Top-Manager erwarten starkes Wachstum in der zivilen Luftfahrt

Internationale Luftfahrt- und Verteidigungsbranche

München - Die globale Luft- und Raumfahrtbranche sowie die Verteidigungsindustrie blicken optimistisch in die Zukunft. Das zeigt eine Umfrage unter 150 internationalen Top-Managern der Branche, die Roland Berger Strategy Consultants für das "Aerospace & Defence Management Issues Radar 2015" befragt hat. 73 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass das starke Wachstum in der zivilen Luftfahrtindustrie mindestens noch fünf Jahre anhalten wird. Trotzdem investieren nur 58 Prozent der Unternehmen in zusätzliche Kapazitäten und davon wiederum sind drei Viertel darauf bedacht, keine Überkapazitäten aufzubauen. Dies könnte dazu führen, dass die Zulieferer den geplanten Produktionsausbau bei wichtigen Marktteilnehmern ausbremsen.

67 Prozent der Manager aus der Verteidigungsindustrie erwarten ein Ende der Kürzungen der Verteidigungsbudgets in Europa. Gründe sind die schlechtere geopolitische Lage sowie Sicherheitsbedenken im eigenen Land.

Die großen Investitionen für die Entwicklung neuer Programme in der zivilen Luftfahrt seien in den letzten Jahren getätigt worden, so Roland Berger Strategy Consultants. Jetzt gehe es darum, Produktionsprozesse und Lieferketten zu optimieren, um Lieferengpässe zu vermeiden. Wenn man bedenke, dass das Auslieferungsniveau für große Verkehrsflugzeuge schon jetzt 52 Prozent über dem bisherigen Spitzenwert der Branche liege, müsse man sich durchaus um die Kapazität sorgen. Gleichzeitig bedeute das Ausbleiben neuer Programme, dass auf jeden Fall etwas getan werden muss, um die technische Entwicklungskompetenz aufrechtzuerhalten.

Europa und USA bleiben die wichtigsten Produktionsstandorte

Obwohl die Stimmung in der zivilen Luftfahrtbranche gut ist, wollen nur 15 Prozent der Befragten signifikant in neue Produktionskapazitäten investieren. 44 Prozent dagegen sind zurückhaltend, um keine Überkapazitäten aufzubauen. Trotz der erfreulichen Aussichten glaubt rund ein Drittel, dass sich die geopolitische Lage im Nahen Osten sowie in Russland und der Ukraine weiter verschlechtern wird und die zivile Luftfahrtindustrie darunter leiden könnte. Als zweitgrößte Gefahr sehen die Befragten einen Abschwung der chinesischen Wirtschaft, gefolgt von einem Abflauen der europäischen Wirtschaft. Asien bleibe jedoch insgesamt der am schnellsten wachsende Markt. Hier würden laut Roland Berger Strategy Consultants in den nächsten Jahren weiterhin die meisten Flugzeuge ausgeliefert. Zudem seien die Kunden der OEMs weltweit gut verteilt, so dass lokale Krisen nur begrenzte Auswirkungen auf andere Märkte hätten. So haben 70 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen Jahren Standorte in Niedriglohnländern aufgebaut. Aufgrund langer Lieferzeiten, fehlender Fachkenntnisse und schwindender Lohnvorteile sind einer solchen Verlagerung in Niedriglohnländer allerdings klare Grenzen gesetzt.

Verteidigungsindustrie im Aufschwung

Die Verteidigungsindustrie sei besorgt über die Entwicklung an Krisenherden wie der Ukraine oder im Nahen Osten, so Roland Berger weiter. Deshalb erwarten zwei Drittel der Befragten in den westlichen Ländern keine weiteren Ausgabenkürzungen, sondern eher steigende Verteidigungsbudgets. Die Nato-Mitgliedsstaaten stünden zunehmend unter Druck, die vereinbarten zwei Prozent ihres Bruttoinlandproduktes für Verteidigung auszugeben. Russland plane, seinen Rüstungshaushalt um 30 Prozent zu steigern, um ihn wieder auf das Niveau vor der Auflösung der Sowjetunion zu bringen.

Als attraktivste Exportregion gilt bei den europäischen Top-Managern der Nahe Osten. Auch wenn die USA der größte Verteidigungsmarkt sind, rangiert Nordamerika nur an zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala, während Indien wegen langwieriger, komplexer und undurchsichtiger Entscheidungsprozesse auf den vierten Rang zurückgefallen ist.

Personalmanagement muss langfristiger planen

Rund drei Viertel der Befragten glauben, dass das Thema Personalmanagement in den kommenden zehn Jahren an Bedeutung gewinnen wird und sie sich dabei strategischer ausrichten müssen. Das Wachstum sowie die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung der Luftfahrtbranche sorgen für einen steigenden Fachkräfte- und Kompetenzmangel. Gut ausgebildete, international orientierte Luftfahrtspezialisten wie z.B. Wartungstechniker sind schon heute auf dem Arbeitsmarkt eher rar. Vor allem in Wachstumsmärkten und Schwellenländern wird es immer schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden.

74 Prozent der Befragten glauben deshalb, dass das Leistungsspektrum der Personalabteilung ihres Unternehmens ausgebaut werden muss. Allerdings ist das derzeitige Kompetenzniveau ihrer Personalabteilung nur für 17 Prozent der Befragten ein Differenzierungsmerkmal zum Wettbewerb. Bisher galt die Personalabteilung hauptsächlich als ausführendes Organ der Geschäftsplanung, während die strategische und langfristige Planung vernachlässigt wurde. Jetzt müssen Personalsuche und -entwicklung, Leistungsmessung und Vergütung direkter mit den Geschäftszielen verknüpft werden. Besonders die Mobilität der eigenen Mitarbeiter gilt es zu fördern, damit sie verschiedene Funktionen erfüllen können und das Unternehmen schneller auf Veränderungen reagieren kann.

ah

Veröffentlicht am: 11.06.2015

 

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