Personalberatungsbranche mit Umsatzrekord

Branchenstudie des BDU

Die deutschen Personalberater blickten am gestrigen 20. Personalberatertag auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Erstmals stieg der Gesamtumsatz auf über 2 Milliarden Euro. Warum die Branche sehr optimistisch bleibt und welche Veränderungen im Beratungsalltag erwartet werden, lesen Sie hier.

BDU-Vizepräsidentin Regina Ruppert heißt zum 20. Personalberatertag auf dem Petersberg willkommen (Bild: BDU)
BDU-Vizepräsidentin Regina Ruppert heißt zum 20. Personalberatertag auf dem Petersberg willkommen (Bild: BDU)


Die deutschen Personalberater waren auch 2017 wieder erfolgreich. Der Gesamtumsatz der Headhunter-Branche legte 2017 um 10,3 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro (2016: 1,99 Mrd. Euro) zu. Rund 68.000 Führungs- und Expertenpositionen bei Unternehmen und Verwaltungen (+ 9,0 Prozent) konnten durch Unterstützung der Recruiting-Spezialisten besetzt werden. Bei rund jeder zehnten besetzen Position wurden neue Mitarbeiter mit digitalem Bezug gesucht.

Auch für 2018 bleiben die Marktteilnehmer mit einem prognostizierten Umsatzplus von 9,0 Prozent sehr zuversichtlich. 70 Prozent der Marktteilnehmer haben für das laufende Jahr eine positive Wachstumsprognose abgegeben.

Dies sind zentrale Ergebnisse der Branchenstudie "Personalberatung in Deutschland 2018", die der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) gestern im Rahmen des Branchenkongresses "Deutscher Personalberatertag" auf dem Petersberg bei Bonn vorgestellt hat. "Unternehmen, aber auch Verwaltungen, suchen in immer enger werdenden Kandidatenmärkten händeringend qualifizierte Mitarbeiter. Immer öfter stoßen unsere Klienten bei der eigenen Personalsuche aber an Grenzen. Die Konsequenz: Wir erhalten vermehrt herausfordernd zu lösende Suchmandate", so BDU-Vizepräsidentin Dr. Regina Ruppert.

Große Nachfrage im Maschinenbau oder der Gesundheitsbranche

2018 soll nach Einschätzung der Personalberater eine besonders hohe Nachfrage der Klienten aus dem Maschinenbau (Prognose 2018: + 10,6 Prozent), den Professional Services, wie zum Beispiel Wirtschaftsprüfungen und Unternehmensberatungen (Prognose 2018: + 10,5 Prozent), sowie aus der Gesundheitsbranche (Prognose 2018: + 10,4 Prozent) kommen. Auch traditionell starke Klientenzielgruppen wie die Konsumgüterindustrie (Prognose 2018: + 9,7 Prozent) oder die Chemiebranche (Prognose 2018: + 8,8 Prozent) werden laut der Studienergebnisse ihre Recruitinganstrengungen im laufenden Jahr hoch halten.

Trotz Digitalisierung: Einfühlen in die Unternehmenskultur bleibt wichtig

Die Möglichkeiten der digitalisierten Welt haben zunehmend Einfluss auf die Arbeit von Personalberatern. Für 88 Prozent der Marktteilnehmer sind Prozessautomation, Analyse-Tools sowie die Nutzung von Social-Media-Kanälen aus den Recruiting-Prozessen nicht mehr wegzudenken. Von der Nutzung immer intelligenterer IT-Systeme profitieren sowohl Kandidaten als auch Klienten. Relevante Informationen können besser erfasst, sortiert, dokumentiert und verwaltet werden. Extern angebotene Datenbanken sowie Online-Stellenportale bleiben wichtige Recherchetools, sagen weiterhin 83 Prozent der Recruitingspezialisten.

Dirk W. Eilert erklärt in seinem Vortrag sehr anschaulich, was Mimik über unsere Gefühle verrät
Personalberatertag auf dem Petersberg: Dirk W. Eilert erklärt in seinem Vortrag sehr anschaulich, was Mimik über unsere Gefühle verrät


Bei allen digitalen Veränderungen behalten analoge Erfolgsfaktoren ihre Bedeutung. Ein hohes Einfühlungsvermögen in die Unternehmenskultur der Klienten bewerten 97 Prozent der Personalberater im Hinblick auf eine erfolgreiche Stellenbesetzung als sehr wichtig. Wolfram Tröger, Vorsitzender des Fachverbandes Personalberatung im BDU: "Wir Personalberater müssen das Beste aus beiden Welten zusammenführen, um unsere Klienten bestmöglich im Recruiting unterstützen zu können. Denn: Algorithmen alleine garantieren kein perfektes Matching von Kandidat und Unternehmen. Unsere Praxis-Erfahrungen zeigen vielmehr: Menschen wollen auch von Menschen angesprochen, informiert und überzeugt werden."

Zwar greifen Unternehmen immer öfter auch auf das sogenannte active sourcing zurück, machen sich also selbst auf Kandidatensuche, doch die Neutralität der Personalberater, die über vor und Nachteile einer Position beraten können, seien ein wichtiger Vorteil beim Recruiting, so Regina Ruppert im Pressegespräch.

Beratung verändert sich

Beiräte und Aufsichtsräte wurden 2017 verstärkt gesucht. Dieses Geschäftsfeld der Personalberater verzeichnete ein Nachfrageplus von 15,3 Prozent. Neben der klassischen Personalsuche bieten die Headhunter auch ergänzende Dienstleistungen an, hier vergaben die Klienten 2017 zum Beispiel vermehrt Aufträge in der Managementdiagnostik (+ 14,1 Prozent) aber auch im Executive Coaching. Einen Trend, den der BDU sieht, ist daher auch ein neuer Beratungsansatz, der mehr auf Beratung-Qualität setzt als auf die reine Vermittlung.

Über 200 Teilnehmer sind zum Branchenkongress gekommen. Die Stimmung ist optimistisch, im letzten Jahr wurde ein Rekordumsatz erzielt.
Über 200 Teilnehmer sind zum Branchenkongress gekommen. Die Stimmung ist optimistisch, im letzten Jahr wurde ein Rekordumsatz erzielt.


Der Frauenanteil steigt

Das durchschnittliche Kandidateneinkommen aller Positionen, die mit Unterstützung durch Personalberater besetzt werden konnten, lag 2017 bei 155.000 Euro. Bei rund der Hälfte der Such- und Auswahlprojekte standen Kandidaten mit einem Zieleinkommen zwischen 100.000 und 250.000 Euro im Fokus. Der Anteil von weiblichen Kandidaten, die von den Recruiting-Spezialisten in Führungspositionen platziert werden konnten, ist seit 2014 von 21 Prozent auf jetzt 26 Prozent gestiegen.
Bis zum Abschluss des Projektes dauerte die Personalsuche durchschnittlich 12,5 Wochen, das ist mehr Zeit als in früheren Umfragen. Der BDU führt das unter anderen darauf zurück, dass z.B. bei der Besetzung von neuen Stellen im Digitalbereich mehr Personen an der Entscheidungsfindung beteiligt sind.

Über die Studie:
An der BDU-Branchenstudie „Personalberatung in Deutschland 2018“ haben sich von Februar bis April 2018 rund 250 Personalberatungen aus dem Gesamtmarkt beteiligt.

 

 

Veröffentlicht am: 14.06.2018

 

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