Trotz Ukraine-Krieg und Corona-Ausläufern: Consulting-Branche geht 2022 von erneut wachsenden Zahlen aus

BDU-Jahrespressekonferenz 2022

Während seiner jährlichen Pressekonferenz stellte der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater am 16. März 2022 seine Studie „Facts & Figures zum Beratungsmarkt 2022“ vor. Darin enthalten: Positive Zahlen zum Jahr 2021, ein immer noch optimistischer Blick auf 2022 und Zukunftstrends, die BDU-Mitglieder als wichtig für ihre Branche sehen.

BDU-Präsident Ralf Strehlau und Vizepräsident Matthias Loebich präsentierten die Studie "Facts & Figures zum Beratungsmarkt 2022" und beantworteten die Fragen der zugeschalteten Journalisten. (Bilder: BDU)

Eigentlich hatte sich der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater Hoffnungen gemacht, mit seiner gestrigen Jahrespressekonferenz leicht verspätet ein einigermaßen normales Jahr für seine Branche einläuten zu können. Stattdessen muss sich auch die Beratungsbranche mit den unmittelbaren und mittelbaren Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine beschäftigen. „Wir haben viele Mitgliedsunternehmen, die in der Ukraine geschäftlich tätig sind. Gerade große Beratungshäuser haben dort eigene Teams. Da die Ukraine ein wichtiger IT-Entwicklungsstandort ist, sind es teilweise über 1.000 Mitarbeitende“, stellte BDU-Präsident Ralf Strehlau fest. „Sie können davon ausgehen, dass diese Unternehmen sehr bemüht sind ihren Leuten zu helfen, auch wenn sie bewusst zurückhaltend dazu kommunizieren.“ BDU-Vizepräsident Matthias Loebich beobachtet eine große Solidarität innerhalb der Branche:

„Wir wissen von vielen Fällen, in denen Unternehmensberaterinnen und -berater nicht nur privat spenden, sondern auch Kolleginnen und ehemalige Projektpartner aus der Ukraine privat als Flüchtlinge aufnehmen.“

Folgen des Ukraine-Kriegs für die Beratungsbranche

So erschütternd die Ereignisse in der Ukraine sind – bislang haben sie die insgesamt positiven Erwartungen der Beratungsbranche für das Jahr 2022 nicht erheblich verändert. Das geht aus einer Blitzumfrage hervor, die der BDU zwischen dem 2. und 9. März 2022 als Ergänzung zu seiner Marktstudie „Facts & Figures zum Beratungsmarkt“ durchführte. Darin stimmten nur 25 Prozent der befragten Unternehmen der These stark zu, dass die möglichen Folgen des Krieges in der Ukraine zu einem mit dem ersten Corona-Jahr 2020 vergleichbaren Einbruch der Konjunktur in der Consulting-Branche führen könnten. 36 Prozent zeigten eine geringe Zustimmung. „Damals wurde durch die Kontaktbeschränkungen der physische Kontakt zu Kunden unterbunden und die Wirtschaft weltweit heruntergefahren – dies ist heute nicht so“, ordnet Ralf Strehlau ein. 

Auch beim prognostizierten Marktvolumen in Euro für das Jahr 2022, das innerhalb der Studie „Facts & Figures zum Beratungsmarkt 2022“ ermittelt wurde, zeichnete sich durch den Kriegsausbruch kein erheblicher Einbruch ab: Der Betrag sank unter der Berücksichtigung des Antwortverhaltens vor und nach dem 24. Februar 2022 lediglich leicht von 42,4 Milliarden Euro auf 42,1 Milliarden Euro. Das wäre immer noch 10,5 Prozent mehr als der Gesamtumsatz des Jahres 2021, der laut BDU bei 38,1 Milliarden Euro lag (weitere Zahlen zu 2021 s. u.).

Quelle: Branchenstudie "Facts & Figures zum Beratermarkt 2022", BDU

Allerdings verschoben sich durch den Kriegsausbruch die Einschätzungen der befragten Unternehmen, auf welche Marktsegmente sich der zusätzliche Umsatz verteilen wird. Sah die Branche zunächst für Anbieter von Nachhaltingkeitsberatung besondere Chancen für Zuwächse, hat  nun das Segment der Sanierungsberatung leicht die Nase vorn (Prognose für 2022: + 13,5 Prozent) vor IT-Anwendungen und Beschaffung & Supply Chain (jeweils +13 Prozent) sowie Nachhaltigkeitsberatung (+12 Prozent) . Eine besondere Nachfragesteigerung erwarten die insgesamt 400 befragten Unternehmen dabei besonders aus den Branchen Chemie/Pharma, Healthcare, dem Public Sector und Versicherungen.

