Niedrigzins: Deutsche Privatbanken stehen unter Druck

A.T. Kearney European Retail Banking Radar

Seit 2011 gehen die Renditen europäischer Retail Banken zurück. Niedrigzinsen und ein zaghafter wirtschaftlicher Aufschwung hemmen ihre Performance. Deutschlands Ertragskraft liegt aktuell sogar unter dem Durchschnitt, wie eine Studie von A.T. Kearney ergab.

Deutsche Privatkundenbanken müssen ihre Strukturen verbessern. (Bild: JFL Photography - fotolia.com)
Deutsche Privatkundenbanken müssen ihre Strukturen verbessern. (Bild: JFL Photography - fotolia.com)

Die europaweite Abnahme der Margen wurde 2017 nicht ausgeglichen. Trotz steigendem Einlagen- und Kreditvolumen haben die Banken ihre Fortschritte aus dem vergangenen Jahr verwirkt. Bezüglich Profitabilität bildet Deutschland gemeinsam mit Österreich sogar das Schlusslicht im Ranking. Nur wenige deutsche Privatkundenbanken sollen ihre Strukturen bislang optimiert haben, so Mischa Koller, Manager für Financial Services bei A.T. Kearney.

Mit 30 Prozent seien etwa britische Institute beim Abbau ihrer Filialen effektiver als deutsche (14 Prozent). Somit verbuchen deutsche Retail Banken die schlechteste Kosteneffizienz europaweit. Der durchschnittliche jährliche Ertrag pro Kunde sank durch die Niedrigzinsen um drei Prozent. Die Institute konnten ihn nicht kompensieren, das verminderte den Gewinn pro Kunden um 14 Prozent.

Chancen durch Strukturveränderung und Zukäufe

Dennoch konnten deutsche Privatbanken ihre Gewinne beibehalten. Doch Kosteneinsparungen und Bewertungseffekte allein werden nicht mehr ausreichen. Die BAWAG hat dies bereits erkannt und konnte sich aktuell als Best Champion im deutschsprachigen Raum durchsetzen: Sie wurde von Ceberus übernommen und minimierte sowohl ihre Produkte, als auch komplexe Strukturen in ihrem Vertrieb. Dadurch konnte sie sich auf digitale Kanäle konzentrieren und die Motivation ihrer Mitarbeiter steigern. Ihre Kosten sanken in den vergangenen Jahren um 16 Prozent.

Da deutsche Privatkundenbanken nicht mehr auf Zinsen setzen können, werden sie sich verstärkt auf strukturelle Optimierungen konzentrieren müssen. Außerdem könnten Zukäufe aus dem Wirtschaftsumfeld eine Alternative sein. Dadurch könnten die Institute Provisionserlöse steigern und Kosten nachhaltig vermindern, so die Studienautoren.

A.T. Kearney prüft jährlich die Performance europäischer Retail Banken. Für die aktuelle Studie wurden fast 100 Privatkundenbanken und Bankengruppen in 22 europäischen Ländern untersucht. Die Kriterien umfassten Ertrag pro Kunde und Mitarbeiter, Gewinn pro Kunde, Cost-Income-Ratio und Kreditrisikovorsorgequote.

mms

Veröffentlicht am: 24.07.2017

 

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