Gewinnentwicklung: Deutsche Autokonzerne können weltweite Konkurrenz hinter sich lassen

Automotive-Bilanzen

Der Absatz der größten Autokonzerne der Welt ist im ersten Quartal um nur zwei Prozent gestiegen. Die weltweit höchsten Gewinnmargen konnten die deutschen Hersteller erzielen, so eine Analyse von EY.

Der Absatz der größten Autokonzerne der Welt ist im ersten Quartal um nur zwei Prozent gestiegen. (Bild: industrieblick - fotolia.com)

Der Absatz der größten Autokonzerne der Welt ist im ersten Quartal um nur zwei Prozent gestiegen. (Bild: industrieblick - fotolia.com)


Der operative Gewinn von Volkswagen, Daimler und BMW stieg der Untersuchung zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Summe um gut ein Drittel von acht auf elf Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die japanischen Autobauer legten nur um drei Prozent zu, die US-Konzerne verzeichneten sogar einen Gewinnrückgang von sieben Prozent. Die weltweit höchsten Gewinne fuhren im ersten Quartal Volkswagen mit  4,4 Milliarden Euro und Daimler mit 4,0 Milliarden Euro ein. Toyota folgt mit 3,6 Milliarden Euro auf dem dritten Platz, BMW belegt mit 2,6 Milliarden Euro Rang vier.

Auch in punkto Profitabilität waren die deutschen Autokonzerne im ersten Quartal Weltspitze: BMW verteidigte mit einer Marge von 11,3 Prozent die Führungsposition, gefolgt von Suzuki (10,8 Prozent), Daimler (10,3 Prozent) und Volkswagen (7,8 Prozent). Im reinen Automobilgeschäft lag hingegen Daimler mit 10,1 Prozent vor BMW mit 9,0 Prozent.

Einzig beim Umsatz und Absatz mussten sich die deutschen Autokonzerne geschlagen geben – hier hatte Toyota weiter die Nase vorn. Mit einem Quartalsumsatz von umgerechnet 61 Milliarden Euro lag der japanische Autokonzern vor Volkswagen (56 Milliarden Euro) und Daimler (39 Milliarden Euro). Und beim Pkw-Absatz lag Toyota vor Volkswagen und General Motors.

"Die deutschen Autokonzerne sind stark ins neue Jahr gestartet – trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen. Sie profitierten vor allem von der guten Absatzentwicklung auf dem europäischen Automarkt, dem schwachen Euro und Kostensenkungsmaßnahmen, die nun zu greifen scheinen. Vor allem aber sind sie im nach wie vor dynamisch wachsenden Premium- und SUV-Segment gut positioniert", beobachtet Peter Fuß, Partner bei EY.

Ausblick: Schwächere Entwicklung auf den großen Automärkten

Der weltweite Absatz der 16 größten Autokonzerne wuchs im ersten Quartal nur um zwei Prozent – angetrieben vor allem vom kräftigen Wachstum von sieben Prozent in Westeuropa. In den USA hingegen gingen die Verkäufe um zwei Prozent zurück, in China sogar um vier Prozent. Und im April zeigte der Trend auf den drei wichtigsten Automärkten klar nach unten: Der westeuropäische Absatzmarkt schrumpfte um acht Prozent, in China ging es um zwei Prozent abwärts, in den USA um fünf Prozent.

"Der weltweite Pkw-Absatz dürfte in den kommenden Monaten kaum noch zulegen", erwartet Fuß. "In Europa ist der Markt inzwischen auf einem sehr hohen Niveau – da ist nicht mehr viel Luft nach oben. In den USA scheint der Zenit überschritten zu sein, und China kühlt sich nach einem von Steuergeschenken getriebenen, rasanten Wachstum im Vorjahr spürbar ab."

Die deutschen Autokonzerne entwickelten sich im ersten Quartal auf dem wichtigen chinesischen Absatzmarkt unterschiedlich: Während BMW und Daimler kräftig zulegen konnten – um 12 bzw. 45 Prozent –, verzeichnete der Volkswagenkonzern aufgrund der Neustrukturierung des Audi-Händlernetzes einen Rückgang um sieben Prozent.

Hohe Investitionen nötig

Die derzeit starke Gewinnentwicklung der deutschen Autokonzerne könnte sich vor dem Hintergrund der anstehenden enormen Herausforderungen als Segen erweisen, so Fuß: "Die Autobauer müssen Milliarden in die Digitalisierung ihrer Produktion, ihres Vertriebs und ihrer Geschäftsmodelle investieren. Sie investieren in neue Technologien, um die Schadstoffemissionen ihrer Fahrzeuge zu senken." Und zusätzlich stehen sie vor der Aufgabe, die Produktpalette und die Produktionsanlagen auf die Elektromobilität vorzubereiten. "Die anstehenden Milliardeninvestitionen können sich nur finanzstarke Konzerne leisten", betont Fuß. "Zumal auch Fehlinvestitionen einkalkuliert werden müssen – denn niemand weiß genau, wohin die Reise geht. Die vor uns liegende Dekade wird daher geprägt sein von einer verstärkten Konsolidierung und mehr Kooperationen."

Zur Studie:
Die Daten entstammen einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

cl

Veröffentlicht am: 29.05.2017

 

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