Geldwäsche im Handel: Kunden werden unwissentlich zu Komplizen

Deloitte

Nichtsahnende Kunden können schnell in Kontakt mit der dunklen Seite des Geldkreislaufs kommen, wenn kriminelle Kreise Gelder aus schweren Straftaten in den Handel einschleusen. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Deloitte.

Beim Thema Geldwäsche werden Unternehmen oft unwissentlich zu Komplizen (Bild: M. Schuppich - fotolia.com)
Beim Thema Geldwäsche werden Unternehmen oft unwissentlich zu Komplizen (Bild: M. Schuppich - fotolia.com)

Unternehmen nehmen oft bei Handelsgeschäften vermeintlich legale Gelder entgegen – und werden daraufhin vielleicht unwissentlich zu Komplizen bei der Geldwäsche, so die Studienergebnisse. Zu diesem Zeitpunkt ist die Herkunft nicht legaler Mittel oft bereits nicht mehr nachvollziehbar. Güterhändler sind laut Deloitte deshalb gefordert, die gesetzlichen Auflagen zur Geldwäscheprävention umzusetzen, um Risiken zu minimieren. Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen seien aber noch nicht übergreifend realisiert. Zu den Gründen zählen Unwissenheit, aber auch unklare interne und externe Zuständigkeiten im Behördenkontakt sowie fehlende Standards.

Welche Risiken entstehen für Güterhändler?

Versuchen Kriminelle, Gelder aus schweren Straftaten in den Güterhandel zu bringen, birgt das laut Deloitte vier große Gefahren: ein rechtliches Risiko, da Unternehmen für ihr (unwissentliches) Mitwirken belangt werden können; ein finanzielles Risiko, weil empfindliche Geldstrafen drohen; eine operationelle Gefahr sowie das Risiko von Reputationsverlusten. Vor allem das Außenbild gehört zu den wichtigsten Aktivposten der Händler, denn es sichert das Vertrauen der Kunden und Verbraucher. Ein Reputationsverlust habe damit unmittelbare geschäftliche Konsequenzen zur Folge, warnt Deloitte.

Die fünf Phasen der Geldwäsche

Gelder aus schweren Straftaten stellen für den Güterhandel eine Gefahr dar, weil der Ursprung der nicht legalen Mittel häufig nicht mehr nachvollziehbar ist. Die systematische Geldwäsche besteht aus fünf Phasen: dem Erwerb der so genannten "inkriminierten" Gelder, der "Vorwäsche" durch Einschleusen dieser Mittel in bargeldintensive Betriebe, dem Platzieren durch Umwandlung des Bargelds in Buchgeld, dem sogenannten Layering - der Verschleierung der Herkunft des Buchgeldes - sowie der Verwendung der Mittel für legale Geschäfte. Um das zu verhindern, definieren die Paragraphen 3 bis 9 des Geldwäschegesetzes (GwG) die maßgeblichen Sorgfaltspflichten, denen auch Güterhändler unterliegen. Hierzu gehören Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten, interne Sicherheitsmaßnahmen und ein Sicherheitsbeauftragter.

Unterschiedliches Problembewusstsein der Unternehmen

Tatsächlich zeigt sich die Lage im Güterhandel sehr heterogen, so die Studie: Die Risiken sind zwar grundsätzlich bekannt, jedoch zeigen Unternehmen eine sehr unterschiedliche Einstellung, die in Einzelfällen bis hin zur weitgehenden Unkenntnis und Ignoranz reichen kann. Auch wissen viele nicht, welche die zuständige Aufsichtsbehörde ist, sodass hier keine Kommunikation stattfindet. Hinzu kommt, dass sich die Betroffenen oft nicht vorstellen können, im Fadenkreuz von Kriminellen zu stehen. So nimmt das Thema Geldwäsche im Kontext der Unternehmens-Compliance vielerorts noch eine untergeordnete Rolle ein.

Eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen verfügt laut den Studienautoren derzeit noch über keine adäquaten Sicherungssysteme. Oft existieren lediglich Basismaßnahmen, die den Anspruch des GwG noch nicht erfüllen. Wer sich in der Geldwäscheprävention engagiert, tut dies bislang häufig nur "on Top" zu anderen Compliance-Maßnahmen oder Bonitätsprüfungen. Der Schutz vor Geldwäsche gewinnt als zentrales Ziel aber allmählich an Bedeutung, so Deloitte. Die Unternehmen streben zunehmend eine Erarbeitung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen an – manchmal sogar dann, wenn gar keine direkte Verpflichtung auf Basis des GwG besteht.

Standardisierung und Optimierung der Sicherheitssysteme

Während im Finanzsektor seit vielen Jahren dedizierte Geldwäschebekämpfungssysteme mit hoch qualifiziertem Personal etabliert sind, ist dies bei Güterhändlern noch bei weitem nicht durchgängig der Fall, so die Analyse von Deloitte. Um die Situation nachhaltig zu verbessern, sollten aus Sicht der betroffenen Güterhändler mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: So wäre eine weitreichende Standardisierung ebenso hilfreich wie eine Optimierung der bestehenden Sicherheitssysteme. Unternehmensintern sollten die Verantwortlichkeiten klarer strukturiert und definiert werden. Auf Seite der Behörden gibt es noch regionale Unterschiede bei Prüfungen. Auch hier würde eine aktive Kommunikation der zuständigen Aufsichtsbehörden bezüglich der Zuständigkeiten helfen.

Zur Studie:
Beim Deloitte-Report "Geldwäscheprävention bei Güterhändlern" handelt es sich um eine qualitative Untersuchung von Deloitte in Kooperation mit Prof. Dr. Reiner Quick – Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Controlling & Wirtschaftsprüfung an der Technischen Universität Darmstadt – und Christian Friedrich, M. Sc., ausgearbeitet wurde.

mr

Veröffentlicht am: 03.03.2016

 

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