vorstände und damit sechs mehr als vor einem Jahr und sogar elf mehr als Anfang 2015. Den 45 Frauen stehen in den Vorstandsgremien der Unternehmen insgesamt 630 Männer gegenüber. Der Frauenanteil liegt damit bei 6,7 Prozent – vor einem Jahr waren es 5,9 Prozent, Anfang 2015 lag der Anteil bei 5,2 Prozent, so die Analyse von Ernst & Young.

Trotz dieser Fortschritte bleiben die Vorstände der meisten Unternehmen eine Männerdomäne. Derzeit sind knapp 76 Prozent der Vorstandsgremien der börsennotierten Unternehmen ausschließlich mit Männern besetzt – lediglich in 24,4 Prozent der Unternehmen sitzt mindestens eine Frau im Vorstand – vor einem Jahr waren es 22,5 Prozent.

Mindestens zwei weibliche Vorstandsmitglieder sind derzeit in knapp vier Prozent der Unternehmen (das sind sechs Unternehmen) beschäftigt – immerhin doppelt so viele wie vor einem Jahr. Dabei handelt es sich allerdings fast ausschließlich um DAX-Konzerne: Allianz, Daimler, Deutsche Bank, Munich Re und Siemens sowie die im MDAX gelistete Aareal Bank.

Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im letzten Jahr, wird es bis zum Jahr 2047 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist. Immerhin ist der Frauenanteil in den Aufsichtsratsgremien zuletzt deutlich gestiegen – auch motiviert durch das 2015 erlassene "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst".

DAX-Konzerne mit Vorreiterrolle bei der Frauenquote

Vor allem die DAX-Unternehmen konnten die Präsenz der Frauen in den Vorständen im vergangenen Jahr steigern: Ihr Anteil stieg von 9,2 auf 11,3 Prozent – die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder von 18 auf 22. Inzwischen haben 17 der 30 DAX-Unternehmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied, vor einem Jahr waren es nur 15.

In den MDAX-Vorständen stieg die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder um zwei von sieben auf neun. Im TecDAX sowie im SDAX hat sich hingegen im vergangenen Jahr nichts getan: Im SDAX liegt die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder wie schon im Januar 2016 bei zehn, im TecDAX stagnierte sie bei vier.

Den mit Abstand höchsten Frauenanteil weisen die DAX-Vorstände mit 11,3 Prozent auf, gefolgt vom SDAX, wo er bei 5,9 Prozent liegt, dem MDAX (4,3 Prozent) und dem TecDAX (3,9 Prozent).

Um den Frauenanteil im Topmanagement deutlich zu steigern, sei vor allem ein kultureller Wandel in vielen Unternehmen gefordert, so Ernst & Young.

Zahl der weiblichen CEOs steigt von eins auf drei

Vor einem Jahr stand nur eine einzige Frau an der Spitze eines der 160 börsennotierten Unternehmen – inzwischen sind es drei. Der Anstieg ergibt sich aber nur zum Teil aus Neuberufungen: So hat Angela Titzrath am 1. Januar 2017 den Vorstandsvorsitz bei der im SDAX notierten Hamburger Hafen und Logistik AG übernommen. Dank einer Indexumbildung wird nun auch die Medigene-Vorstandsvorsitzende Dolores Schendel von der Analyse erfasst – Medigene ist seit dem 19. Dezember 2016 im TecDAX gelistet. Nach wie vor ist zudem Anke Schäferkordt Co-CEO bei der Mediengruppe RTL.

Am häufigsten sind Frauen in den Chefetagen für operative Bereiche ihrer Unternehmen zuständig – etwa für Produktion oder Logistik: 31 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder tragen Verantwortung für das operative Geschäft. Jeweils 22 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder verantworten den Bereich Personal oder sonstige Zentralfunktionen wie beispielsweise Marketing, Forschung oder Compliance.

Am höchsten ist der Frauenanteil im Vorstand mit jeweils 14 Prozent in der Telekommunikations- und in der Finanzbranche. Überdurchschnittlich hoch ist er auch bei Logistikunternehmen (13 Prozent). Im IT-Sektor liegt der Anteil der weiblichen Vorstandsmitglieder hingegen nur bei einem Prozent.

Zur Studie:
Die Ergebnisse basieren auf einer Analyse der Struktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten Unternehmen, die EY zweimal jährlich durchführt.

mr

Veröffentlicht am: 09.01.2017

 

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