MiFID II: Umsetzung verläuft schleppend

Banken

Hamburg - Deutsche Banken treten bei der Umsetzung der MiFID II-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive) auf der Stelle. Zwei von drei Instituten stehen noch nicht mal in den Startlöchern, um die Anforderungen bis 2017 umzusetzen. Aktuell liegt die "MiFID II Readiness" der Institute bei gerade einmal sieben statt der angepeilten 30 Prozent. Einer der Gründe für die Verzögerungen ist die Aufsicht - sie gab Änderungen an den Richtlinien bekannt. Diese werden für die Umsetzung reservierte Kapazitäten binden. Das zeigt die zweite Auflage der Bankenstudie "MiFID II Readiness Index" von PPI.

Zuletzt hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) Konsultationen im Umfang von mehr als 2.000 Seiten veröffentlicht. Zudem hat der deutsche Gesetzgeber mit eigenen Initiativen wie dem Honorarberatungsgesetz den MiFID II-Regeln vorgegriffen. Viele Banken sind laut Studie gezwungen, die regulatorischen Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell immer wieder neu zu prüfen. Die Branche befindet sich derzeit in einer Phase ständiger Unsicherheit. Die Institute können sich nur bedingt auf die technische Umsetzungsempfehlung der ESMA verlassen, da die Europäische Kommission diese bis Ende 2015 anpassen lassen kann. Alleingänge auf nationaler Ebene bremsen der Studie zufolge eine koordinierte Umsetzung bei international ausgerichteten Banken zusätzlich aus.

Der Markt gerät jedoch langsam in Bewegung, da vor allem neue Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten für erheblichen Mehraufwand im Bankenvertrieb sorgen werden. Zwei von drei Instituten befürchten laut Studie hohe oder sehr hohe Folgekosten durch die neuen Anforderungen bei Beratungs- und Telefonprotokollen. Zum Vergleich: Vor einem halben Jahr lag dieser Wert noch zehn Prozentpunkte niedriger. Das Urteil über die Einführung von neuen Produkten und Finanzinstrumenten fällt ähnlich aus. 54 Prozent rechnen der Studie zufolge in diesem Bereich mit einem höheren finanziellen Aufwand durch die künftig zu berücksichtigenden Auflagen. Der Marktdruck nimmt überproportional zu, so die Studie, da sich die MiFID II-Regeln auch auf gerade erst entwickelte Vertriebsstrategien der Banken auswirken. Neue Herausforderung an die IT stellen digitale Angebote wie Online-Anlageverwaltung und -Beratung stellen neue Herausforderungen dar, da alle Prozesse durchgängig dokumentiert und Geschäftsabschlüsse für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren sicher aufbewahrt werden müssen.

Deutschland hat Anforderungen der MiFID II übererfüllt

Insgesamt rechnet die Studie damit, dass sich das Produktportfolio deutscher Banken stark vereinfachen wird. Insbesondere der deutsche Gesetzgeber hat viele der mit MiFID II geplanten Anforderungen sogar übererfüllt. Beispielsweise dürfen Honorarberater laut Studie grundsätzlich keine Zuwendungen mehr für den Verkauf bestimmter Produkte annehmen. MiFID II hingegen sieht vor, Vergünstigungen in diesem Bereich an die Kunden weiterzugeben. Aus dem Transparenzgebot ist ein Verbot geworden. Dies bedeutet für Anleger möglicherweise spürbare Einschränkungen im Angebot auch bei an sich sinnvollen Finanzprodukten. Die Trennung der Deutschen Bank von der Postbank ist wohl das eindringlichste Zeichen dafür, dass sich der Markt wandelt, so die Studie. MiFID II stellt die Banken wie bislang noch keine andere Regulierung vor die Frage, welches Geschäft noch weiter betrieben werden soll, und welches nicht.

Vor diesem Hintergrund beginnt in vielen Banken die Suche nach neuen Geschäftsfeldern und Wettbewerbsvorteilen im Zuge der Umsetzung von MiFID II. Fast jedes fünfte Institut ist laut Studie inzwischen davon überzeugt, dass sich solche Chancen bieten. Besonders positiv gestimmt zeigen sich Privat- und Geschäftsbanken. Mit 35 Prozent liegt diese Institutsgruppe mit ihrer Einschätzung deutlich vor Genossenschaftsbanken (14 Prozent) und Sparkassen (11 Prozent).

Zur Studie: Die Studie "MiFID II-Readiness - Stand der MiFID II-Umstellung in Banken" der PPI AG beschreibt den Status quo der Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie MiFID II und zeigt strategische Handlungsoptionen auf. Im September 2014 und Februar 2015 wurden MiFID-II-Verantwortliche aus 50 Kreditinstituten befragt.

nwi

Veröffentlicht am: 15.06.2015

 

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