Nachhaltige Unternehmen werden auch für Investoren immer interessanter

Nachhaltigkeit für Unternehmen

Nachhaltigkeit ist nicht nur eins der präsentesten Themen unserer Gesellschafft zurzeit, sie ist auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant. Was das Thema Nachhaltigkeit alles umfasst und warum es sich lohen kann dahingehend zu investieren, können Sie hier lesen.

Nachhaltigkeit ist für Unternehmen nicht mehr nur eine Imagefrage – auch finanzielle Aspekte spielen mehr und mehr eine Rolle. (Bild: Karsten Würth, Unsplash.com)

Die Bewegung rund um Fridays for Future hat auf ein Problem aufmerksam gemacht, welches Jahrzehnte keine besonders große Rolle spielte – Nachhaltigkeit. Inzwischen setzen auch Investoren in wachsendem Umfang auf Nachhaltigkeit. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Aspekte. Oft wird Nachhaltigkeit nur mit Umweltschutz gleichgesetzt. In der Praxis geht es aber um sehr viel mehr – vom Klima bis zu sozialer Verantwortung. Gerade weil Investoren sich mittlerweile immer genauer mit der Materie auseinandersetzen, sollten auch Unternehmen Nachhaltigkeit in ihren Firmen leben.

Institutionelle Anleger setzen vermehrt auf Nachhaltigkeit

Grüner Strom, Recycling und E-Mobilität – Nachhaltigkeit hat inzwischen sehr viele Gesichter. Und gewinnt auch im Bereich der Geldanlagen zunehmend an Bedeutung. Eine wachsende Zahl privater Anleger setzt auf Aktien und Fonds, die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rücken. An dieser Stelle geht es um mehrere Aspekte. Nachhaltigkeit ist nicht abschließend definiert. Es geht nicht ausschließlich um Klima- oder Umweltschutz. Der Begriff erfasst eine ganz Reihe weiterer Punkte.

  • Energiesparen: Fossile Energieträger produzieren bei der Verbrennung klimaschädliche Emissionen. Gleichzeitig sind deren Förderung, Transport und die Raffinierung mit einem hohen Energieaufwand sowie Eingriffen in die Natur verbunden. Zusätzlich belasten Havarien die Bilanz der fossilen Energieträger. Nachwachsende Rohstoffe stehen hier besser da.
  • Soziale Verantwortung: Umweltschutz ist ein Aspekt der Nachhaltigkeit. Gerade in Schwellenländer und Ländern der dritten Welt hinterlässt die extensive Nutzung von Ressourcen Spuren. Nachhaltigkeit bedeutet auch, sich der sozialen Verantwortung bewusst zu sein. Dies spiegelt sich darin, Projekte für faire Löhne oder Bildung zu unterstützen.
  • Ressourcen schonen: Die Suche nach Steinen und Erden-Rohstoffen oder metallurgischen Ressourcen greift grundlegend in Ökosysteme ein. Gerade im Tagebau abgebaute Energierohstoffe oder Metalle hinterlassen Mondlandschaften. Hierfür reicht der Blick vor die Haustür – in Richtung der Lausitzer Braunkohle-Reviere. Wie weit Bergbaubetriebe für Erze gehen, zeigt Chuquicamata. Mit mehr als 1 Kilometer Tiefe der größte Tagebau der Welt.
  • Rüstung: Sich für Nachhaltigkeit einsetzen bedeutet auf, Rüstung abzulehnen. In den letzten Jahren sind die Exportzahlen in diesem Bereich deutlich gestiegen. Russland und die USA – aber auch Deutschland – exportieren Waffen. Die Bundesrepublik hat laut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) einen Anteil von 5,5 Prozent an den internationale Ausfuhren im Rüstungsbereich.

Alle genannten Punkte stehen einem nachhaltigen Investment entgegen. Während es für Privat- und institutionelle Anleger bei Direktanlagen in Aktien mit überschaubarem Aufwand möglich ist, ein Portfolio zu entwickeln, sind Fonds schwieriger zu bewerten.

Investiert ein Dachfonds beispielsweise in Mischfonds, lässt sich nur mit sehr viel Aufwand herausfinden, ob beispielsweise Rüstungskonzerne in irgendeiner Weise im Portfolio stecken. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass besonders große Mischkonzerne mitunter Tochtergesellschaften beinhalten, welche in der Rüstungsproduktion eine Rolle spielen.

