Ist der Beratungsmarkt gesättigt? Ganz im Gegenteil!

Studie von expertpowerhouse

Die neue Studie "The New Independent Workforce Study 2020" von expertpowerhouse zeigt, dass Unternehmen händeringend nach Consultants suchen. Die Nachfrage nach Beratungen und Expertise steigt zunehmen, sei es On-demand, virtuell oder projektbezogen. Dabei stehen insbesondere die Digitalisierung und die Einführung neuer Geschäftsstrategien und Arbeitsformen im Fokus. Außerdem beantwortet Christian Moldenhauer, Managing Director bei expertpowerhouse, noch einige Fragen zur Studie und deren Ergebnissen.

The New Independent Workforce Study 2020 von EPH (Bild: EPH)
The New Independent Workforce Study 2020 von EPH (Bild: EPH)

Für die Studie wurden von Anfang Juli bis Anfang September 2020 insgesamt 450 Führungskräfte aus aller Welt befragt und das Ergebnis zeigt: 80 Prozent der internationalen Führungskräfte rechnen innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre mit einem konstanten oder sogar steigenden Bedarf an Consultants und Expert*innen. Insbesondere in den Geschäftsbereichen IT&Telco, Consulting, Automotive, Industrielle Produktion sowie im öffentlichen Sektor wird die Expertise von Consultants benötigt.

Beweggründe für externe Beratungen

Für Führungskräfte ist ein ausschlaggebendes Motiv für das Hinzuziehen von externen Berater*innen, eine neutrale Perspektive zu erhalten und bei der Weiterentwicklung von Projekten flexibel zu bleiben. Während 60 Prozent der kleinen Unternehmen nach externer Beratung suchen, sind es bei Unternehmen mittlerer Größe bereits 78 Prozent. Insgesamt glauben aber zwei Drittel der Führungskräfte, dass durch externe Profis jeglicher Bedarf an Know-how und Kapazitäten gedeckt werden können. Für viele Unternehmenslenker*innen sind Honorare übrigens kein Grund, um auf die externe Expertise zu verzichten: Ein Drittel der Befragten schätzt Externe als kosteneffektiver ein, verglichen mit internen Angestellten.

Allerdings glaubt nur die Hälfte der Führungskräfte, dass das Anheuern von externen Berater*innen schneller geschieht, als das Rekrutieren von internen Projektmitarbeiter*innen. Als Grund dafür vermutet Christian Moldenhauer, Managing Director der expertpowerhouse GmbH, dass die Unternehmen wenig Erfahrung mit Online-Plattformen haben, die geeignete Berater*innen vermitteln.

Expertise für besondere Themenbereiche

Vor allem in den Themenfeldern Digitalisierung und Transformation besteht großer Bedarf an Expertise. Genauer gesagt geht es um die Themen:

  • Wachstumsstrategien,
  • Globalisierung der Lieferketten,
  • Einführung und Umsetzung agiler Projekte sowie
  • Innovations- und Nachhaltigkeitsstrategien.

Ein Zukunftsthema ist außerdem die Nachhaltigkeit, die bereits im Bewusstsein der Führungskräfte verankert ist. Auch Christian Moldenhauer bemerkt diese Tendenz:

"Auf unserer Plattform werden zunehmend Projekte nachgefragt, die sich mit der Entwicklung von Sustainability-Strategien beschäftigen, um eine klare Antwort auf Klimarisiken und damit verbundene operative Herausforderungen für Unternehmen in der Zukunft zu finden. Das reicht von Klimasimulationen und Greenhouse-Gasemission-Accounting bis hin zu umfassenden Handlungsszenarien".

Shift in der Nachfrage

Die vier Dimensionen des traditionellen Arbeitsmodells vs. das zukünftige Arbeitsmodell (Quelle: EPH) 

Nicht nur die Nachfrage an Profis in den Bereichen Digitalisierung und New Work (agile Projekte und digitale Arbeitsweise) ist gestiegen, sondern auch die Consultants selbst stellen zunehmend die eigene Arbeitsorganisation um: lange Projekte mit vielen Beratungstagen werden immer weniger Up-Front verkauft, da Unternehmen Expert*innen eher on-demand und zeitnah einsetzen.

