Kunst effizient im Consulting einsetzen

Kunst

Gleich, ob es sich um Kunstwerke wie Gemälde von Picasso oder Skulpturen von Donatello handelt, Kunst sorgt für frischen Wind im Consulting. Der Einsatz von Kunst in der Beratung hat viele positive Aspekte, die jeder Führungskraft zugutekommen kann. Um welche positiven Effekte es sich insbesondere bei Kunstgemälden handelt, thematisiert der nachfolgende Artikel.

Einsatz von Kunst im Management

Wer sich im Bereich des Consultings selbstständig macht und sich insbesondere auf die Management-Beratung spezialisieren möchte, kann Kunst einbeziehen, um Führungskräfte zu inspirieren und bestimmte Prozesse anzustoßen oder auszulösen. Dabei spielt es keinerlei Rolle, um welche Art von Unternehmen es sich handelt. Wer ein Kunstwerk aus einer Online-Kunstgalerie kaufen möchte, benötigt kein großes Budget. Die Investition rechnet sich in jedem Fall, denn die erfolgreiche Nutzung von Kunst im Consulting hat sich bei der Beratung von Führungskräften bestens etabliert.

Wirkungen von Kunst im Consulting

Die meisten Effekte lassen sich bestimmten Kategorien zuordnen. Drei der bedeutendsten beschreiben wir im Folgenden.

Wahrnehmung als aktive Gestaltungsform
Das intensive Anschauen und Entdecken von Kunstwerken stellt zum einen eine gute Übung dar, um den „Wahrnehmungsmuskel“ zu trainieren. Zum anderen führt es dazu, dass der Betrachter oder die Betrachterin eine Wirklichkeit aktiv in ihrem Kopf konstruiert sowie Bezüge herstellt und Zusammenhänge schafft. Die jeweils individuelle Wahrnehmung entspricht oftmals nicht den Absichten des Künstlers oder der Künstlerin. Vielmehr kann das gleiche Kunstwerk völlig unterschiedliche Gefühle, Assoziationen sowie Bewertungen bei der betrachtenden Person auslösen.

Beispielsweise ein Consultant in führender Position, der durch sein Unternehmen geht, sammelt nur scheinbar objektive Informationen. Tatsächlich sieht es jedoch anders aus: Er erschafft in Wirklichkeit im Geist die Organisation im Moment der Wahrnehmung. Es handelt sich dabei um einen mentalen Vorgang, der sich tagtäglich wiederholt. Um Führungskräfte in diesem Bereich zu sensibilisieren, eignet sich beispielsweise die eingehende Betrachtung des von Pablo Picasso erschafften Gemäldes „Sitzende Frau“ aus dem Jahr 1941.

Das Besondere an dem Bild ist, dass der Künstler scheinbar unabänderlich zusammengehörende Elemente auseinandernimmt. In der Kunstsprache nennt man diese Vorgehensweise „Dekomposition“. Das Gemälde löst kontroverse Gefühle aus. Der Titel wird zunächst mit etwas Harmonischem und Schönem assoziiert. Auf dem Bild jedoch sitzen die Körperteile der Frau an „falschen“ Plätzen. Es kommen die Fragen auf: „Ist die Frau deswegen hässlich?“ oder „Ist das Kunstwerk hässlich?“

Jeder Betrachter und jede Betrachterin rekonstruiert das Bild auf eine eigene Art und Weise im Kopf, wobei eine schöne und „richtige“ Frau zum Vergleich herangezogen wird. Die von Picasso genutzte Technik ist auch unter der Bezeichnung Polyperspektivismus bekannt. Darunter versteht man den Versuch, gleichzeitig einzelne Teile eines – in Bewegung befindlichen Körpers – darzustellen. Der Preis dafür ist, dass dadurch eine Auflösung der Harmonie und ein scheinbar chaotisches Bild entstehen.

Führungskräfte im Consulting oder anderen Bereichen werden durch den Einsatz von Kunst dazu angeregt, über das innere Bild nachzudenken, das sie von ihrer eigenen Organisation vor Augen haben. Sie stellen sich selbst Fragen, darunter:

  • Welches Bild von einer harmonischen Organisation trage ich unbewusst mit mir herum?
  • Wie kann ich die Gesamtheit erkennen, wenn sich alle Teile in Bewegung befinden?
  • Ist das Bild einer statisch sitzenden, perfekten Organisation möglicherweise eine Illusion?
  • Was ist „hässlich“ – die Organisation oder nur das innere Bild, was ich mir davon mache?

Denken in Prozessen
Es gibt Managementberaterungen, die ihren Kunden und Kundinnen aufzeigen, dass sowohl die Organisation als auch das Erschaffen von Kunst ein Prozess ist. Dabei werden Teilnehmende eines Kurses paarweise dazu angehalten, abwechselnd und schweigend ein Bild gemeinsam zu erstellen. Ein Thema wird vorgegeben, die beiden beteiligten Personen übergeben den Stift jeweils nach einer Minute, bis ein vorläufiger Haltepunkt erreicht ist. Es handelt sich dabei um eine sinnliche Erfahrung des gemeinsamen prozesshaften Erschaffens, die stärker nachwirkt als jede theoretische Darstellung zu diesem Thema.

Eine ähnliche Wirkung erzielt der 20-minütige Film „Visit to Picasso“ von Paul Haesaerts aus dem Jahr 1950. Er installierte eine Kamera auf der Rückseite einer Glasscheibe, die der berühmte Maler spielerisch mit Bildern versah. Wer sich den Film anschaut, erlebt sowohl hautnah, wie Kunst entsteht als auch, wie sie immer wieder zerstört wird, um gleich darauf etwas Neues zu erschaffen. Eine tolle Zeichnung, die Zuschauende zum Ausruf verlockt: „Halt, sie ist perfekt, ich kaufe das Bild!“, verschwindet sofort unter dem nächsten Pinselschwung, Neues entsteht.

D.h., unter jedem Bild, das die Betrachter und Betrachterinnen sehen können, befinden sich viele weitere Bilder. Alle entstanden nur für einen flüchtigen Moment, bevor sie kreativ vernichtet wurden. Es ist leicht nachzuvollziehen, wie sich der vorgenannte Film zum Beispiel bei der Beratung eines Veränderungsmanagements in einem Unternehmen einsetzen lässt:

  • Wie viele einzelne „Bilder“ befinden sich unter dem Bild der derzeit bestehenden Organisation?
  • Wer ist der „Maler“?
  • Wie sehen die nächsten „Bilder“ aus?
  • Wie gestaltet sich die Organisation des Prozesses der „Malereien“?

Blick auf die Gesamtheit
Zu den wichtigsten Anforderungen an eine Managementberatung gehört, Kunden und Kundinnen den Weg zur Bewältigung von organisatorischer Komplexität zu eben. Dies beinhaltet, ihnen beim Zurückgewinnen des Blickes auf die Gesamtheit zu helfen. Umgekehrt sollten sich Führungskräfte bewusst machen, wie sich ihr persönliches Verhalten auf die gesamte Organisation auswirkt.

Nehmen wir als Beispiel das Kursthema „Verhältnis von Zentrale zur Außenstruktur“. Dafür bietet sich die Interpretation des Gemäldes „Schloss im Wald zu bauen“ von Paul Klee an. Es geht dabei um eine Reflexionsarbeit, die zu nachstehenden Gedanken führen kann:

  • Wenig Ordnung ist im Bereich der Ränder zu finden.
  • Die Mitte hingegen weist Linien auf, die zu Rechtecken geordnet sind.
  • Feststellbar ist, dass von der kaum ins Auge fallenden Mitte sämtliche Strukturen der Peripherie eine innere Ordnung erhalten.
  • Es sieht sogar so aus, als entfaltet sich die Eigendynamik der Strukturen ringsum umso unbefangener, je mehr Sicherheit sie aus der regelnden Ordnungskraft im Zentrum ziehen können.

Trotzdem kommt keine passive, sture Ordnung im Bild zum Ausdruck. Zwar dominiert der zentrale Bereich nicht, jedoch ist er alles andere als leblos. Vielmehr strahlen von dort ordnende Wirkungen auf alle Formen der Peripherie aus. Das Gemälde von Paul Klee drückt außergewöhnlich anschaulich das Verhältnis von einer Unternehmenszentrale und den einzelnen Abteilungen in gegenwartsgemäß dezentral organisierten Betriebsstrukturen aus.

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