Jedes dritte Unternehmen wird Opfer von wirtschaftskriminellem Verhalten

KPMG veröffentlicht Studie zur Wirtschaftskriminalität

Wirtschaftskriminalität ist in Deutschland beileibe keine Seltenheit: Wie KPMG nun in einer Studie herausfand, wurde in den vergangenen zwei Jahren mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen (36 Prozent) mit wirtschaftskriminellem Verhalten konfrontiert.

Amtsgericht (Bild: Björn Wylezich - fotolia.com)
Wirtschaftskriminelle Handlungen können die Reputation eines Unternehmens nachhaltig beschädigen. (Bild: Björn Wylezich - fotolia.com)

Noch häufiger als die Gesamtheit der deutschen Wirtschaft haben laut KPMG-Erkenntnissen Großunternehmen mit Wirtschaftskriminalität zu kämpfen. Demnach war in den letzten zwei Jahren fast die Hälfte der Konzerne mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz (45 Prozent) von wirtschaftskriminellem Verhalten betroffen. Dabei entstand den Firmen ein immenser finanzieller Schaden. "Ausgehend von unseren Berechnungen gehen wir von einem jährlichen Schaden in Höhe von rund 100 Milliarden Euro aus", sagt Alexander Geschonneck, Partner und Leiter Forensic bei KPMG Deutschland.

Wirtschaftskriminalität kann zu erheblichen Reputationsschäden führen

Dabei ist es nicht allein der direkt entstandene finanzielle Schaden, der den Unternehmen zu schaffen macht – auch die langfristigen Folgen können beträchtlich sein. So geben 42 Prozent der deutschen Großunternehmen zu Protokoll, dass geschäftliche Kontakte mit Firmen, in denen es zu wirtschaftskriminellen Handlungen kam, für sie ausgeschlossen seien. Viele Unternehmen knüpfen die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen mit derartigen Betrieben zudem an konkrete Bedingungen. Lediglich 6 Prozent der Befragten hielt es für unwichtig, ob ein Geschäftspartner in derartige Vorfälle verstrickt war oder ist. Die Haltung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Wirtschaft führt allerdings dazu, dass Unternehmen, die mit Wirtschaftskriminalität zu tun hatten, mit erheblichen Reputationsschäden zu kämpfen haben. Drei Viertel der betroffenen Firmen (77 Prozent) gaben an, dass sich diese auch finanziell nachteilig ausgewirkt hätten.

Viele Unternehmen unterschätzen das eigene Risiko

Trotz der großen Gefahren, die wirtschaftskriminelle Handlungen bergen, sehen die meisten Befragten für ihr eigenes Unternehmen jedoch kein Risiko. Stattdessen erkennt nur ein knappes Drittel (32 Prozent) eine Gefahr für die eigene Firma. Dabei ist den meisten Studienteilnehmern die brenzlige Situation durchaus bewusst: Vier von fünf Befragten (80 Prozent) sehen ein hohes oder sehr hohes Risiko für deutsche Unternehmen, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden.

Ist es hingegen tatsächlich zu einem entsprechenden Vorfall gekommen, scheint ein Großteil der Unternehmen nicht wirklich auf diesen Tag X vorbereitet zu sein. So gaben innerhalb der Umfrage fast zwei Drittel (63 Prozent) zu Protokoll, nicht angemessen auf das Delikt reagiert zu haben. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren lediglich 4 Prozent mit ihrer eigenen Reaktion unzufrieden. Dabei bereitete vielen Firmen (27 Prozent) vor allem die unternehmensinterne Kommunikation der Vorgänge Probleme. Eine beinahe ebenso große Gruppe (24 Prozent) sah sich hingegen mit der Beweissicherung überfordert. Für 23 Prozent erwies sich dagegen die Koordination des weiteren Vorgehens als Stolperfalle.

Unternehmen sollten bei Hinweisen umgehend aktiv werden

Daher ist aus Sicht von KPMG für die Unternehmen von zentraler Bedeutung, Frühwarnsysteme und Strategien für den Ernstfall zu entwickeln. "Häufig wendet sich ein Hinweisgeber auf die kriminellen Umtriebe als erstes an das Unternehmen selbst", verrät Geschonneck. Wenn auf diese Hinweise jedoch nicht angemessen reagiert werde, "ist es häufig nur eine Frage der Zeit, bis erst die Öffentlichkeit, später dann die Staatsanwaltschaft diesen Hinweisen nachgeht." Die Folgen einer solchen Entwicklung seien für ein Unternehmen verheerend. "Es wird getrieben vom externen Ermittlungsdruck. Und es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit viel Geld und Vertrauen bei Kunden und Geschäftspartnern verlieren."

Zur Studie:
Für die Studie "Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2016" befragte KPMG gemeinsam mit TNS Emnid 500 Unternehmen.

tt

Veröffentlicht am: 05.07.2016

 

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