Noch einige Punkte offen

Umfrage von HgGUR und Roland Berger zu Insolvenzrecht

12.03.2018

Fünf Jahre nach seinem Inkrafttreten bewertet die Mehrheit der Marktteilnehmer (93 Prozent) das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) insgesamt positiv.

Insolvenzrecht: Steiniger Weg im Dschungel der Gesetze (Bild: geralt - pixabay.com)

Insolvenzrecht: Steiniger Weg im Dschungel der Gesetze (Bild: geralt - pixabay.com)


Trotzdem spalten sich die Meinungen darüber, ob alle damit verbundenen Ziele erreicht wurden, so die neue "ESUG-Studie" von der Heidelberger gemeinnützigen Gesellschaft für Unternehmensrestrukturierung (HgGUR) und Roland Berger. Befragt wurden rund 2.300 Manager sowie Sanierungs- und Insolvenzexperten.

"ESUG wird insgesamt gut angenommen und ist bei der Sanierung von Unternehmen mittlerweile Normalität geworden", sagt Christopher Seagon, Partner von Wellensiek und geschäftsführender Gesellschafter der HgGUR. So haben sich im Einführungsjahr 2012 nur 53 Prozent der Befragten mit ESUG-relevanten Fällen befasst; 2017 waren es bereits 94 Prozent. Die Mehrheit der Befragten hat Erfahrungen mit einer vorläufigen Eigenverwaltung (94%), mit vorläufigen Gläubigerausschüssen (90%) oder mit Schutzschirmverfahren (88%) gemacht. Mit Insolvenzprozessen, die auch Eingriffe in die Gesellschafterstruktur ermöglichen – etwa durch Debt Equity Swaps – haben dagegen bisher nur rund 44 Prozent der Befragten Erfahrung gemacht. 

Obwohl sich die Erwartungen der Sanierungsexperten an ESUG größtenteils erfüllt haben, sind noch einige Punkte offen. Dazu gehört zum Beispiel die Stärkung der Gläubigerrechte: Für 47 Prozent der Befragten wurde dieses wichtige Ziel bisher nicht erfüllt. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer bemängelt außerdem, dass ein Mentalitätswechsel noch nicht stattgefunden hat. "Deutschland braucht eine neue Insolvenzkultur", sagt Jörg Eschmann, Partner von Roland Berger. "Sie hat sich mit dem ESUG zwar verbessert, dennoch wird das Insolvenzverfahren immer noch nicht durchgängig gezielt als Sanierungsstadium genutzt, trotz der positiven gesetzlichen Anreize." 

Bei aller Kritik ist aber die Mehrheit der Umfrageteilnehmer mit ESUG zufrieden: Nur 17 Prozent sind der Meinung, dass das außergerichtliche Insolvenzverfahren bald reformiert werden sollte. Negativ aufgefasst wurde dagegen die Entscheidung des Bundesfinanzhofs, den Erlass zur Besteuerung von Sanierungsgewinnen aufzuheben. Drei Viertel der Befragten sehen hierdurch eine existenzielle Bedrohung für Unternehmen in Sanierungsfällen. 

 

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