Sofortüberweisung: Segen oder Fluch für den E-Commerce?

E-Commerce

Sofortüberweisungen als Zahlungsmethode werden immer beliebter. Doch welches Unternehmen steckt dahinter und wie funktioniert eine Sofortüberweisung? Unternehmen haben einige Vorteile, das Bezahlsystem in ihren Online-Shop zu implementieren, dennoch sollte auch beachtet werden, wie es um Risiken und Sicherheit des Bezahlsystems bestellt ist und welche Einschränkungen es zu beachten gilt.

Online Shopping - Sofortüberweisung (Bild: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose)

Die Bezahlung per "Sofortüberweisung" ist einfach sowie schnell und hat sich unter den Online-Zahlungsmöglichkeiten von Heute etabliert. (Bild: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose)

Eine Sofortüberweisung ist ein Online-Zahlungssystem der Sofort GmbH zur bargeldlosen Zahlung im Internet und fungiert als eine Art Pseudo-Vorkassensystem. Die GmbH ist, wie beispielsweise PayPal oder Apple Pay, ein privates Unternehmen und obliegt nicht dem Regiment der Banken. Aus den Geschäftsbedingungen der meisten Bankinstitute ging früher hervor, dass die Zugangsdaten privater Konten nicht an externe Dienstleistende übermittelt werden dürfen. Diese Regelung erfolgte aus Sicherheitsgründen. So gesehen war die Nutzung der Sofortüberweisung verboten, dies wurde jedoch mit einer neuen EU-Zahlungsdiensterichtlinie geändert.

Der Bundesgerichtshof hat unter dem Aktenzeichen KZR 39/16 2017 entschieden, dass bei Onlineshops die Sofortüberweisung nicht die einzige kostenlose Bezahlmöglichkeit sein darf, jedoch legalisiert wird. Unabhängig davon, ob Sofortüberweisungen sicher oder unsicher sind, sind die Zahlungsauslösedienste nun gesetzlich anerkannt und unterliegen der Bankenaufsicht.

Wie sich Sofortüberweisung im E-Commerce etabliert

Viele Unternehmen haben bereits seit längerem den wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung erkannt. Immer mehr Menschen kaufen Produkte nicht länger im Laden vor Ort, sondern im Onlineshop der jeweiligen Unternehmen.

Die Zahlung per Sofortüberweisung ist einfach und schnell: Kunden können Waren „sofort“ bestellen, ohne ihre Daten selbst eingeben und sich registrieren zu müssen. Das Bezahlsystem des deutschen Start-ups Sofort GmbH, welches seit 2014 zum schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna gehört, wurde daher auch immer mehr im E-Commerce etabliert. Gerade bestimmte Bereiche im E-Commerce bieten sich für Sofortüberweisung besonders an, sodass in diesen Bereichen besonders viele Unternehmen das System implementiert haben. Das gilt beispielsweise bei Kleidungs-Shops wie Bonprix, Guess oder baur, aber auch Spielzeug-Stores wie myToys bieten die Sofortüberweisung an. Darüber hinaus gehört bei Online Casinos Sofortüberweisung fest dazu – tatsächlich haben sich Online Casinos auf Sofortüberweisung spezialisiert und dies zu einer Art Alleinstellungsmerkmal gemacht.

Dieses Unternehmen steckt hinter Sofortüberweisung

Das Online-Zahlungssystem Sofortüberweisung ist eine bereitgestellte Bezahlmethode der Sofort GmbH. Die Methode dient der bargeldlosen Zahlung per Pseudo-Vorkassensystem im Internet. Gegründet wurde die GmbH in Gauting im Jahr 2005 als PayNet. Später hieß das Unternehmen Payment Network. Seit 2014 ist die Sofort GmbH Teil der schwedischen Klarna-Gruppe und tritt seit 2017 unter dem Namen Sofort auf. Inzwischen ist das Bezahlsystem bereits in 13 EU-Ländern verfügbar. Laut Angaben des Unternehmens bieten heute mehr als die Hälfte aller Internetshops in Deutschland ihren Kunden die Nutzung der Sofortüberweisung an.

So funktioniert Sofortüberweisung

Beim Online-Banking übermitteln Kunden oder Kundinnen die Daten zum Kauf direkt an die jeweilige Bank. Bei der Abwicklung mit Giropay übermittelt der Online-Shop die für den Kauf relevanten Daten an die Bank, welche dann die Daten an die Kunden oder Kundinnen zur Bestätigung zurück übermittelt. So stehen die Kunden oder Kundinnen direkt mit der Bank in Verbindung.

Bei der Sofortüberweisung ist das Verfahren anders. Der Unterschied: Bei der Sofortüberweisung ist eine Plattform zwischengeschaltet, welche die Abstimmung mit der Bank übernimmt. Das heißt, man loggt sich mit seinen Daten nicht bei der Bank, sondern bei der Sofort GmbH ein und legitimiert damit die Transaktion in seinem Namen.

Im Vorgang wird, nach Auswählen der Zahlungsmethode Sofortüberweisung, eine gesonderte Seite des Zahlungsdienstleistenden geöffnet. Dort sind die für den Kauf relevanten Daten bereits erfasst. Zudem werden die Artikel und der Kaufpreis erneut angezeigt. Im Anschluss müssen nur noch die Zugangsdaten fürs Online-Banking angegeben werden. Dabei verifiziert man gegenüber dem oder der Dienstleistenden mit Bank-PIN, Passwort und der Zustimmung der AGBs die Richtigkeit des Kaufs.