Aber: In den letzten Jahren hat der Anteil "grüner" Fonds und ETFs deutlich zugenommen. Immer mehr bekannte Aktienindizes werden auch in einer SRI-Variante (Socially Responsible Investing) veröffentlicht und von nachhaltigen ETFs nachgebildet. Nachhaltigkeit ist schon lange bei institutionellen Anlegern angekommen. Damit lässt sich ein Portfolio aufbauen, welches mit genau diesem Anspruch überschrieben ist. Letztlich kommt dieser Trend auch Klein- und Privatanlegern zugute. Je mehr "Big Player" auf Nachhaltigkeit setzen, umso attraktiver werden solche Finanzprodukte für eine ganze Branche.

Nachhaltigkeit lohnt sich zunehmend auch finanziell

Fonds und ETFs, welche sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben, gewinnen gegenüber Investoren an Profil. Ein Trend, der sich direkt auch auf Unternehmen übertragen lässt. Inzwischen ist Nachhaltigkeit auch finanziell relevant geworden. Eine Aussage, die sich in unterschiedlichen Aspekten widerspiegelt. Auf der einen Seite werden:

  • Nachhaltigkeit
  • soziales Engagement
  • Ressourcenbewusstsein

immer stärker zu einer positiven Wahrnehmung bestimmter Marken. Gegenüber der Konkurrenz lassen sich damit entscheidende Marktanteile gewinnen – was sich auf die Umsatzzahlen auswirkt. Zudem wirkt die Bindung der Verbraucher an eine Marke oder ein Unternehmen ganz anders, wenn ein entsprechendes Bewusstsein nach außen transportiert wird. Aber: Nachhaltigkeit auf die Fahnen zu schreiben und damit Greenwashing zu betreiben, kann sehr schnell nach hinten losgehen. Beispiele – etwa aus der Modebranche oder bei den Autobauern – dafür finden sich im Internet, etwa beim DIM, einige.

Andererseits wirkt sich Nachhaltigkeit für Unternehmen direkt aus. Beispiel Steuererleichterungen: E-Mobilität wird inzwischen durch den Staat – nicht nur in Deutschland – großzügig gefördert. Steuervorteile gibt es auch auf Umwegen. Setzen Unternehmen vermehrt auf regenerative Energieträger und werden zum Stromlieferanten durch eine Fotovoltaik-Anlage, lassen sich Energie- und Verbrauchssteuern reduzieren. In diesem Zusammenhang spielt vor allem die CO2-Abgabe eine wichtige Rolle, die aktuell bei 25 Euro pro Tonne CO2 liegt, in den nächsten Jahren aber noch deutlich steigen soll.

Auf diese Weise sinken in Unternehmen die Betriebskosten. Ein zweiter Aspekt in der Umsetzung von nachhaltigkeitsbezogenen Projekten ist der Finanzierungsaspekt. Wie im Rahmen privater Bauförderung durch die KfW lassen sich solche Projekte von staatlicher Seite fördern. Unternehmen erhalten an dieser Stelle nicht nur leichter eine Förderung. Realisierte Zuschüsse beeinflussen die Kostenseite positiv.

Nachhaltigkeit als ethischer Wirtschaftsansatz

Schneller, höher, weiter – und vor allem immer mehr. Im Verständnis diverser Ökonomen muss die Wirtschaft stetig wachsen. Stagnation gilt als Bedrohung für den Wohlstand und des Erreichten. Dahinter verbirgt sich in gewisser Weise ein Systemfehler. Zumindest, solange das Wachstum vor allem mit einem wachsenden Verbrauch von Ressourcen gekennzeichnet ist. Der Sinn für Nachhaltigkeit muss ein moralischer Leitsatz werden.

Wer heute endliche Ressourcen vollständig ausschöpft, hinterlässt kommenden Generationen ein zweifelhaftes Erbe. Überdeutlich illustriert diesen Ansatz der Overshoot Day. Damit drücken Umweltverbände aus, wann die Ressourcen eines Jahres "verbraucht" sind.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist Nachhaltigkeit nicht nur ein "nettes" Marketing-Feature und ein Ansatz zum Steuern sparen. Nachhaltigkeit muss in zunehmendem Umfang auch ein ethischer Wirtschaftsansatz sein.

die neue CO2-Abgabe sorgt dafür, dass sich Investitionen in Nachhaltigkeit auch finanziell lohnen. (Bild:Christi Goia, Unsplash.com)

Fazit: Mit dem grünen Daumen Geld anlegen

Nachhaltigkeit hat bis in die 1970er Jahre keine besonders große Rolle für viele Deutsche gespielt. Inzwischen sind Themen zum Umweltschutz, Klimawandel oder soziale Verantwortung sehr viel stärker präsent. Selbst im Bereich der Geldanlagen ist dieses Thema angekommen. Nachhaltigkeit wird sowohl für Privatanleger als auch institutionelle Anleger spannend. Je intensiver dieser Bereich innerhalb der Anlageprodukte ausgebaut wird, umso stärker können sich Trader bei Nachhaltigkeit engagieren.

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