Starker Jahresauftakt für DAX-Konzerne

Analyse von EY

Die DAX-Konzerne sind erfolgreich ins neue Jahr gestartet: Bis auf die beiden Energieversorger konnten alle ihren Umsatz steigern – insgesamt schafften sie ein Umsatzplus von neun Prozent auf knapp 346 Milliarden Euro – ein neuer Rekordwert.

Die DAX-Konzerne sind erfolgreich ins neue Jahr gestartet (Bild: Kurt Kleemann - fotolia.com)
Die DAX-Konzerne sind erfolgreich ins neue Jahr gestartet (Bild: Kurt Kleemann - fotolia.com)

Der operative Gewinn (EBIT) stieg sogar um elf Prozent auf 37,4 Milliarden Euro, was ebenfalls einem neuen Höchststand entspricht. Zwei Drittel der Unternehmen verzeichneten steigende Gewinne – die höchsten Gewinne fuhren im ersten Quartal zwei Autohersteller ein: Volkswagen erwirtschaftete ein EBIT von 4,4 Milliarden Euro, bei Daimler waren es 4,0 Milliarden Euro. Beim Umsatzwachstum hatte im ersten Quartal HeidelbergCement die Nase vorn: Vor allem aufgrund der Übernahme von Italcementi wuchs der Baukonzern um 34 Prozent. Fresenius, adidas und BASF legten jeweils um 19 Prozent zu. Die Zahl der Mitarbeiter der DAX-Konzerne stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 3,7 Millionen – im Verlauf des vergangenen Jahres haben die DAX-Konzerne damit mehr als 100.000 neue Stellen geschaffen. Allerdings meldeten immerhin neun Unternehmen eine rückläufige Beschäftigung.

Das sind Ergebnisse einer EY-Analyse auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

Die DAX-Konzerne seien überwiegend gut in Form, fasst Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, zusammen: "Der Start ins Jahr ist überraschend gut geglückt. Trotz der unsicheren politischen Großwetterlage konnten sich die deutschen Top-Konzerne im operativen Geschäft fast durchweg verbessern. Für den weiteren Jahresverlauf haben die meisten Unternehmen zudem positive Prognosen gegeben – 2017 verspricht ein gutes Jahr zu werden."

Asien-Umsätze steigen am stärksten

Am besten entwickelte sich im ersten Quartal das Asiengeschäft, das um 15 Prozent wuchs. In den USA wurde ein Umsatzwachstum von immerhin zehn Prozent erzielt – wobei sich allerdings in beiden Regionen Währungseffekte positiv auswirkten: Von dem Umsatzplus von insgesamt 27 Milliarden Euro im ersten Quartal sind nach EY-Berechnung etwa fünf Milliarden auf den gesunkenen Eurokurs zurückzuführen, der im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung wachsen lässt – wovon vor allem stark internationalisierte Unternehmen profitieren, die erhebliche Umsätze außerhalb des Euroraums erwirtschaften.

Zwar liefen auch auf dem Heimatkontinent die Geschäfte gut: Die in Europa erwirtschafteten Umsätze stiegen mit neun Prozent allerdings nicht ganz so deutlich wie in Asien und Nordamerika. Der Anteil Europas am Gesamtumsatz ging entsprechend leicht zurück – von 51,5 auf 50,6 Prozent.

"Die europäische Wirtschaft kommt wieder in Schwung", betont Meyer. "Die Schuldenkrise ist zwar noch längst nicht ausgestanden und steigende Zinsen könnten die hohe Staatsverschuldung wieder zu einem erheblichen Problem werden lassen. Derzeit aber sorgen die sinkende Arbeitslosigkeit, das steigende Konsumentenvertrauen und die wiedererwachte Investitionsbereitschaft der Unternehmen für volle Auftragsbücher und steigende Umsätze."

Als erhebliches Risiko wertet Meyer den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union: "Das Brexit-Votum hatte zunächst nicht die erwarteten negativen Auswirkungen auf die Konjunktur in Großbritannien und auf dem Kontinent. Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass sich die Verhandlungen sehr schwierig und kontrovers gestalten werden und es zu erheblichen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU kommt. Gerade deutsche Unternehmen sind massiv in Großbritannien engagiert – für sie steht viel auf dem Spiel."

Gute Zeiten für den Umbau nutzen

Die aktuell gute Gewinnentwicklung könnte sich für Deutschlands Top-Konzerne als Segen erweisen, so Meyer: "Viele Branchen befinden sich im Umbruch – die Digitalisierung stellt ganze Geschäftsmodelle auf den Kopf, das Kundenverhalten verändert sich rasant, zudem müssen die Unternehmen auf Änderungen der regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen reagieren. Obendrein stehen Branchen wie die Automobilindustrie vor massiven technologischen Umwälzungen. Wer aus diesen Veränderungen morgen als Gewinner hervorgehen will, muss heute kräftig investieren: In die Digitalisierung und Verschlankung der eigenen Prozesse, aber auch in neue Produkte und Dienstleistungen."

Kassen sind weiter gut gefüllt – Investitionen steigen

In den Kassen der Dax-Konzerne lagen zum Ende des ersten Quartals knapp 100 Milliarden Euro, was einem leichten Rückgang der liquiden Mittel um 0,5 Prozent entspricht. Der operative Cash Flow stieg um gut ein Viertel auf 22,5 Milliarden Euro. Und auch bei den Investitionen ging es aufwärts: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um sechs Prozent auf 10,9 Milliarden Euro.

Vor dem Hintergrund des guten Finanzpolsters und des großen Veränderungsdrucks sei weiter mit kräftigen Umbauarbeiten zu rechnen, so Meyer: "Die DAX-Konzerne sind in Bewegung. Sie verkaufen Randaktivitäten, gehen neue Kooperationen ein und verstärken sich mit zum Teil erheblichen Zukäufen. Und dank der guten Geschäftsentwicklung verfügen sie über die nötigen Finanzmittel."

cl

Veröffentlicht am: 26.05.2017

 

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