Studenten in Deutschland: Familie vor Karriere

Ernst & Young-Studie

Beruflicher Erfolg und ein hohes Gehalt verlieren unter deutschen Studenten an Bedeutung. Stattdessen werden Familie, Freunde und Freizeit wichtiger wie eine aktuelle Studie von Ernst & Young zeigt. Der berufliche Aufstieg hat nur noch für eine Minderheit eine hohe Bedeutung.

Immer mehr Studenten legen mehr Wert auf ihr privates Umfeld (Bild: StockSnap - pixabay)

Immer mehr Studenten legen mehr Wert auf ihr privates Umfeld (Bild: StockSnap - pixabay)

 

Immer mehr Studenten legen laut einer aktuellen Studie von Ernst & Young deutlich mehr Wert auf ihr privates Umfeld statt Karriere bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber: Für 70 Prozent hat die Familie eine sehr hohe Bedeutung, für 66 Prozent die Freunde und für 50 Prozent die Freizeit. Für die Studie wurden in deutschen Universitätsstädten rund 2.000 Studenten befragt.
Der entspannte Blick auf die eigene Karriere hängt vor allem mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland zusammen. So sagen insgesamt 41 Prozent der Studenten, dass sich ihre Aussichten, schnell einen Job zu finden, angesichts der wirtschaftlichen Lage in den letzten Monaten, verbessert haben. Insgesamt 92 Prozent der Studenten gehen davon aus, dass sie im Anschluss an ihr Studium schnell einen Job finden. Dementsprechend ist die Zufriedenheit der Studenten immer weiter gestiegen: 88 Prozent sind mit ihrer aktuellen persönlichen Situation zufrieden – jeder Dritte sogar sehr. 

Wertewandel unter deutschen Studenten

"Bei deutschen Studenten zeichnet sich immer deutlicher ein grundlegender Wertewandel ab", kommentiert Oliver Simon, Leiter der Personalabteilung von Ernst & Young (EY). "Familie, Freunde oder Freizeit gewinnen bei ihnen einen immer höheren Stellenwert. Dabei rechnen sie durchaus mit einem sicheren Job und einem auskömmlichen Gehalt; eine steile Karriere mit außergewöhnlichen Verdienstmöglichkeiten verliert jedoch immer weiter an Attraktivität." Einen Grund für diese Entwicklung sieht Simon in dem jahrelangen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland: "Die gegenwärtige Studentengeneration findet hervorragende Ausgangsbedingungen vor. Das hat ihr ein Gefühl der weitgehenden Sicherheit gegeben, sodass sie sich mehr auf ihre persönlichen Interessen und Ziele konzentrieren kann."

Persönliches Interesse wichtigstes Motiv bei Studienfachwahl

Entsprechend haben viele ihr Studienfach eher nach persönlichen Interessen als nach guten Jobchancen ausgewählt: Für 63 Prozent war ihr persönliches Interesse ein sehr wichtiges Motiv bei der Studienplatzwahl.
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in dieser Frage schrumpfen zusammen, unter anderem auch, weil Männern beruflicher Erfolg offenbar nicht mehr so wichtig ist wie früher. So überwiegt bei 63 Prozent der Männer inzwischen das persönliche Interesse bei der Studienfachwahl. Damit ist der Anteil genauso hoch wie bei Frauen. 

Männer erwarten höheres Einstiegsgehalt

Privates steht inzwischen bei den Männern deutlich an erster Stelle. Für jeweils 62 Prozent haben Familie und Freunde eine hohe Bedeutung, für 50 Prozent die Freizeit. Nur noch für 45 Prozent ist beruflicher Aufstieg wichtig, der vor zwei Jahren noch von 62 Prozent der Männer gleichauf mit der Familie genannt wurde. Beruflicher Aufstieg hat dagegen nur für 38 Prozent der Studentinnen eine hohe Bedeutung.
Nur beim Geld geben sich Männer nach wie vor selbstbewusster: Während sie zum Einstieg ein Jahresgehalt von durchschnittlich 39.300 Euro erwarten, rechnen Frauen durchschnittlich nur mit 36.500 Euro. Insgesamt beträgt das durchschnittlich erwartete Einstiegsgehalt 37.900 Euro.

Geisteswissenschaftler studieren am ehesten aus Interesse

Deutliche Unterschiede bei der Studienfachwahl und den Jobaussichten gibt es allerdings weiterhin zwischen den verschiedenen Fachrichtungen: Insbesondere Geisteswissenschaftler wählen ihr Fach vor allem nach persönlichem Interesse aus. Ähnlich hoch ist das persönliche Interesse bei Sprach-, Sozial- und Kulturwissenschaftlern.
Gute Verdienstmöglichkeiten sind in erster Linie den Medizinern wichtig, gefolgt von Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaftlern. Diese Studienrichtungen sind es auch – zusammen mit den Juristen –, die am ehesten davon ausgehen, nach ihrem Studium zügig einen Job zu finden.

Jobsicherheit ist wichtigstes Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers

Obwohl die Jobaussichten aus Sicht der Studenten kaum besser sein könnten, ist für über die Hälfte immer noch die Jobsicherheit wichtigstes Kriterium bei der Wahl ihres künftigen Arbeitgebers. Gehalt und flache Hierarchien im Betrieb folgen auf den Plätzen. Aufstiegschancen beziehungsweise Karrieremöglichkeiten waren vor zwei Jahren noch zweitwichtigstes Kriterium. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat weiterhin an Bedeutung gewonnen.

Veröffentlicht am: 14.08.2018

 

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