Stimmung im Consulting: Die Großen atmen auf, die Kleinen sind am Kämpfen

Geschäftsklima Consulting - Dezember 2020

Der Geschäftsklimaindex für die Consultingbranche ist im Dezember zum vierten Mal in Folge gestiegen. Den größten Stimmungsaufschwung gibt es bei den IT-Beratungen. Einige Beratungssegmente leiden nach wie vor stark unter der Situation.

Während einige Beratungssegmente von der aktuellen Situation profitieren, leiden andere nach wie vor stark darunter (Bild: Kyaw Tun - unsplash)

Nachdem der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) das Stimmungsbarometer im März 2020 herausgegeben hat, war der Indexwert innerhalb des ersten Quartals um 30 Punkte auf 70,4 abgestürzt. Seitdem erholt sich die Branche langsam, aber sicher: Im Juni lag der Wert 84,3, im September  bei 91,9 Punkten und stieg nun im Dezember auf 94,5 Indexpunkte an. Somit liegt das Stimmungsbarometer des BDU nun auch wieder über dem Wert des ifo-Geschäftsklimas, welches nach einer vergleichbaren Systematik durchgeführt und ausgewertet wird.

Aufschwung nicht in allen Branchen spürbar

Es ist jedoch zu vernehmen, dass sich der Markt sehr uneinheitlich entwickelt: Zwar bezeichnet circa ein Drittel der Marktteilnehmer die derzeitige Geschäftslage als gut. Andererseits beklagen fast ebenso viele (27 Prozent) eine schlechte Geschäftssituation. Während 41 Prozent der großen Consulting-Unternehmen gut in der Pandemie wegkommen, muss die Hälfte der kleineren Unternehmensberatungen mit weniger als 250.000 Euro Jahresumsatz dafür umso mehr kämpfen, knapp jede Fünfte bezeichnet die Geschäftslage als gut.

Diese Felder profitieren

Unter allen Beratungsbereichen gibt es bei den IT-Beratungen den größten Stimmungsaufschwung. Betrug der Geschäftsklimawert im März noch 4,0 Indexpunkte, so ist er im September auf 15,0 gestiegen. Das rührt daher, dass durch Corona nochmals die Anforderungen an die Digitalisierung in den Unternehmen gewachsenen ist. Auch in den wichtigen Kundenbranchen der Consultants, dem Fahrzeugbau und dem Maschinenbau, zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab. Die Sanierungsberater bewegen sich wie in den letzten Wellen im Geschäftsklima Consulting auf konstant hohem Niveau: Der Indexwert lag sowohl im September als auch jetzt im Dezember bei 43. Trotz des deutlich höheren Indexwertes können die Restrukturierungsexperten aber noch nicht von einem Boom sprechen. Vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate sind in diesem Beratungssegment der Stimmungstreiber. Der Grund: Durch die Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht ab Jahresanfang 2021 werden deutlich zunehmende Insolvenzfälle in der Wirtschaft erwartet.

 Im Gegensatz dazu vergibt das Verkehr- und Gastgewerbe nach wie vor nur wenige Beratungsaufträge und bildet somit erneut das Schlusslicht. Das wieder hat Auswirkungen auf die uneinheitliche Entwicklung in der Consultingbranche. Ralf Strehlau sagt dazu:

"Unternehmensberatungen, die auf bestimmte Branchen spezialisiert sind, die besonders von den Pandemie-Auswirkungen betroffen sind, trifft es besonders hart. Wer beispielsweise vor allem Travel-Unternehmen berät, kommt nur schwer an neue Projekte."

Im Vergleich zu anderen Beratungssementen stehen Human-Resources- und Personalberatungen weiterhin vor den größten Marktherausforderungen. Auch die Stimmung unter Organisations- und Prozessberatungen tendiert rückläufig von 8,0 Indexpunkte im September auf 4,0 im Dezember.

Umsatzminus für 2020 zwischen minus fünf und minus zehn Prozent erwartet

Mehr als jede dritte Beratung geht für das laufende Jahr 2020 insgesamt von einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent aus. Wirft man einen Blick auf die Entwicklung des Gesamtmarktes, so ergibt sich für das Geschäftsjahr 2020 eine Prognose in der Spanne zwischen -5 Prozent und -10 Prozent. Je nach Umsatzklasse unterscheiden sich die Zahlen deutlich: Die großen Marktteilnehmer rechnen mit einem Minus von 4 Prozent, bei den kleinen Beratungsunternehmen unter 250.000 Euro Jahresumsatz ergibt sich ein Minus von 24 Prozent erwarten. Der BDU rechnet damit, dass das Niveau des gesamten Marktes von Ende 2019 voraussichtlich erst im Jahr 2022 erreicht werden kann.

/cb

 

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