Nach diesem Schritt werden die Daten zur Überprüfung an die Bank weitergeleitet. Der weitere Ablauf entspricht dem einer Überweisung per Online-Banking: Man erhält eine TAN-Nummer, mit der die Überweisung bestätigt und freigeben wird.

Zusammengefasst wird bei der Sofortüberweisung die direkte Beziehung zwischen Kunde oder Kundin und der Bank gekappt und der Zahlungsdienstleistende zwischengeschaltet. Dabei tritt der oder die Dienstleistende als eine Art Kunde oder Kundin gegenüber der Bank auf.

Wie kann Sofortüberweisung den E-Commerce bereichern?

Online-Bezahl-Dienste werden immer beliebter, darunter auch die Sofortüberweisung. Wie alle Zahlungsmethoden hat die Sofortüberweisung Vor- und Nachteile. Der größte Vorteil des Direktüberweisungsverfahrens ist die Bequemlichkeit. Waren können so einfacher und schneller bezahlt werden. Mit Sofortüberweisung kann zudem der Kauf in wenigen Schritten abgeschlossen werden. Eine Registrierung, wie bei PayPal, sowie die Hinterlegung von Daten ist, wie oben bereits erwähnt, nicht notwendig.

Darüber hinaus kann die Sofortüberweisung die Bearbeitungsgeschwindigkeit des Online-Shoppings beschleunigen. Der oder die Handelnde erhält somit die Überweisungsbestätigung in Echtzeit. Ein Warten und Prüfen der Zahlung entfällt, theoretisch kann die Bestellung sofort an die Kunden oder Kundinnen gesendet werden. Dieses Verfahren verkürzt den Kaufprozess, weshalb es besonders attraktiv für Kaufende und Handelnde ist. Zudem bieten einige Internethandelnde einen zusätzlichen Käuferschutz an.

Während des Bezahlvorgangs wird die Liquidität des Händlers oder der Händlerin geprüft, dabei muss dieser oder diese die Gebühren für die Nutzung des Bezahldienstes übernehmen. Je nach gewähltem Tarifmodell wird monatlich eine Grundgebühr verrechnet, welche sich aus einer Transaktionsprovision ab 0,9 Prozent des Umsatzes und einer festen Gebühr für jede erfolgreiche Transaktion zusammensetzt. Im Vergleich zu der hochangesehenen E-Commerce-Marke PayPal, bei der die Gebühr zunächst bei 2,49 Prozent der empfangenen Summe plus 0,35 Euro pro Transaktion liegt, ist dies für Verkaufende eine ansprechende Provision an den oder die Dienstleistende.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Nutzende durch die Zusammenarbeit zwischen Klarna und der Sofort GmbH ohne großen Aufwand auf Angebote von Klarna, wie den Rechnungskauf oder die Ratenzahlung, flexibel zugreifen können. Zudem prüft die Sofort GmbH schon im Zahlungsprozess die Zahlungsfähigkeit der Kundschaft . Somit wird bei unzureichender Deckung des Käuferkontos die Transaktion des Kaufs abgebrochen.

Zusammengefasst kann die Implementierung des Bezahlsystems der Sofort GmbH Unternehmen bereichern, da das System eine kostengünstigere und schnellere Alternative bietet. Zudem kann das System mit wenig Zeitaufwand einprogrammiert und der Kundschaft, durch die Regulierung mit Bafin, ein Käuferschutz geboten werden.

Diese Schwachstellen sollten Unternehmen kennen

Trotz der vielen Vorteile warnen Kritiker und Kritikerinnen vor dem umfangreichen Datenzugriff der modernen Zahlungsmethode:

  • Während des Vorgangs werden Informationen über das Girokonto des Kunden oder der Kundin eingeholt.
  • Die GmbH prüft den Stand des Girokontos.
  • Der Verfügungsrahmen, beziehungsweise Dispo, werden eingesehen.
  • Der Dienst recherchiert, ob weitere Online-Käufe getätigt wurden.
  • Das System darf nicht als einziges angeboten werden, da das Geschäftsmodell als nicht zumutbar beurteilt wurde.
  • Von Banken wird der Dienst aus Datenschutzgründen manchmal nicht unterstützt und blockiert.

Sofortüberweisung oder Echtzeitüberweisung: Zwei separate Konzepte

Zum Schluss ist es noch zu erwähnen, dass sich das „Sofort“ im Firmennamen auf die unmittelbare Überweisung bezieht. Dabei wird die Summe beim Online-Einkauf „sofort“ eingelöst. Ein Zusammenhang zu Echtzeitüberweisungen besteht dabei nicht.

Im Gegensatz zur Funktion der Echtzeitüberweisung erhält der oder die Handelnde bei einer Sofortüberweisung den Geldbetrag direkt, ohne dass dabei das Bezahlverfahren an die Bank weitergeleitet wird. Dies bedeutet, dass man bei der Echtzeitüberweisung, anders als bei der Sofortüberweisung, an die vorgegebene Bank gebunden ist. Sollte diese im Online-Shop nicht zur Verfügung stehen, kann die Echtzeitüberweisung nicht erfolgen.

Der Newsletter der Consultingbranche

News +++ Jobs +++ Whitepaper +++ Webinare

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin