Mehr als die Hälfte der deutschen Großstädte verzeichnen weiteren Schuldenanstieg

Studie von Ernst & Young

Trotz hoher Steuereinnahmen steigt die Gesamtverschuldung der deutschen Großstädte weiter an. Vor allem die Städte in Nordrhein-Westfalen weisen steigende Verbindlichkeiten auf, so eine Studie von Ernst & Young.


73 der deutschen Großstädte verzeichneten einen Schuldenanstieg – dies entspricht einer Mehrheit von 53 Prozent. In NRW mussten 19 von 29 Großstädten (66 Prozent) zusätzliche Kredite aufnehmen, die Gesamtverschuldung stieg dort um 1,3 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro. Neben den nordrhein-westfälischen Städten meldeten auch die Großstädte in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen einen weiteren Schuldenanstieg – um 0,9 bzw. 0,5 Prozent.

Im Rest der Republik konnten hingegen die meisten Städte ihre Verschuldung reduzieren, so dass die Gesamtverschuldung unterm Strich leicht – um 0,2 Prozent – auf 80,9 Milliarden Euro sank. Auf jeden Großstadtbewohner entfielen damit im Durchschnitt kommunale Schulden in Höhe von 4.099 Euro – im Vorjahr waren es 4.166 Euro.

Die ohnehin deutlich geringer verschuldeten Städte in Bayern und Baden-Württemberg konnten weiter Verbindlichkeiten abbauen: Sie reduzierten ihre Gesamtverschuldung um 0,3 Prozent (Bayern) bzw. 1,1 Prozent (Baden-Württemberg).

Stark verschuldete Städte profitieren kaum von guter Konjunktur

Die positive Konjunktur- und Einnahmenentwicklung der vergangenen Jahre scheint an den besonders stark verschuldeten Großstädten offenbar weitgehend vorbeizugehen, so die Studienautoren: Bei insgesamt 35 deutschen Großstädten liegt die Pro-Kopf-Verschuldung derzeit höher als 4.000 Euro. Die Gesamtverschuldung dieser hoch verschuldeten Städte legte um knapp ein Prozent von 50,3 auf 50,6 Milliarden Euro zu.

Als problematisch erweist sich dabei vor allem die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen: Von den 20 deutschen Großstädten mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung liegen 13 in Nordrhein-Westfalen – unter den 20 Städten mit der niedrigsten Verschuldung je Einwohner finden sich hingegen nur drei NRW-Städte: Düsseldorf, Paderborn und Hamm. Immerhin konnten auch einige hoch verschuldete Städte  in den vergangenen Jahren ihre Verschuldung reduzieren.

Sofern es nicht weitere massive Entschuldungsmaßnahmen oder sonstige finanzielle Hilfeleistungen für besonders betroffene Kommunen gebe, drohe eine Zementierung der Zweiklassengesellschaft unter deutschen Kommunen, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden könne, so Ernst & Young. Es müsse eine Lösung gefunden werden für hoch verschuldete Städte in strukturschwachen Regionen, die kaum von der guten Konjunktur profitieren und deren Attraktivität sowohl für Bürger als auch für Unternehmen zunehmend leidet.

Zur Studie:

Dies sind die Ergebnisse einer Studie von Ernst & Young, die auf einer Analyse der Verschuldungssituation von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern beruht. Dabei wurden neben den Schulden der kommunalen Kernhaushalte auch die Schulden der Extrahaushalte und sonstigen öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, an denen die Kommunen zu 100 Prozent beteiligt sind, berücksichtigt.

mr

Veröffentlicht am: 22.11.2016

 

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