Führungskräfte immer weniger mobil

Odgers Berndtson-Studie

Die Erwartungen von Führungskräften an den Job haben sich verändert. Familie und die Nähe zum Arbeitsplatz stehen jetzt öfter im Vordergrund. Damit talentierte Führungskräfte gewonnen bzw. gehalten werden können, müssen Unternehmen sich anpassen.

Nicht einmal mehr die Hälfte der Manager möchte für ihren nächsten Karriereschritt den Wohnsitz wechseln. © NicoELNino - fotolia

Nicht einmal mehr die Hälfte der Manager möchte für ihren nächsten Karriereschritt den Wohnsitz wechseln. © NicoELNino - fotolia

 

Die Mobilität der Führungskräfte hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Nicht einmal mehr die Hälfte der Manager möchte für ihren nächsten Karriereschritt den Wohnsitz wechseln. Lediglich 49,4 Prozent der teilnehmenden Manager sind heute dazu bereit, in die Nähe eines neuen Arbeitgebers zu ziehen. Das sind Ergebnisse aus dem Manager-Barometer von Odgers Berndtson, an dem jedes Jahr rund 2.000 Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnehmen. Vor fünf Jahren waren noch fast zwei Drittel der Manager bereit, den Wohnort zu wechseln. Auch die Bereitschaft, sich räumlich von der Familie zu trennen, ist signifikant gesunken: Nur 35 Prozent der Befragten würden heute ein Pendlerdasein in Kauf nehmen, unter den Managern der Generation Y sogar nur jeder Fünfte. Unternehmen müssen mit flexiblen Arbeitsbedingungen gegensteuern, um zukünftig Talente zu gewinnen und zu halten.

Weibliche Führungskräfte: Familienleben hat Vorrang

Vor allem Frauen tun sich mit dem Familienleben auf Distanz schwer. Nur 29 Prozent der weiblichen Führungskräfte sind bereit, eine räumliche Trennung von ihrem Lebenspartner bzw. ihrer Familie in Kauf zu nehmen. Für Manager der Generation Y ist eine Pendellösung tatsächlich praktisch keine Option mehr, nur 21,5 Prozent würden eine berufliche Tätigkeit abseits ihres Wohnortes annehmen. Die Bereitschaft zu pendeln steigt jedoch mit zunehmendem Alter: Immerhin 41 Prozent der vor 1965 geborenen Babyboomer würde für den nächsten Karriereschritt eine Fernbeziehung führen. "Dass die Bereitschaft zu pendeln bzw. umzuziehen ein so niedriges Niveau erreicht hat, ist allerdings alarmierend", sagt Kristin van der Sande, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin der Studie und warnt außerdem, dass die Arbeitgeber flexibler reagieren müssen, damit ihnen die Talente nicht verloren gehen.

Flexible Arbeitsbedingungen und diverse Angebote

Flexibilisierungsangebote von Unternehmen, die sich bereits mit der Problematik befassen, beinhalten neben Home Offices und der Möglichkeit, in virtuellen Teams zu arbeiten, beispielsweise auch die Eröffnung neuer Büros oder eine Verlagerung des Unternehmenssitzes, etwa von der Großstadt in die Provinz bzw. umgekehrt. Einige Konzerne sind sogar dazu übergegangen, auch dem Lebenspartner eines Kandidaten, den sie gern engagieren wollen, ein attraktives Jobangebot zu unterbreiten. Hinzu kommt noch, dass Unternehmen ihre neuen Führungskräfte, die den Wohnort wechseln, auch bei der Immobiliensuche unterstützen und wenn nötig auch bei der Schulsuche für die Kinder. Entscheidend sind diese Angebote vor allem bei Managern aus der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsindustrie (TMT) Branche, welche im Branchenvergleich am wenigsten mobil sind. Manager aus dem Energiebereich sowie aus dem öffentlichen Sektor ziehen dagegen am ehesten um.
 
Zur Studie: Odgers Berndtson befragt jährlich sein Executive Panel, das Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet.

Veröffentlicht am: 05.09.2018

 

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