Outsourcing in der Pharmaindustrie: Ein Drittel der Produktion voraussichtlich bis 2020 aus Europa ausgelagert

Studie: Pharma Management Radar

Mannheim/Köln - Trotz einer positiven Beurteilung des Geschäftsklimas in der globalen Pharmabranche und einer steigenden Zahl von Produkten in der Pipeline senken die globalen Pharmaunternehmen weiter ihre operativen Kosten. Die Auslagerung an externe Auftragshersteller - so genannte Contract Manufacturing Organizations (CMOs) - wird dabei immer beliebter. Die Hauptargumente für solche Zulieferer liegen aus Sicht der Unternehmen ganz überwiegend in der Kostensenkung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Pharma Management Radar-Studie von CAMELOT.

Alle befragten Führungskräfte der Studie gehen davon aus, dass die Zahl der ausgelagerten Aktivitäten 2020 deutlich höher sein wird als heute. Ganz besonders gilt das für die forschenden Pharmafirmen, die in allen Bereichen deutlich mehr Tätigkeiten auslagern wollen. Nahezu ein Drittel aller Befragten plant, bis 2020 mehr als die Hälfte des Absatzvolumens ihres Unternehmens von CMOs außerhalb Europas zu beziehen. Fast drei Viertel der Unternehmen haben ihre Outsourcing-Entscheidungen institutionalisiert und standardisiert. Allerdings sehen sie Outsourcing nicht als Wundermittel für alle Produkte und Lebenszyklusphasen an, genauso wie es auch nicht generell alle Unternehmensbereiche entlastet: Während Outsourcing den Arbeitsaufwand für Produktion und Logistik klar senkt, steigt die Belastung in vielen Verwaltungsbereichen wie Planung, Rechtsabteilung oder Beschaffung.

Die Auslagerung an Contract Manufacturing Organizations (CMOs) hat überwiegend das Ziel, Kosten im operativen Geschäft zu senken, Lieferengpässe zu vermeiden sowie den Unternehmen Zugang zu fremden Technologien oder Produkten zu ermöglichen ohne Investitionen in eigene Anlagen, so CAMELOT. Der Outsourcing-Trend gelte nicht nur für das globale Geschäft der Unternehmen, sondern ganz speziell auch für ihre Aktivitäten in Europa: In fünf von sieben Aktivitätsfeldern erwarten Führungskräfte, dass der Anteil ihrer europäischen Aktivitäten (F&E, Produktion, Rezeptur, Verpackung, Kalkulation, Planung und Marketing von API), die von Vertragsherstellern (CMOs) bezogen werden, in fünf Jahren deutlich höher sein wird als heute. Lediglich Pricing und Marketing stellen eine Ausnahme von dieser Regel dar. Die wichtigsten Kriterien für CMO-Partner sind in den Augen der Pharmaunternehmen die Kosten und die Qualität - dicht gefolgt von der Lieferzuverlässigkeit, so CAMELOT.

Bei der Frage, wie und von wem Outsourcing-Entscheidungen getroffen werden, lässt sich laut Studie eine Professionalisierung erkennen: Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen haben inzwischen einen institutionalisierten und standardisierten Prozess für Make-or-Buy-Entscheidungen etabliert. Da noch nicht alle Unternehmen über eine eigene hauptverantwortliche CMO-Abteilung verfügen, sei die Auswahl oft ein multifunktionaler, abteilungsübergreifender Prozess. Was die für externe Auftragsfertigung geeigneten Produktarten angeht, lassen sich die Umfrageergebnisse auf die Faustformel bringen: Je "fester" ein Produkt, desto eher lässt sich seine Produktion auslagern. Pillen, Pulver und Granulate sind relativ einfach herzustellen - und damit auszulagern, biologische Arzneimittel oder Impfstoffe dagegen stellen hohe Anforderungen werden seltener von außen eingekauft. Auch neigen die befragten Unternehmen eher dazu, Produkte auszulagern, die in ihrem Lebenszyklus schon weiter fortgeschritten sind und wegen des nahenden Patentablaufs kaum noch hohe Profite versprechen.

Ebenso wie Outsourcing sich nicht gleichermaßen für alle Produkte und Lebenszyklusphasen eignet, bringt es auch nicht allen Unternehmensbereichen Vorteile da in vielen Verwaltungsbereichen wie Planung, Rechtsabteilung oder Beschaffung sogar höherer Arbeitsaufwand entsteht. Bei der Frage nach konkreten Kostenvorteilen durch CMO nennen die Panel-Mitglieder am häufigsten (> 80 %) die Bereiche Lohnkosten und gebundenes Anlagevermögen, während die Kosten in den Bereichen Supplier Management und Beschaffung durch den höheren Koordinierungsbedarf für externen Lieferanten steigen.

Zur Studie: Für die Marktanalyse wurde eine Umfrage mit mehr als 100 Führungskräften aus global tätigen Pharmaunternehmen aus 16 Ländern und vier Kontinenten durchgeführt.

mr

Veröffentlicht am: 29.01.2015

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin