Kluft zwischen Vorreitern und Nachzüglern in Europa wird größer

Capgemini analysiert eGovernment Benchmark Report 2016 der EU-Kommission

Online-Dienstleistungen erhalten auch im öffentlichen Sektor eine immer größere Bedeutung. Allerdings engagieren sich laut eines Reports der EU-Kommission noch längst nicht alle europäischen Nationen in erforderlichem Maße im eGovernment.

Chart zum eGovernment Benchmark Report 2016 (Infografik: Capgemini)
Die "digitale Diagonale" zieht sich durch ganz Europa. (Infografik: Capgemini)

Stattdessen scheint sich nach Ansicht von Capgemini, das den eGovernment Benchmark Report 2016 im Auftrag der EU-Kommission mit einigen weiteren Unternehmen erstellt hat, eine "digitale Diagonale" durch Europa zu ziehen, der eine Reihe von Staaten vom Südwesten bis in den Nordosten Europas angehören, die in ihren Anstrengungen über dem europäischen Durchschnitt liegen. "Die digitale Diagonale weist Länder aus, die bei ihrem Ausbau von eGovernment-Angeboten kontinuierlich Fortschritte machen. In einem grenzüberschreitenden digitalen Markt dürfen jedoch die restlichen Länder nicht abgehängt werden“, warnt daher Marc Reinhardt, der für Capgemini in Deutschland den Bereich "Public Sector" verantwortet.

Bereits seit 2001 bewertet die Europäische Kommission den Fortschritt der Digitalisierung im öffentlichen Sektor Europas anhand von vier aus der digitalen Agenda der EU abgeleiteten Indikatoren: wie verfügbar und nutzerfreundlich öffentliche eServices sind (Nutzerzentriertheit), wie sich Servicevorgänge gestalten (Schlüsseltechnologien), wie die Kontrolle der Nutzer über ihre persönlichen Daten aussieht (Transparenz) und wie verfüg- und nutzbar grenzüberschreitende Services für Bürger und Unternehmen sind (grenzüberschreitende Mobilität). Diese werden jährlich wechselnd anhand von sieben konkreten Lebenslagen für Bürger und Unternehmen überprüft. Dabei zeigt sich im Gesamtdurchschnitt eine leichte Beschleunigung in der Umsetzung der eGovernment-Angebote. Deutschland gehört dabei zu den Staaten der "digitalen Diagonale", die in diesem Bereich besonders große Fortschritte machen. Dennoch besteht auch in der Bundesrepublik Grund zur Vorsicht: So könnte die föderale Struktur nach Einschätzung von Capgemini innerhalb Deutschlands ähnlich wie in Europa zu gravierenden Unterschieden in der Umsetzung in den einzelnen Regionen führen.

Deutschland macht hinsichtlich der Transparenz große Fortschritte

Zudem hat auch die Bundesrepublik in ihrer Gesamtheit noch Nachholbedarf: So liegt Deutschland im Hinblick auf die Nutzerzentriertheit unterhalb des EU-Durchschnitts im hinteren Mittelfeld. Ursächlich für diese Bewertung sind insbesondere die geringe Benutzerfreundlichkeit sowie der benötigte Zeitaufwand zur Erledigung der Online-Services durch die Anwender in den untersuchten Lebenslagen. Positiv fällt Deutschland hingegen beim Indikator Transparenz auf: In diesem Bereich machte die Bundesrepublik den größten Entwicklungssprung aller untersuchten Nationen. "Transparenz schafft Vertrauen und Vertrauen ist eine Voraussetzung für die Nutzung von eGovernment-Angeboten. Hier hat Deutschland im europäischen Vergleich überdurchschnittlich zugelegt, auch dank Transparenzgesetzen wie in Hamburg und Bremen. Positiven Einfluss hat sicher auch die langsam zunehmende Verbreitung von Open Government Ansätzen. Fortschritte im Bereich der Portale und Servicekonten verbessern unsere Werte sowohl bei Transparenz als auch bei der Nutzerfreundlichkeit", erläutert Reinhardt.

Eine weitere Problematik teilt Deutschland dagegen mit allen europäischen Staaten: Grenzüberschreitende eGovernment-Angebote sind für Unternehmen sehr viel breiter und besser umgesetzt als für Bürger – ein Missverhältnis, das seit Jahren in ganz Europa größer wird. Nach Ansicht von Capgemini liegt dies unter anderem an der höheren Fallzahl an Transaktionen zwischen staatlichen Einrichtungen und Unternehmen sowie der darauf aufbauenden höheren Professionalisierung auf beiden Seiten, die die technische Umsetzung vereinfacht. "Die Nutzerorientierung ist überall in Europa im Fokus, und trotzdem oft noch schwach ausgeprägt. Ich begrüße daher die aktuellen deutschen Vorstöße von Bund und Ländern, die zunehmend auf den direkten und wahrnehmbaren Nutzen der Nutzer abzielen. Wir haben jahrelang Fundamente gelegt – nun ist es an der Zeit, auf ihnen auch mehr nützliche Services zu errichten“, mahnt Reinhardt.

tt

Veröffentlicht am: 06.10.2016

 

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