Mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben: Berater setzen auf Datenanalyse

Angesichts der wachsenden Datenflut ist software-gestützte Datenanalyse zunehmend gefragt. Auch immer mehr Consulting-Firmen nutzen Analyse- und Visualisierungstools, um die Effizienz ihrer Beratung zu steigern und Zusammenhänge aufzuzeigen. Vielerorts sind allerdings noch Lösungen im Einsatz, die die Möglichkeiten der Datenanalyse nicht ausschöpfen. Das belegt eine aktuelle Umfrage von Lünendonk.

Consultants setzen verstärkt auf software-gestützte Datenanalyse (Bild: apinan - fotolia.com)

Consultants setzen verstärkt auf software-gestützte Datenanalyse (Bild: apinan - fotolia.com)


Von Lars Milde (Marketing Manager DACH, Tableau Software) und Mario Zillmann (Partner Lünendonk & Hossenfelder)

Das Thema Datenanalyse und -interpretation ist auch in den Beratungshäusern angekommen. Consulting-Leistungen auf Basis von Daten, im Fachjargon Solutions genannt, sind zunehmend gefragt. Einerseits um die Effizienz der Beratung zu steigern, andererseits weil auch immer mehr Kunden im Zuge der Entwicklung digitaler und datenbasierter Geschäftsmodelle Analytics-Tools einsetzen, mit denen sich Daten aus unterschiedlichsten Datenquellen zusammenziehen und nach Mustern analysieren lassen.

In welcher Form die Berater vom Einsatz moderner Analytics- und Visualisierungswerkzeuge profitieren, zeigt die Studie "Consulting 4.0 – Bessere Beratung durch effizientere Datenanalysen", für die Lünendonk mehr als 100 Führungskräfte aus mittleren bis großen Consulting-Unternehmen befragt hat. Demnach glauben 45 Prozent der Berater, dass sie mit solchen Tools in der Analyse- und Projektumsetzungsphase doppelt so schnell arbeiten. 34 Prozent gehen sogar von einer dreifachen Geschwindigkeit aus.

Das betrifft insbesondere zeitraubende Tätigkeiten wie das Erstellen von Markt- und Wettbewerbsanalysen. Den Aufwand dafür – ohne Automatisierung mit Hilfe von Software – bezeichnete in der Umfrage fast jeder zweite Befragte als "sehr hoch". Denn die Daten stammen häufig aus verschiedenen Datenquellen, liegen in unterschiedlichen Datenformaten vor und müssen zum Teil manuell aufbereitet werden. Noch arbeitsintensiver sind die Datenbeschaffung und -eingabe sowie die Bereinigung der Stammdaten, da die Informationen hier vielerorts noch manuell gesucht und ausgewertet werden.  

Fundierter beraten mit Hilfe von Datenanalyse

Data Analytics gilt zudem als wichtige Voraussetzung, um die Kunden in Sachen digitale Transformation umfassend beraten zu können. In der Umfrage äußerten 70 Prozent der Befragten diese Meinung. Und rund 40 Prozent gaben an, dass ihre Kunden den Einsatz von Analytics-Tools in einzelnen Beratungsprojekten sogar explizit fordern.
 
In der Praxis besteht allerdings noch Nachholbedarf: Laut Studie setzen zwar bereits 74 Prozent der Beratungsunternehmen auf die software-gestützte Datenanalyse. Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den eingesetzten Lösungen. So wertet das Gros der Befragten (91 Prozent) standardisierte Kundendaten nach wie vor in Excel aus, obwohl sie gleichzeitig einräumen, dass das Programm schnell an seine Grenzen stößt – etwa wenn es um das Aufzeigen von Zusammenhängen geht. Jeweils 64 Prozent verwenden für bestimmte Aufgaben "Eigenentwicklungen" oder "BI-Standardwerkzeuge". Deren Einsatz ist jedoch in der Regel mit hohem Aufwand für die Datenanbindung und das Customizing verbunden. Flexible Analyse-Tools, die sich schnell und ohne großen Programmieraufwand an die jeweiligen Anforderungen anpassen lassen, nutzen bislang nur 45 Prozent der Befragten.

Flexibel einsetzbar, leicht zu bedienen: Worauf es bei Analytics-Tools ankommt

Zu ihnen zählt die Beratungsfirma h&z, die seit Mai dieses Jahres mit der Self-Service-Analytics-Software Tableau arbeitet. "Tableau bietet den Vorteil, dass unsere Berater keine Vorkenntnisse benötigen, um eine schnelle Datenexploration per Drag&Drop zu fahren. Selbst komplexe Daten – etwa aus SAP-Business-Warehouse- oder CRM-Systemen – lassen sich ohne großen Schulungsaufwand visualisieren", erläutert Ulrich Bombka, Principal bei h&z. Ein weiterer Vorteil seien die zahlreichen Schnittstellen, über die sich Daten aus den verschiedensten Quellen anbinden lassen: "Tableau ermöglicht es, sich adhoc an dezentrale Datenbanken und Dateien anzudocken. Für h&z ist das ein entscheidender Aspekt, da es bei uns besonders auf Schnelligkeit und Flexibilität ankommt."

Zum Einsatz kommt Tableau bei h&z vor allem, "um Daten interaktiv vor Kunden zu präsentieren und aufkommende Fragen direkt beantworten zu können", beschreibt Bombka. Für datenlastige Auswertungen – etwa Produktions- und Absatzdaten entlang der  Supply-Chain – eigne sich die Software perfekt, da sie umfassende Visualisierungsfunktionen biete und auch große Datenmengen effizient und anschaulich darstellen könne: "Mit wenigen Mausklicks lassen sich Drill-Down-Menüs samt Verknüpfungen erstellen und mit Hilfe von Filtern die Auswahl eingrenzen – etwa auf Landesgesellschaften, Geschäftsbereiche, Abteilungen oder bestimmte Zeiträume. Damit ist man nicht mehr an konventionelle Formate wie PDF und Powerpoint gebunden und kann spontan aufkommende Fragen noch während des Meetings beantworten."

Mehr Effizienz schafft mehr Zeit für Interpretation und Beratung

Wie die Studie zeigt, dient die Datenanalyse und -visualisierung für das Gros der Berater (93 Prozent) dazu, mehr Transparenz in Kundenprobleme bringen. Außerdem analysieren Consultants Daten, um bestimmte Entwicklungen zu veranschaulichen (87 Prozent), Arbeitshypothesen zu bestätigen (72 Prozent) oder Ursachen ausfindig zu machen (70 Prozent). Flexible Analyse-Werkzeuge entlasten die Berater, denen dadurch mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten bleibt. Denn nicht nur Junior-Consultants, auch erfahrene Berater sind oft in manuellen Aufgaben "gefangen". Mehr Effizienz durch moderne Tools bedeutet mehr Zeit für Interpretation und Beratung und insgesamt bessere Consulting-Leistung, lautet die Rechnung. Auch die Außenwirkung sei dabei nicht zu unterschätzen, meint Jonas Lünendonk, Geschäftsführer der Lünendonk & Hossenfelder GmbH, Mindelheim: "Ein Consulting-Unternehmen, das schnell mal eine Adhoc-Analyse fahren kann, ohne dafür zwei Wochen lang einen Berater abstellen zu müssen, kann sich natürlich als innovativer Dienstleister im Markt positionieren."

Technik-affine Berater sind gefragt

Voraussetzung, um die Möglichkeiten der modernen Datenanalyse voll ausschöpfen zu können, ist allerdings, dass sich die Beratungshäuser die entsprechenden technischen Skills aneignen: "Die Beratung ist zwar ein People-Business. Neben Wissen und persönlicher Erfahrung sind heute aber auch Technologie-Skills gefragt – etwa damit die Berater die Analytics-Software auswählen und sich um damit verbundene Sicherheitsaspekte kümmern können", gibt Lünendonk zu bedenken. h&z-Analytics-Experte Bombka sieht ebenfalls einen steigenden Bedarf an technischem Know-how: "Es muss jemanden geben, der in der Lage ist, die Daten vor der Auswertung aufzubereiten." Auch für tiefergehende Analysen seien Kenntnisse in Datenstrukturen, Statistik und Datenbereinigung vonnöten. "Und solches Wissen ist zurzeit im Markt eher rar gesät."

Die Beraterzunft verändert sich im Zuge der Digitalisierung rasant. Im Research und in der Datenanalyse ersetzt moderne Analytics-Software bereits einen Großteil der manuellen Beraterleistungen. Die Analysen werden dadurch schneller, effizienter und treffgenauer, auch die Integration wiederkehrender Fragestellungen in standardisierte Handlungskonzepte und Methoden senkt den manuellen Aufwand. Beratungen, die auf moderne und flexible Data-Analytics-Werkzeuge setzen, werden daher von deutlichen Produktivitätsschüben profitieren. Vor dem Hintergrund, dass die Auslastungsquote der Management-Beratungen bereits so hoch ist, dass in vielen Fällen Kundenanfragen beziehungsweise Projekte verschoben oder abgelehnt werden müssen, lässt sich durch kürzere Projektlaufzeiten die Anzahl der Projekte erhöhen – und somit auch der Geschäftserfolg.

Die Studie "Consulting 4.0 – Bessere Beratung durch effizientere Datenanalysen" steht auch kostenfrei als interaktives Dashboard zur Verfügung.

Veröffentlicht am: 02.03.2017

 

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