Mehr als gut erholt – die großen Berater trotzen den Krisen

Lünendonk-Liste: Führende Managementberatungen in Deutschland 2022

2020 war ein schwieriges Jahr für die Consultingbranche. 2021 lief bereits deutlich besser, auch aufgrund von Nachholeffekten. Selbst große Beratungshäuser wuchsen zweistellig. Trotz Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 ist der Ausblick auf das Gesamtjahr und die weitere Prognose noch immer ausgesprochen positiv, so die Ergebnisse der aktuellen Lünendonk-Liste „Managementberatungen in Deutschland“. Gehälter und Honorare legen ebenfalls zu.

Zufriedene Gesichter auch bei den anwesenden Vertretern der Beratungshäuser: Der Consultingbranche geht es gut, so die Lünendonk-Liste 2022. Von links: Ralf Pichler, Detecon; Dr. Kathrin Lumma, zeb; Dr. Jörg Hossenfelder, Lünendonk; Andreas Hoberg, Ingenics; Pierre Deraed, Bain & Company. (Bild: CONSULTING.de)

Deutliches Umsatzwachstum an der Spitze

Nach einem deutlichen Rückgang im ersten Pandemie-Jahr 2020 zeigt sich der deutsche Consulting-Markt mehr als erholt. Und bislang überraschend krisenfest, wie nicht nur die Zahlen für 2021 zeigen, sondern auch der positive Ausblick der Marktteilnehmer auf das Jahr 2022. Das ist das zentrale Ergebnis der diesjährigen Lünendonk-Liste, die separate Listen für in Deutschland ansässige und internationale Beratungsunternehmen beinhaltet.

Der deutsche Managementberatungsmarkt hat 2021 laut Zahlen des BDU ein Volumen von 38,1 Milliarden Euro erreicht (+10,1 Prozent; 2020: 34,6 Mrd. EUR; 2019: 36,0 Mrd. EUR). Trotz der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen soll im Geschäftsjahr 2022 erstmals das Marktvolumen in Deutschland die 40 Milliarden Euro-Schwelle überschreiten (Prognose: 42,1 Mrd.).

Über 16 Prozent Wachstum bei den Top20-Beratern

So legen die 20 größten deutschen Beratungen im Durchschnitt um 16,6 Prozent an Umsatz zu, lediglich zwei Häuser haben leichte Rückgänge zu verzeichnen.

Selbst Consulting-Dickschiffe wie Roland Berger oder Simon-Kucher legen um mehr als 20 Prozent zu. Und das liegt nicht nur an Nachholeffekten.

Erzielte Roland-Berger vor Corona 2019 noch 642 Mio. EUR Umsatz, so ist die Corona-Delle im Jahr 2020 von 590 Mio. EUR mittlerweile mehr als wettgemacht. Das Haus, das laut Medienberichten mit einem Börsengang flirtet, wächst um 26,3 Prozent auf einen Umsatz von 745 Mio. Umsatz. Mit einer solcher Wachstumsdynamik wäre sicherlich auch die Börse zufrieden. Das ist unangefochten und mit deutlichem Abstand der Spitzenplatz in der Lünendonk-Liste, die jährlich die Umsatzentwicklung der deutschen Beratungsbranche dokumentiert.

Simon-Kucher, Q_Perior und Horváth legen deutlich zu, Porsche Consulting jetzt auf Platz 5

Lünendonk-Liste 1-10 der Managementberatungen, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben (Quelle: Lünendonk & Hossenfelder)

Auf Platz 2 bleibt SKP, die ebenfalls einen Umsatzsprung von 361,5 auf 442,6 Mio. EUR geschafft haben. Die Plätze 3 und 4 belegen unverändert die Münchner Q_Perior und die Stuttgarter Horváth, die ebenfalls gewachsen sind. Mit einem Wachstum von 14,6 Prozent auf 216 Mio. EUR Umsatz schiebt sich Porsche Consulting auf Platz 5 und verdrängt die Kölner T-Systems-Tochter Detecon.

Ralf Pichler, Detecon

Detecon selbst ist eines von nur zwei Top 20-Unternehmen, die gegen den Markttrend 3,6 Prozent Umsatz verloren haben und somit nur noch auf Platz 8 rangieren. CEO Ralf Pichler erklärt die Entwicklung damit, dass konzerninterne Beratungsprojekte wieder abgegeben wurden, gab aber einen positiven Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr und verwies auf das im Markttrend liegende Wachstum bei den externen Aufträgen.

 

Die Finanzwirtschaft erweist sich als krisenfester Beratungskunde

Dr. Kathrin Lumma, zeb

D-fine und zeb.rolfes.schierenbeck.associates ziehen ebenfalls an Detecon vorbei und erreichen im Ranking die Plätze 6 und 7. Die Frankfurter Unternehmensberatung D-fine war bereits im Corona-Jahr gegen den Trend gewachsen und konnte den Umsatz noch mal um 18,4 Prozent auf 201,3 Mio. EUR steigern.

Immerhin noch fast halb so viel Wachstum erzielten die Münsteraner Finanzdienstleistungsexperten von zeb und erwirtschaften vorwiegend mit Banken und Versicherungen einen Umsatz von 190,9 Mio. EUR. Laut Partnerin Dr. Kathrin Lumma erwies sich die Finanzdienstleistungsbranche dabei als krisenfester als erwartet. Auch das neue Jahr würde sich bislang sehr gut entwickeln, so Lumma weiter.

Auf den Plätzen 9 und 10 finden sich wie im Vorjahr die bayrischen Beratungshäuser KPS AG und die goetzpartners Group. Dabei lief das Geschäft für die Münchner goetzpartners deutlich besser als für die Unterföhringer KPS, die erneut um 5,1 Prozent Umsatz verlor, nachdem sie bereits im Corona-Jahr 14 Mio. EUR Umsatzeinbuße verzeichnen musste. Goetzpartners erzielte dagegen 7,4 Prozent mehr Umsatz und bleibt erneut auf Wachstumkurs.

Starke Wachstumszahlen auf den Plätzen 11-20

Lünendonk-Liste 11-20 der Managementberatungen, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben (Quelle: Lünendonk & Hossenfelder)

Andreas Hoberg, Ingenics

Erstmals weist die Lünendonk-Liste Zahlen für 20 Beratungshäuser aus. Auf den Plätzen 11-20 verbessert sich die Düsseldorfer Cassini AG von Platz 14 auf 13 und wächst um beachtliche 29,5 Prozent. Die auf Beratung in den Branchen Automobil und Maschinenbau fokussierte Ulmer Ingenics AG erreicht fast wieder ihren Vor-Corona-Umsatz und wächst durch Nachholeffekte um fast 30 Prozent.

Miebach Consulting ist erstmals in der Top-Liste auf Platz 14 vertreten und wächst ebenfalls um hervorragende 35,7 Prozent. Die Staufen AG aus dem schwäbischen Köngen wächst zwar um 5,9 Prozent, rangiert aber nur noch auf Platz 16 (Vorjahr 13) und hat ihr Vor-Corona-Umsatzniveau noch nicht wieder erreichen können. Neu in der Top20-Liste sind außerdem die Unity AG, die SKS Group Holding, die Berylls Group und Horn & Company, die von 2020 auf 2021 allesamt zweistellig zulegen konnten.

Wachstum auch bei den internationalen Häusern

Internationale Managementberatungen in Deutschland, die ihren Hauptsitz nicht in Deutschland haben (Quelle: Lünendonk & Hossenfelder)

Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer - Lünendonk & Hossenfelder
Den deutschen Beratungsmarkt dominieren die internationalen Consultants, auch wenn im Vergleich zu den internationalen Beratungen das Wachstum der in Deutschland ansässigen Beratungshäusern etwas höher ausfällt. Das hängt damit zusammen, dass das Geschäft der internationalen Berater in 2020 weniger stark einbrach als das der in Deutschland ansässigen Kollegen. Accenture, Deloitte und Konsorten erreichten aber immerhin 13,1 Prozent Umsatzwachstum.

„Die überdurchschnittlichen Wachstumszahlen aus 2021 müssen vor dem Hintergrund des deutlichen Umsatzrückgangs in 2020 eingeordnet werden“,

so Lünendonk-Geschäftsführer Jörg Hossenfelder.

Das internationale Feld zeigt sich sehr heterogen: Marktführer sind die internationalen Strategieberatungen McKinsey, BCG und Bain & Company, gefolgt von den Advisory-Einheiten der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte und PricewaterhouseCoopers sowie der Consulting-Einheit von Accenture. Die 17 führenden internationalen Anbieter der Lünendonk-Liste generierten im Jahr 2021 geschätzt 136,4 Mrd. Euro Umsatz weltweit. Davon entfallen 10,5 Mrd. Euro auf Deutschland (2020: 8,2 Mrd. €; +28 %).

Pierre Deraed, Bain & Company

Auffallend stark zeigte sich dabei u. a. Bain & Company, die von 4,5 Mrd. Dollar auf 6,5 Mrd. zulegen konnten und damit an Mercer vorbeiziehen. Grund für das Wachstum war die Einstellung diverser neuer Partner sowohl von Wettbewerbern als auch aus der Industrie. „Partner bringen Umsatz“, so Pierre Deraed, Vice President Marketing & Communications bei Bain & Company.

Das Ranking bleibt aber weitestgehend unverändert. Accenture, Deloitte, PwC, EY, KPMG und McKinsey landen auf den Plätzen 1-6. BCG klettert um einen Platz nach vorne und zieht an Willis Tower Watson vorbei. Oliver Wyman und Capgemini Invent wachsen ebenfalls deutlich.

Honorare, Fluktuation und Gehälter steigen

Die Wachstumzahlen ermöglichen den Beratungshäusern Spielräume. Nadelöhr ist dabei nach wie vor das Recruiting. Mit mehr Personal könnten die Häuser noch stärker wachsen, so der Tenor der in Frankfurt vertreten Unternehmen. Deshalb hat die Bindung von Mitarbeitenden höchste Priorität, da die Fluktuationsrate um 2,6 Punkte auf im Mittel 13,3 Prozent über alle Häuser hinweg anstieg. Das ist innerhalb der Lünendonk-Studien der höchste Wert seit der Erstabfrage dieses Items in 2014. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, will mehr als ein Drittel der Consulting-Unternehmen die Gehälter im Durchschnitt zwischen drei und 4,5 Prozent anheben. Diese könne je nach Entwicklung der Inflation auch höher ausfallen, so Pierre Deraed von Bain & Company, die das Thema nach Abschluss des ersten Halbjahres auf den Prüfstand stellen wollen.

Im gleichen Maße würden auch die Berater-Honorare angepasst. Dabei wolle man laut Aussage der vor Ort anwesenden Consultinghäuser aber behutsam vorgehen und die hohe Nachfrage nach Beratungsdienstleistung nicht über Gebühr ausnutzen.

Methodik

Erhebungsmethode Selbstauskünfte der Unternehmen und Schätzungen der Lünendonk & Hossenfelder GmbH
Befragte Zielgruppe Managementberatungsunternehmen mit Gründungshistorie und Kapitalmehrheit in Deutschland
Stichprobengröße 70
Feldzeit Februar bis Mai 2022
Land Deutschland

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