Rückblick: Das Jahr 2021 lief erstaunlich gut für die Branche

Nach dem schwierigen ersten Corona-Jahr 2020 war die Branche laut den Zahlen des BDU bereits 2021 wieder kraftvoll durchgestartet. Die bereits oben erwähnten 38,1 Milliarden Euro Gesamtumsatz des vergangenen Jahres bedeuteten gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 (35,7 Mrd. Euro) einen Zuwachs von fast 7 Prozent.

Quelle: Branchenstudie "Facts & Figures zum Beratermarkt 2022", BDU

Die Marktanteile und Zuwächse verteilten sich der BDU-Studie zufolge dabei folgendermaßen auf die unterschiedlichen übergeordneten Beratungssegmente:

•    Organisations- und Prozessberatung: Marktanteil = 43,9 Prozent und Wachstum: + 11,0 Prozent 
•    Strategieberatung: Marktanteil = 25,0 Prozent und Wachstum: + 10,0 Prozent
•    IT-Beratung: Marktanteil = 21,1 Prozent und Wachstum: + 9,0 Prozent 
•    Human Resources Beratung: Marktanteil = 9,0 Prozent und Wachstum: + 11,5 Prozent

„Im Bereich der HR-Beratung zeigte sich 2021 ein deutlicher Nachholeffekt. Die Nähe zum Kunden beziehungsweise zum Menschen ist hier besonders wichtig – hier gab es im vergangenen Jahr bereits deutlich weniger Restriktionen,“ kommentierte Ralf Strehlau. 

Als gutes Signal für die Branche deutete die BDU-Spitze auch den im Jahr 2021 noch einmal gestiegenen Anteil von Frauen in Consultingfirmen: Von den rund 219.000 Beschäftigten der Branche sind inzwischen 39 Prozent weiblich. Ihr Anteil in Geschäftsführungen fällt mit 14 Prozent allerdings immer noch recht niedrig aus – auch wenn es an dieser Stelle einen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent gab. Unter den Senior Consultants sind 26 Prozent Frauen, was einen Zuwachs um 15 Prozent bedeutete.  Ralf Strehlau sagte dazu:

„Wir wissen, dass wir beim Frauenanteil auf allen Hierarchieebenen noch nicht da sind, wo wir hinwollen. Allerdings erkennen wir eine Entwicklung in die richtige Richtung.“ 


Quelle: Branchenstudie "Facts & Figures zum Beratermarkt 2022", BDU

Trends im Consulting: Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Diversity

Der BDU fragte in seiner Studie auch die Einschätzung der Unternehmensberatungen zu verschiedenen Trendthemen ab. Daraus ergab sich folgendes Stimmungsbild:

•    80 Prozent stimmen der Aussage stark zu, dass das Profil eines erfolgreichen Consultants zukünftig ein Mix aus Digitalisierungsskills, Industriewissen und sozialen und kommunikativen Kompetenzen sein wird;
•    71 Prozent stimmen der Aussage stark zu, dass Bewerbende und eigene Mitarbeiter eine Erwartungshaltung in Bezug auf Haltung und verantwortlichem Handeln haben, denen Consulting-Unternehmen gerecht werden müssen,
•    63 Prozent stimmen der Aussage stark zum, dass die Corona-Pandemie Schwächen bei der Digitalisierung im Öffentlichen Sektor offenbart hat und das sich daraus Beratungsbedarfe ergeben. 


„Der Krieg in der Ukraine, die Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit, aber auch die weiterlaufende Corona-Pandemie wirken sich zwangsläufig auf das Wirtschaftsgeschehen aus. Die hieraus resultierende Notwendigkeit zur Anpassung erweist sich regelmäßig als Treiber für die Consultingbranche. Denn: Aus Veränderung entsteht oft ein höherer Beratungsbedarf“,

resümiert BDU-Präsident Ralf Strehlau.
 

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