Fragen zur Studie und den Ergebnissen

CONSULTING.de hat Christian Moldenhauer noch ein paar Fragen zur Studie und deren Ergebnisse gestellt: 

Wie erklären Sie das Ergebnis, dass knapp 80 Prozent der Groß-Unternehmen unabhängige Experte ins Haus holen, aber nur 60 Prozent der Klein-Unternehmen?

Christian Moldenhauer: Große Firmen/Konzerne haben oftmals andere Herausforderungen (wie z.B. Investoren oder Kapitalmarktanforderungen) und damit verbunden sind auch feste Budgets für externe Unterstützung. Bei mittleren und kleineren Unternehmen ist das oft flexibler geregelt. Um Budget zu schonen wird oft versucht Themen in Eigenregie und durch höhere Motivation zu lösen.

Wie erklären Sie sich, dass unabhängige Berater nur selten über die HR-Abteilung ins Haus geholt werden, also vorbei an der HR-Abteilung?

Christian Moldenhauer: Ich würde niemand unterstellen, dass er absichtlich an der HR Abteilung vorbei arbeitet. Wenn es darum geht Projekte mit Expertise und Kapazität schnell zu unterstützen, ist das Zusammenspiel von Einkauf, HR und Business gefragt. Die Funktionen arbeiten aber oft schon an der Kapazitätsgrenze. Es ist nicht immer klar definiert, wer für Consultants und Expert*innen zuständig ist und auch nicht einfach, Business Anforderungen in einen formalen Prozess zu übersetzen. Daher kümmern sich Executives oft selbst direkt darum, den oder die richtige*n Berater*in zu finden.

Zum Thema Changing Work Model: Was überrascht Sie an den Ergebnissen? Hätten Sie das so erwartet?

Christian Moldenhauer: Viele der Erkenntnisse sind natürlich in unserer Tagesgeschäft sehr präsent, das heißt die zunehmende Flexibilisierung hin zu On-Demand Aufträgen, gepaart mit zunehmend virtuellen Arbeitsweisen. Für mich überraschend ist ein ganz klares Bekenntnis zum Consultant mit Profil. Für Projektunterstützung werden überwiegend Spezialisten gefragt, obwohl gewissen Projekte natürlich unverändert von Generalisten profitieren.

Welche Veränderungen erwarten Sie bei den genannten vier Dimensionen, wenn COVID-19 noch ein weiteres Jahr unser Leben prägt?

Christian Moldenhauer: Was ich interessant finde ist, dass - trotz Corona, weniger Reisen und Trends zur Regionalisierung - zukünftig Berater*innen mit internationalem Profil stärker nachgefragt werden. Vor dem Hintergrund einer weiteren Virtualisierung und Spezialisierung des Beratungsgeschäfts könnte das bedeuten, dass bei einer länger anhaltenden Pandemie auch internationale Beratungsanbieter im Deutschen Geschäft einfacher zum Zuge kommen können.

Wenn, wie die Studie zeigt, die Drei-Monats-Fulltime-Jobs für externe Consultants zukünftig seltener werden und man mehrere Jobs in Teilzeit parallel braucht, wird das Leben für externe Consultants dann nicht deutlich schwieriger? Mehr Akquise, weniger Fokussierung?

The New Independent Workforce Study 2020 von EPH (Bild: EPH)

Christian Moldenhauer: Es gibt ja Stimmen, die meinen wir werden in der Zukunft weniger arbeiten, spätestens wenn AI übernimmt. Da sind wir natürlich noch nicht angekommen. Ich sehe durchaus auch Chancen, denn Flexibilisierung in der Beratung steht für mich nicht im Widerspruch zur einer Fokussierung. Wer mehrerer Projekte parallel unterstützt, kommt nämlich als Consultant eher in eine Trusted Advisor-Rolle hinein, als wenn man als fleißiges Bienchen in einem Projekt nach dem anderen glänzt. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob unbedingt mehr Neuakquise notwendig wird, weil viele Consultants gute, wiederkehrende Geschäftsbeziehungen pflegen, die mit Services wie von expertpowerhouse ergänzt werden können.

Melden Sie sich für das kostenlose Web-Seminar am 4. November an, in dem Christian Moldenhauer auch auf einige der Ergebnisse der Studie eingehen wird.

cb

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