GfK-Umfrage: Konsum-Indikatoren drehen nach oben

Konsumklimastudie Januar 2020

GfK hat im Januar wieder zahlreiche Verbraucher befragt und zeichnet in der Zusammenfassung ein wieder positiveres Bild. Zwar gebe es nach wie vor wirtschaftliche Störfaktoren, doch werde der Konsum gleich von mehreren Faktoren positiv beeinflusst.

Vieles spricht für eine hohe Konsumneigung (Bild: Tierney - AdobeStock)
Vieles spricht für eine derzeit hohe Konsumneigung (Bild: Tierney - AdobeStock)

Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt sich zu Jahresbeginn wieder etwas optimistischer, so fasst GfK die Ergebnisse der Konsumklimastudie für Januar 2020 zusammen. Grund sind vor allem die wieder stärkeren Zahlen bei den entscheidenden Indikatoren: Konjunktur- und Einkommenserwartung, aber auch Anschaffungsneigung legen zu. GfK prognostiziert für Februar 2020 einen Wert von 9,9 Punkten und damit 0,2 Zähler mehr als im Januar dieses Jahres (revidiert 9,7 Punkte). Für das gesamte Jahr 2020 prognostiziert GfK einen realen Zuwachs der privaten Konsumausgaben in Deutschland in Höhe von einem Prozent. 

Realer Konsum plus ein Prozent erwartet

"Eine erste Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt auch in Deutschland für Erleichterung. Denn als Exportnation ist man gerade hierzulande auf einen freien und ungehinderten Warenaustausch angewiesen" erklärte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. "Der positive Start des Konsumklimas in das Jahr 2020 bestärkt uns in der Einschätzung, dass der private Konsum auch in diesem Jahr eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur sein wird." Für das Gesamtjahr prognostiziert GfK daher einen realen Zuwachs der privaten Konsumausgaben in Deutschland in Höhe von einem Prozent. 

Konjunkturerwartung mit leichtem Anstieg

Nach dem Rückschlag im Vormonat stabilisieren sich die Konjunkturaussichten laut GfK im Januar wieder. Der Indikator gewinnt 0,7 Zähler hinzu und liegt nun bei -3,7 Punkten. Damit scheine er die Talsohle vom Herbst 2019 zunächst hinter sich zu lassen. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Minus aber immer noch gut zwölf Punkte. Sicherlich habe die erste Einigung von USA und China im Handelsstreit ein weiteres Absinken des Konjunkturindikators verhindert, schreibt GfK. Zudem verstärkten sich die Signale, dass es nicht zu einer Rezession kommen wird und sich die Konjunktur in Deutschland stabilisieren kann. Allerdings werde die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr mit etwa einem Prozent moderat sein, aber etwas höher ausfallen als letztes Jahr. Für 2019 wird das Wirtschaftswachstum auf 0,6 Prozent geschätzt.

Deeskalation im Handelsstreit notwendig

Für eine nachhaltige Erholung werde es laut GfK jedoch notwendig sein, dass die Deeskalation im Handelsstreit fortgesetzt wird. Zudem sollten sich Krisen, wie z.B. zwischen den USA und Iran nach dem Angriff auf einen hohen iranischen General, nicht weiter zuspitzen. 

Unter dem Eindruck stabilerer Konjunkturaussichten gewinnen auch die Einkommenserwartungen der Verbraucher deutlich hinzu. Mit einem Plus von 9,6 Zählern werden die Verluste des Indikators aus dem Vormonat fast vollständig wettgemacht. Aktuell weist er einen Wert von 44,6 Punkten auf. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt das Minus knapp 13 Punkte. Nach wie vor profitiert der Einkommensindikator von der überaus guten Beschäftigungslage in Deutschland. Allerdings hat deren Dynamik zuletzt spürbar nachgelassen. So kommen auf die Automobilindustrie und deren Zulieferer im Zuge des Umstieges auf die Elektromobilität schwierige Zeiten zu. Diese werden mit Personalanpassungen verbunden sein. Inwieweit die Einkommenserwartungen davon betroffen sein wird, hängt auch davon ab, über welchen Zeitraum diese Anpassungen vorgenommen werden.

Konsumneigung klettert auf 12-Monats-Hoch

Von steigendem Konjunktur- und Einkommensoptimismus profitiert auch die Anschaffungsneigung. Der Indikator klettert nach einem Plus von 3,3 Zählern auf 55,5 Punkte. Das ist der höchste Wert seit einem Jahr. Im Januar 2019 wurden 57,5 Punkte gemessen. Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres zeigt sich nur ein kleines Minus von 1,6 Punkten. Die Konsumlaune bleibt zu Beginn des Jahres 2020 bei den deutschen Verbrauchern ungebrochen. Anhaltend stabile Beschäftigungsverhältnisse und reale Einkommenszuwächse sind wesentliche Stützen des Indikators. Zusätzliche Impulse erhält die Konsumneigung zudem durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Trotz des Anstiegs im Januar verharrt die Sparneigung auf niedrigem Niveau. Somit bleibt das Sparen als Alternative zum Konsum weiterhin nicht sehr attraktiv. Da nun mehr und mehr Banken auch bei Privatanlegern Strafzinsen verlangen, dürfte dies der Konsumlaune zusätzliche Impulse verleihen.

Zur Studie: Der Befragungszeitraum für die aktuelle Analyse war vom 8. bis 20. Januar 2020. Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie "GfK-Konsumklima MAXX" und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet und kurz kommentiert. Das Konsumklima bezieht sich explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch - je nach Abgrenzung - lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich. GfK prognostiziert für das Jahr 2019 einen Anstieg des privaten Konsums von 1,5 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher. Die Anschaffungsneigung ist - wie alle anderen Indikatoren auch - ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit "Ja" beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.

ts

Veröffentlicht am: 30.01.2020

 

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