Reallöhne in Deutschland steigen weiter

Korn Ferry Hay Group legt Analyse vor

Die Löhne und Gehälter in Deutschland befinden sich weiterhin in einem Aufwärtstrend. Laut einer Analyse der Korn Ferry Hay Group sind die Vergütungen im Jahr 2016 um 2,5 Prozent gestiegen. Abzüglich der Inflation verbleiben somit 2,2 Prozent mehr Geld im Portemonnaie.


Über die größten Lohnsteigerungen durften sich mit einem Plus von jeweils 2,8 Prozent demnach die Angestellten in den Branchen Automobil, Chemie sowie Pharma und Gesundheit freuen, die niedrigsten wurden mit 2,3 Prozent in der Energieindustrie erzielt. Für das kommende Jahr fallen die Prognosen der Korn Ferry Hay Group hingegen pessimistischer aus. Aufgrund einer steigenden Inflationsprognose der Europäischen Kommission, die für die Bundesrepublik für 2017 eine Inflation von 1,5 Prozent voraussagt, geht das Beratungsunternehmen für das nächste Jahr von einer realen Lohnerhöhung von nur noch etwa 1,0 Prozent aus.

Gehaltswachstum lässt bereits nach

Auch in diesem Jahr hatte das Gehaltswachstum im Vergleich zum Vorjahr bereits ein wenig nachgelassen. So steigerten sich die Löhne und Gehälter 2016 um 0,2 Prozent weniger als noch im Jahr 2015. Diese Entwicklung war insbesondere in der Industrie und im Maschinenbau (0,6 Prozent geringere Steigerung) sowie in der Automobilbranche (0,4 Prozent geringere Steigerung) zu spüren, wo Gehaltsanpassungen deutlich restriktiver ausfielen als im Vorjahr – eine Tendenz, die sich fortsetzen könnte. "Seit 2012 wächst die deutsche Wirtschaft nicht mehr signifikant und verbleibt dauerhaft unter zwei Prozent. Die verhaltenen Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute auch für das nächste Jahr lassen Unternehmen leicht auf die Gehaltsbremse treten", erklärt Thomas Gruhle von der Korn Ferry Hay Group.

Dennoch können deutsche Angestellte mit der Lohnentwicklung der letzten Jahre durchaus zufrieden sein. Im internationalen Vergleich westlich orientierter Industrienationen liegt die Bundesrepublik bei den Steigerungen der Reallöhne seit dem Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 mit einem Plus von 5 Prozent auf dem vierten Platz. Nur in Kanada (7,2 Prozent), Australien (5,9 Prozent) und Frankreich (5,2 Prozent) stiegen die Löhne und Gehälter noch stärker. Ein fallendes reales Gehaltsniveau mussten hingegen die Menschen in den USA (- 3,1 Prozent), Japan (- 1,9 Prozent) und Großbritannien (- 0,1 Prozent) hinnehmen.

Führungskräfte erhalten größtes Lohnplus

Wie in vielen anderen Ländern profitieren auch in Deutschland die Führungskräfte am stärksten vom Anstieg der Löhne: Seit 2008 vergrößerte sich das Einkommen von Managern um 6 Prozent. Allerdings sind die Unterschiede im Lohnwachstum nicht so groß wie oftmals vermutet: So steigerte sich auch das Gehalt von Einsteigern und Mitarbeitern mit einfachen Aufgabenfeldern um 4,2 Prozent (zum Vergleich USA: - 14,8 Prozent), Professionals und Spezialisten erhalten 4,7 Prozent mehr (USA: 2,0 Prozent). "Auch wenn die gefühlten Unterschiede zwischen Arm und Reich gerade auch in der öffentlichen Debatte deutlich zunehmen, ist zu konstatieren: Mitarbeitergruppen, die in Deutschland üblicherweise durch Tarifverträge abgedeckt werden, haben in Deutschland merklich vom Wachstum seit der Wirtschafts- und Finanzkrise profitieren können, ihnen geht es heute besser als zuvor. In einem Land wie den USA dagegen finanzieren die unteren Gehaltsklassen das Wirtschaftswachstum bis heute durch massive Einschnitte in ihre Löhne und Gehälter", resümiert Gruhle.

tt

Veröffentlicht am: 19.09.2016

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin